Die neuen Bahnstationen an der ICE-Strecke im nördlichen sind inzwischen barrierefrei ausgebaut. Doch nachdem sich die Inbetriebnahme der Aufzüge in Zapfendorf, Ebing und Breitengüßbach immer wieder verzögerte, hakt es jetzt offenbar immer noch. Am gestrigen Dienstag war es nachmittags jedenfalls weder in Zapfendorf noch in Breitengüßbach möglich, möglich, per Lift zu den Bahnsteigen zu gelangen. Dass die Bevölkerung im Landkreis Bamberg jedoch vom barrierefreien Ausbau durchaus profitieren kann, zeigt ein Vergleich.
Die oberfränkische SPD-Landtagsabgeordnete Susann Biedefeld hatte sich mit einer Anfrage an die Staatsregierung über Stand des barrierefreien Umbaus der Bahnhöfe in Bayern informiert. Dabei ergab sich für den Landkreis Bamberg ein relativ gutes Ergebnis: Sieben von insgesamt elf Bahnstationen im Landkreis sind demnach barrierefrei ausgebaut.
Dabei handelt es sich um die Bahnhöfe Breitengüßbach, Ebing und Zapfendorf an der ICE-Ausbaustrecke nördlich von Bamberg, um Baunach, Reckendorf und Mannsdorf an der eingleisigen Bahnstrecke nach Ebern sowie Buttenheim. Nicht beziehungsweise noch nicht barrierefrei sind also Hallstadt, Strullendorf und Hirschaid sowie Oberhaid.
Laut Biedefeld hat die Staatsregierung bestätigt, dass für Hirschaid und Hallstadt ebenfalls ein barrierefreier Ausbau geplant ist. In Hirschaid werde dieser aber "wahrscheinlich nicht vor 2021 realisiert werden. In Hallstadt soll dies schon früher möglich sein.
Das gibt vor allem Aufschluss darüber, in welchem Zeitraum die bayerische Staatsregierung den weiteren Ausbau der ICE-Strecke rund um Bamberg erwartet. Im Süden, wo noch nicht einmal das Planfeststellungsverfahren eingeleitet ist, soll es also frühestens in vier Jahren mit dem Ausbau weitergehen, der aktuell von Süden her inzwischen Forchheim erreicht hat. Das heißt, Strullendorf und Altendorf müssen sich die Zusage für einen barrierefreien Umbau erst sichern.
Zwar steht Altendorf (offiziell: Bahnhof Buttenheim) bereits auf der Barrierefrei-Liste. Das ist aber der gegenwärtigen Lage an der ebenerdigen Bahnquerung zu verdanken. Da sich hier mit einem viergleisigen Ausbau die Situation am Bahnhof wesentlich ändern wird, ist auch die bisherige Barrierefreiheit nicht gewährleistet. Auch Strullendorf, das mit dem Bundestagsabgeordneten Andreas Schwarz (SPD) einen Unterstützer in Berlin hat, hat offenbar noch keine feste Zusage.
Die Situation ist also immer noch ähnlich wie die der Gemeinden im nördlichen Landkreis, die sich erst durch hartnäckigen Einsatz - und sogar nachträglich zum Planfeststellungsbeschluss - Aufzüge zu ihren Regionalbahngleisen von der Bahn erstritten haben.


Immer wieder Verzögerungen

Lange Zeit sahen die Planungen der Bahn diesbezüglich ganz anders aus. Es war nämlich gar nichts vorgesehen. Stattdessen sollte etwa in Ebing eine sechs Meter hohe Stahlgittertreppe die Bahnpassagiere zu Kletterübungen zwingen. Nach einer Finanzierungszusage durch den Bund erklärte sich die Bahn schließlich bereit, auch für Stationen mit einem aufkommen von weniger als 1000 Passagieren pro Tag mit Aufzügen auszustatten.
Diese Planungen wurden sogar noch nachträglich zum Planfeststellungsbeschluss eingebracht. Und so waren die Aufzüge zur Wiedereröffnung der Bahnlinie am 4. September noch nicht fertiggestellt. Zu diesem Zeitpunkt war aber "vollständige Barrierefreiheit zum Fahrplanwechsel im Dezember 2016" angekündigt. Zumindest versprach die Bahn, dass sie bis dahin eingebaut seien.
Eingebaut waren die Aufzüge Ende Dezember, aber noch nicht funktionsfähig. Anfang des Jahres hieß es dann, die Aufzüge sollten Mitte/Ende März betriebsbereit sein. Technisch waren sie es wohl auch, allerdings gab es offenbar Probleme, den für die Betriebserlaubnis notwendigen Notruf zu installieren.
Ende April verzögerte sich das Ganze weiter. Erst Ende Mai vermeldete die Gemeinde Breitengüßbach, dass der Aufzug "inzwischen in Betrieb genommen werden konnte. Offensichtlich ist das System aber weiterhin störanfällig.


Der Süden darf hoffen

Die Aussicht, dass die Einsicht der Bahn in Sachen Barrierefreiheit inzwischen etwas gewachsen ist, könnte den südlichen Landkreis optimistisch stimmen. Der einzige Bahnhof im Kreis Bamberg bei dem Barrierefreiheit nicht in Sicht ist, bliebe dann also Oberhaid an Bahnstrecke Bamberg-Würzburg.
Das Fazit von Biedefeld lautet, dass sich der Landkreis auf einem guten Weg befindet. Es müsse aber noch mehr getan werden. Dabei seien nicht nur der Freistaat, sondern auch Bund und Bahn gefordert. "Gerade bei kleinen Bahnstationen müssten sich die Bahn und der Bund noch deutlich stärker als bisher für einen barrierefreien Umbau engagieren", betont die SPD-Landtagsabgeordnete.