Über die Gestaltung der Ortsmitte haben sich Studenten der Hochschule Coburg Gedanken gemacht. Wie kann die Mitte Weitramsdorfs attraktiver gestaltet werden? Ideen dazu stellte Prof. Mario Tvrtkovic von der Hochschule Coburg in der Gemeinderatssitzung vor.
Der Experte für Dorfbau, Stadtmorphologie und Nachkriegsmoderne in Europa hatte sich gemeinsam mit seinen Kollegen Prof. Markus Schlempp (Spezialist für "Neues Bauen in alter Umgebung") und Prof. Mark Philipps (Innenarchitektur) und Studenten auf Bitten der Verwaltung Gedanken darüber gemacht, was das Besondere an der Kerngemeinde ist und wie es betont werden kann. Mächtige Baukörper und Leerstände identifizierte Tvrtkovic als Herausforderung, dennoch sieht der Professor für Städtebau "viel vorhandenes Potenzial für Innenentwicklung".


"Wasser sichtbar machen"

Inspiriert durch eine alte Karte mit sichtbarem Bachverlauf und Hofstrukturen entwickelten einige Studenten das "Generationen-Dorf" als eine Möglichkeit, mit der sich die Dorfgemeinschaft auch dem demografischen Wandel stellen könnte. So könnte etwa ein "Indoor Spielplatz" in der früheren Halle der Firma Albrecht die Dorfmitte stärken. Der Vorschlag sieht weiter vor "das Thema Wasser wieder sichtbarer zu machen" und zentral Dienstleister anzusiedeln. Auch ein Mehrgenerationen-Wohnen wird angedacht.
Ein zweites Team stellt sich unter dem Stichwort "Campus" die Ansiedlung moderner Arbeitsplätze vor. Co-Working könnte die leerstehenden Lagerhallen beleben und aus der Halle könnte ein "Bürgerhaus" inklusive Bibliothek und Gruppenräumen werden. Hier böte sich "die Chance, in Zeiten der Digitalisierung das Thema Arbeit neu zu verstehen", meinte Tvrtkovic.
Eine "Starke Mitte" präsentiert die dritte Variante: Im Zentrum gelte es, viele Funktionen wie Wohnungen, Möglichkeiten zum Einkaufen und der Begegnung zu konzentrieren. Dazu müsste die Mitte baulich gefasst werden. "Wenn da Menschen sein sollen, dann müssen da welche wohnen", forderte der Professor. Skeptisch äußerte sich Carl, er konnte sich nicht vorstellen, "diesen schönen Platz zu bebauen". "Sie müssen sich als Dorfgemeinschaft überlegen, wo sie hinwollen", entgegnete ihm der Referent: "Entweder wollen Sie die Mitte stark machen oder nach außen wachsen." Beides schließe einander aus. In Wallenfels hatte der Städtebau-Experte einen Wettbewerb zur Umgestaltung der Ortsmitte mit einer Werkstatt vor Ort initiiert. Eine ähnliche Aktion könnte er sich auch für Weitramsdorf vorstellen.
Kämmerer Christian Reuß nahm den Unmut, der sich auch aus Reihen der betroffenen Anlieger im Zuschauerraum gegen manchen Vorschlag regte, zum Anlass, darauf hinzuweisen, dass es sich bei allen vorgetragenen Ideen lediglich um "reine Denkanstöße für den Gemeinderat" handele. Der Bürgermeister dankte Tvrtkovic für den "Strauß an Ideen" und versprach, "die Privaten bei einer möglichen Gestaltung mitzunehmen". bek