Quo vadis, Naturbühne? Diese Frage diskutierten Vorstand und Verwaltungsrat während einer Klausurtagung in der Franken-Akademie auf Schloss Schney. Vorsitzender Siegfried Küspert zog am Ende der eineinhalb Tage ein positives Fazit: "Es war wichtig, verschiedene Sachen einmal in Ruhe zu diskutieren. Das kann man in unseren regelmäßigen Vorstandssitzungen in dieser Intensität ganz einfach nicht. Jeder konnte sich im Vorfeld auf bestimmte Themen vorbereiten. Wir haben Weichen gestellt und Beschlüsse gefasst, die wir jetzt zügig umsetzen werden."
Nach dem Motto: Nur wer die Vergangenheit kennt, kann die Zukunft gestalten, zeigte der Vorsitzende die Entwicklung der Bühne auf, die am 30. Mai 1892 aus dem Verkehrs- und Verschönerungsverein hervorging. Als eigentliches Geburtsdatum gilt die Gründung einer eigenen Spielgruppe am 21. September 1953. Küspert: "Wir können stolz darauf sein, was hier aufgebaut wurde."
Zum Thema "Infrastruktur" machte stellvertretender Vorsitzender Michael Schlie auf die Notwendigkeit der Bildung von Rücklagen für folgende Instandhaltungen aufmerksam: Dachanstrich, Erneuerung der Herrentoilette, Dach- und energetische Sanierung der Gaststätte.
Breiten Raum nahm der Spielbetrieb ein. Welcher Modus ist bei der jeweiligen Stückeauswahl der Beste. Sind vier Stücke pro Saison noch haltbar?


300 000 Euro Umsatz

Bei der Untersuchung der Organisations- und Vereinsstruktur stand man vor einer wichtigen Frage: Sind wir noch ein Verein? Oder mit 300 000 Euro Umsatz bereits ein Unternehmen? "Wir müssen ganz deutlich sehen, dass wir an einem Punkt angekommen sind, wo unser Engagement nicht mehr als Vereinsarbeit bezeichnet und nicht mehr nur im Ehrenamt bewältigt werden kann. Noch dazu, wo überall die Bereitschaft schwindet, ehrenamtlich tätig zu sein", konstatierte der Vorsitzende. Letztlich waren sich aber alle einig, auf der Basis eines Vereins weiterzumachen.
Zustimmung fand die Anregung zu mehr gemeinsamen Aktionen mit dem Ziel, noch mehr Zusammenhalt herzustellen.
Vor dem Hintergrund des öffentlichen Hilferufs nach zwei jungen Männern in der vergangenen Woche kam natürlich auch die Diskussion auf: Reicht das Personal noch aus? Auch hinter den Kulissen, beispielsweise beim Bühnenauf- und -abbau, wäre mehr Unterstützung hilfreich. Alle waren sich über den schwierigen Balanceakt zwischen Amateur und Profi einig. Und auch darüber, dass der nur gelingt, wenn man die Meinung und die Leistung des Anderen akzeptiert und anerkennt. Um erfolgreich zum Wohle des Vereins zusammenzustehen, muss es in manchen Situationen auch ein gewisses Maß an Kompromissbereitschaft geben. "Wir liefern mit Herzblut gute Qualität aus dem Ehrenamt heraus ab. Die müssen wir aufrechterhalten und unseren Weg weitergehen", brachte es Dritter Vorsitzender Michael Bähr auf den Punkt.
Bürgermeister Werner Diersch ist stolz auf die Entwicklung der Bühne und deren positives Image. "Wir unterstützen die Bühne über die Vereinsförderung im Rahmen unserer freiwilligen Leistungen. Den Charme der Bühne macht auch ihre Vielfalt aus."


"Fantastische Entwicklung"

Landrat Klaus Peter Söllner, der die Tagung ebenfalls besuchte, schlug in die gleiche Kerbe: "Die Entwicklung, die die Naturbühne in der Außenwirkung gewonnen hat, ist fantastisch." Deshalb unterstütze der Landkreis auch das, was an Infrastruktur geschaffen wurde, wo immer es möglich sei. Die Naturbühne sei sowohl vom Niveau und vom Status, als auch vom Einzugsbereich her eine Landkreis-, wenn nicht sogar eine oberfränkische Bühne. "Ihr seid ein führender Kulturträger, das Rückgrat des kulturellen Lebens im Landkreis. Negative demografische Entwicklung, Digitalisierung, Angebote ohne Ende, völlig veränderte Gewohnheiten jüngerer Leute - und trotzdem bewegen sich die Zuschauerzahlen auf konstant hohem Niveau. Das ist eine unglaubliche Leistung", erkannte der Landrat an.
Vorsitzender Küspert war mit dem Ergebnis der Klausur sehr zufrieden. "Jeder hatte die Möglichkeit, seine Meinung frei zu äußern. Das geschah in einer angenehmen Atmosphäre. Ein gutes Miteinander von Vorstand und Verwaltungsrat wird sich positiv auswirken und das Zusammengehörigkeitsgefühl stärken. Wir bleiben unserer bisherigen Philosophie treu. Wir sind kein elitärer Schauspielerverein. Wir wollen weiterhin Theater spielen, für jeden Geschmack und jeden Geldbeutel."