Steffen Standke

Die geplante Wechselstromleitung P43 von Dipperz nach Bergrheinfeld beschäftigte erneut den Bad Brückenauer Stadtrat. Und wurde rege diskutiert. Kein Wunder, streifen doch aktuell zwei Vorschlagskorridore für die Stromtrasse das Stadtgebiet (wir berichteten).

Bürgermeister Jochen Vogel (CSU) informierte über den Stand der Dinge. Momentan ist er mit seinen Bürgermeister-Kollegen im Landkreis, den Bürgerinitiativen und dem Bund Naturschutz "in regem Austausch". Jede Woche gebe es eine Videokonferenz.

"Das Thema ist bei den Leuten draußen nicht so da", vermittelte der Bürgermeister seinen Eindruck aus Gesprächen. Viele würden P43, die so genannte Fulda-Main-Leitung, mit Südlink verwechseln und sagen: Die kommt doch unter die Erde. Das stimme nicht: P43 sei größtenteils eine Freileitung.

Zwar wurde laut Vogel festgelegt, dass "maximal zwei Erdverkabelungsabschnitte" dabeisein werden. Dafür seien aber technische (Umspann-)Bauwerke nötig. Und die würden "insgesamt sechs Sportplätze" schlucken. "Wir versuchen, die Leute zu sensibilisieren."

Das soll laut dem Bürgermeister unter anderem über Banner in den Kommunen geschehen. Die würden gerade abgestimmt. Das Bad Brückenauer Banner soll ein Bild vom Römershager Schulzentrum und einer Schneise im Wald zeigen. So wolle man auf die drohende zu große Nähe der Stromtrasse zu städtischer Bebauung hinweisen. Was vom Gesetz her gar nicht erlaubt sei.

Später sprach Vogel auch davon, dass man in Zeiten, wo der Klimawandel viele Wälder zerstöre, nicht auch noch Schneisen für Strommasten in intakte Gehölze schlagen könne. Gerade werde auch ein Flyer mit Alternativen zur Trasse erarbeitet.

Schutz vor Autobahnlärm

Adelheid Zimmermann (FDP) fürchtete um den Schutz Bad Brückenaus vor dem Lärm der Autobahn, wenn dort der Wald falle. Ein Trassenkorridor führt die A 7 entlang von Dipperz bei Fulda Richtung Süden.

Ansonsten wurde im Stadtrat erneut nach der Notwendigkeit der Fulda-Main-Leitung gefragt. Und danach, ob nicht stattdessen bestehende Stromleitungen aufgestockt werden könnten (Hartmut Bös, Grüne). Eine befriedigende Antwort konnte niemand geben, auch nicht Vogel, der sich intensiv mit dem Thema beschäftigt hat.

Laut ihm sei der schwer kritisierte Übertragungsnetzbetreiber Tennet der falsche Ansprechpartner: "Die sagen, P43 ist Gesetz und wir haben den Auftrag zur Planung." Jüngst hatte der Bundestag den so genannten Bundesbedarfsplan mit der P43 beschlossen. Es geht nicht mehr darum, dass, sondern wo und wie sie gebaut wird.

Jochen Vogel informiert, dass die Betroffenen noch zweimal im Planungs- und Genehmigungsprozess beteiligt werden. "Wir können uns da aber nicht hinstellen und sagen, woanders ist die Stromtrasse besser aufgehoben. Wir müssen darauf hinweisen, wo die Bevölkerung, Pflanzen und Tiere geschützt werden müssen."