Viele Unternehmen, auch kleine, traf die Corona-Pandemie hart. Ähnlich erging es der "Schülerfirma D!Box" der Wallburg-Realschule in Eltmann, deren erfolgreicher Start durch den Lockdown gebremst wurde; die weitere Produktion kam dann völlig zum Erliegen.

Die Geschäftsidee und ihre Umsetzung waren jedoch schon so weit vorangeschritten, dass sich die Schülerfirma am digitalen Landeswettbewerb beteiligen konnte und dort mit einem hervorragenden dritten Platz in Bayern abschnitt, dazu noch als jüngstes Teilnehmerteam. Auch die Aktionäre konnten sich über ein positives Ergebnis freuen.

In der Abschlusshauptversammlung in der Aula der Wallburg-Realschule gab der Vorstand der Schülerfirma einen Bericht über das Geschäftsjahr. Das Junior-Unternehmen stellte hochwertige Edelstahl-Boxen her und erreichte damit eine besondere Nachhaltigkeit für sein Produkt, das man vielfältig einsetzen kann: etwa als Stiftebox, Kabeldose für Handy-Aufladegeräte oder als Mund-Nase-Schutz-Aufbewahrungsbox.

Verkaufsaktionen

Umsätze machte die Schülerfirma durch den Verkauf an der Wallburg-Weihnacht sowie bei einem Konzert in der Schule, auf dem interkulturellen Adventsmarkt in Bamberg, über verschiedene Firmen sowie beim Pausenverkauf in der Schule. Der Verkauf lief so gut, dass die erste Tranche an Dosen bald vergeben war und man dringend Nachschub brauchte. Hier war man auf den Händler angewiesen, der die Materialboxen ausgerechnet aus China beschafft hatte. Es kam zu Lieferschwierigkeiten - und die Realschüler mussten warten.

Außerdem hingen die Boxen dann längere Zeit beim deutschen Zoll fest, ähnlich wie die Schutzmasken. Die Auftragsbücher waren voll, aber es stockte die Produktion. Dann kam, dass von heute auf morgen mit dem 13. März der Unterrichtsbetrieb an den Schulen schloss; die Mitarbeiter kamen nicht mehr an ihren Arbeitsplatz in der Schule.

Damit nicht genug. Die Schülerfirma war auf die Unterstützung der Firma Ceratonia in Ebelsbach angewiesen, mit deren Hilfe und Maschinen die Dosen spezielle Gravuren erhielten. Dabei stand der Wirtschaftspate Adrian Dümpert den Schülern mit Rat und Tat zur Seite. Aber auch diese Firma ging in Kurzarbeit und damit war die vorübergehende Produktionsstätte für die Schülerfirma geschlossen.

Der Schülerfirma ging es also nicht anders als vielen anderen Unternehmen im Land. Zum Glück war bis dahin alles so weit vorangeschritten, dass sich die Eltmanner Realschüler nun auf den Landeswettbewerb konzentrieren konnten. Hier treten einen Tag lang unter den Augen vieler Gäste, der Presse und einer Expertenjury die besten Junior-Unternehmen Bayerns in Wettstreit miteinander. Aber auch dieser Wettbewerb konnte wegen der Corona-Pandemie nicht wie gewohnt stattfinden. Die Verantwortlichen beschlossen dann, beim Wettbewerb digital und online mitzumachen.

Der stellvertretende Vorstandsvorsitzende Philipp Muth bekräftigte, dass dies für das ganze Team die nächste große Herausforderung war, denn es galt, Ideen für einen Film per Videokonferenzen mit den Lehrerinnen Susanne Müller und Marion Dirscherl zu besprechen, alternative Präsentationsmöglichkeiten zu überlegen sowie Unterlagen wie Fragebogen, den Geschäftsbericht, Werbeflyer oder Videos herzustellen.

Die Aktionäre konnten sich dann bei der Abschlussversammlung selbst ein Bild davon machen, wie hervorragend den Schülern diese Präsentation in einer schwierigen Zeit gelungen ist. Großer Beifall brandete auf beim Video über die Preisverleihung, bei der der Laudator "das hohe Engagement und das Herzblut, welches die Schülerfirma an den Tag legte", in besonderer Weise hervorhob.

Berichte

Mit Stolz gaben die Vorstandsmitglieder vor der Hauptversammlung ihre Berichte ab. Der Abteilungsleiter für die Produktion, Simon Schlee, ermöglichte mit Bildern einen Einblick in die Arbeit in der Produktionsstätte bei Ceratonia in Ebelsbach und bedauerte, dass die Schülerfirma wegen der Coronakrise an der weiteren Arbeit gehindert worden sei.

Marie Kretschmer, die Abteilungsleiterin für das Marketing, stellte heraus, dass man die eigene Geschäftsidee kreativ umgesetzt und dabei ein besseres Verständnis von wirtschaftlichen Zusammenhängen erfahren habe. Vor allem habe man Schlüsselqualifikationen wie Teamfähigkeit und Selbstständigkeit sowie Verantwortungsbewusstsein und Zuverlässigkeit erworben. Das alles werde bestimmt Hilfe im späteren Berufsleben sein.

"Die Basis für ein erfolgreiches Unternehmen ist die Buchführung", betonte Marie Adam, die Leiterin der Finanzabteilung. Als Grundkapital von 820 Euro dienten die 82 Aktien zu je zehn Euro. "Leider bestand ab März aufgrund der Corona-Pandemie keine Möglichkeit mehr für uns, weitere Produkte zu verkaufen." Den Ausgaben von 3972 Euro standen aber trotzdem Einnahmen von 4917 Euro gegenüber bei Lohnkosten von 359 Euro, so dass man zu einem Jahresüberschuss von 497 Euro kam. "Somit erhält jeder Aktionär zu seinem Aktienanteil noch einen Gewinn von sechs Euro, und eine Aktie erwirtschaftete also einen Gewinn von 60 Prozent", erfuhr die Versammlung.

Die Verwaltungsleiterin Maxi Boczar betonte deshalb: "Wir sind trotz Pandemie sehr glücklich, wie dies alles verlaufen ist, und haben in diesem Schuljahr sehr viel über das Unternehmertum gelernt."

Es geht weiter

Die Betreuungslehrerin Susanne Müller wies darauf hin, dass die Realschule wegen der vorhandenen Materialbestände und der Probleme mit der Pandemie ausnahmsweise die Schülerfirma auch im nächsten Jahr weiterführen dürfe. Mit einer Spendenbox für "Ärzte ohne Grenzen gegen Corona" leisteten dann Aktionäre und Schüler einen zusätzlichen Beitrag für die aktuell schwierige Zeit.