Der April war wieder ein trockener Monat. Die agrarmeteorologische Messstation in Maria Bildhausen verzeichnete bis zum 26. April lediglich 14 Liter Niederschlag auf den Quadratmeter Fläche. Doch so kritisch wie im Vorjahr ist die Situation nicht. 2020 war es im April deutlich trockener und vor allem wärmer. So ist die Lage zwar nicht entspannt, aber auch nicht kritisch, so die Auskunft aus Land- und Forstwirtschaft. Noch profitiert die Natur von den Niederschlägen des Winters und dem zögerlichen Ansteigen der Frühlingstemperaturen. Entwarnung bedeutet das allerdings nicht. Die Wasserarmut wird weiter ein Thema bleiben, sind sich Fachleute sicher.

Die Situation sei besser im Vergleich zum Vorjahr, erklärt der Münnerstädter Landwirt Volker Schmitt auf Nachfrage. "Wir sind noch nicht komplett im Stress", betont er. In den oberen Schichten sei für die Pflanzen ein Zugang zum Wasser da. In den tieferen Schichten sehe das anders aus. Bis dorthin sind nach Meinung von Volker Schmitt die Winterniederschläge auch in diesem Jahr nicht ausreichend vorgedrungen. Vorteil heuer ist, dass die Temperaturen bislang recht niedrig waren und damit die Verdunstung relativ gering ist.

Allerdings müsste es in absehbarer Zeit regnen, meint der Landwirt. Rund 14 Tage könnten die Feldfrüchte noch überbrücken. Kommt dann nichts, werde es sicherlich schwieriger. Vor allem die Sommersaaten wie Mais, Sonnenblumen oder Sommerweizen bräuchten Regen.

Die Kälte ist für den Münnerstädter einerseits positiv, was den natürlichen Wasserhaushalt angeht, schwierig seien dagegen die frostigen Nächte. Beim Raps, der kurz vor der Blüte steht, könnte das problematisch werden.

Das kühle Frühjahr hilft dem Wald, sagt der Leiter des Amtes für Landwirtschaft und Forsten Bad Neustadt/Bad Kissingen, Oliver Kröner. Kein Laub an den Bäumen heißt auch, weniger Wasserbedarf. Jahreszeitbedingt liege man daher eher im grünen Bereich. So herrscht trotz der geringen Niederschläge im April aktuell noch keine hohe Waldbrandgefahr. Der Index liege bei 3 von 5, so die Auskunft der Regierung von Unterfranken. Man geht aufgrund der Wettervorhersagen davon aus, dass die Waldbrandgefahr ab Donnerstag nochmals sinkt. Bei hoher und sehr hoher Gefahr ordne die Regierung von Unterfranken Beobachtungsflüge an. Das sei heuer noch nicht nötig gewesen, so Nicolas Rupp von der Pressestelle der Regierung.

Keine Entwarnung

"Doch die Zeitbombe tickt weiter", sagt der Forstfachmann Oliver Kröner. Hinter der Forstwirtschaft lägen drei schwere Jahre. Wenn es auch heuer wieder heiß und trocken werde, gehe die Misere weiter, fürchtet er. Deshalb sucht die Forstwirtschaft nach Wegen, den Wald zukunftstauglich zu machen. Das geht zum einen über die Auswahl der Bäume, die mit solchen Dürrezeiten besser umgehen können.

Doch es ist nicht nur die Wahl der richtigen Baumart. Man suche auch Wege, wie man das Wasser besser im Wald halten kann, erklärt Oliver Kröner. Darüber wird er beim 15. Wasserforum der Regierung von Unterfranken referieren.

Schonende Waldbewirtschaftung ist ein Thema. Aber auch die Waldwege selbst könnten künftig dazu beitragen, Regen im Wald zu halten. Heute seien sie oft so angelegt, dass das Oberflächenwasser in Gräben abgeleitet wird, von wo aus es dann in einen Bachlauf fließen kann. Bei Starkregen bringt das dann in kurzer Zeit zu schnell zu viel Wasser in Bäche und Flüsse, während der Wald weniger davon profitiert. Sinnvoll wäre, das Wasser zurückzuhalten, beispielsweise in Tümpeln. Abfließendes Wasser könnte auch über das Anlegen von Querrinnen direkt in den Waldboden geführt werden. Denn Bäume können viel Wasser fassen. Solange es sich um nicht häufig befahrende Waldwege handelt, sei das eine Möglichkeit, bestätigt der stellvertretende Leiter des Bad Kissinger Wasserwirtschaftsamtes, Uwe Seidl. Bei asphaltierten, stärker frequentierten Flächen sei das aus Umweltgründen schwieriger.

Die Aussagen aus der Forst- und Landwirtschaft zur Situation bestätigt auch Uwe Seidl. Es gebe keine dramatischen Engpässe bei den Trinkwasserversorgungen, und bei den Gewässern. Seidl ist froh, dass sich durch die Winterniederschläge zumindest keine Verschlechterung der Situation ergeben hat. Aber die Anzeichen des Klimawandels seien dennoch nicht zu leugnen, sagt der Vertreter des Wasserwirtschaftsamtes.

Auch wenn momentan keine angespannte Wassersituation herrsche, sei der sorgsame Umgang mit der Ressource Pflicht. Die Wasserwirtschaft setzt deshalb auch Privatleuten bei der Nutzung von Wasser Grenzen. Um die Gewässer zu schützen, darf beispielsweise aus Bächen und Flüssen kein Wasser abgepumpt werden, um damit die Gärten zu gießen, erläutert Uwe Seidl. Schöpfen sei erlaubt, Pumpen nicht. Wie Uwe Seidl ausführt, wird nach Wegen gesucht, wie landwirtschaftliche Flächen in Trockenhotspots dennoch umweltverträglich und ressourcenschonend bewässert werden könnten. Gerade für Franken sei dies ein wichtiges Thema. Auch Oliver Kröner vom Amt für Landwirtschaft und Forsten bestätigt dies. Es sind Strategien, wie durch schonende Bodenbearbeitung einerseits das im Wasser befindliche Wasser effektiver genutzt werden kann, als auch die Frage, wie aus Niederschlägen Wasser generiert werden kann, das der Bewässerung dient. Wasser bei Starkregen in Becken zu leiten statt in Flüsse wäre ein denkbarer Weg. In Franken nehmen mehrere Gemeinden an Pilotprojekten des bayerischen Umweltministeriums teil.