Neuenmarkt/Hegnabrunn — Nach den Kellerüberflutungen, die das schwere Unwetter am 2. August zur Folge hatte, haben sich Anwohner der Königsberger Straße und der Waldenburger Straße nun in einem Offenen Brief an die Gemeinde gewandt. Die Bürger fühlen sich schlecht informiert. Sie bitten deshalb "um wesentlich mehr Transparenz, wie man es von einer modernen Verwaltung eigentlich erwarten kann" - und haben vor allem viele Fragen:
Wann wurde für das Baugebiet Königsberger Straße und Waldenburger Straße die Kanalisation erschlossen?
Nach welchen Berechnungen und für wie viele Wohneinheiten ist dies erfolgt?
Wurden in den Folgejahren weitere Baugebiete an den Kanal, zum Beispiel im unteren Ortsbereich, angeschlossen bzw. wurde dieser deshalb erweitert?
Wurden für den zusätzlichen Anschluss für Oberflächenwasser im Jahr 1990 (Wiesengelände unterhalb Radweg Schlömen) Berechnungen durchgeführt, mit welchen zusätzlichen und unnötigen Wassermengen bei Starkregen zu rechnen ist?
Welche baulichen Maßnahmen wurden nach der ersten Kellerflutung (kein Starkregen!) im Jahr 1996 in Erwägung gezogen bzw. sind erfolgt?
Aus welchen Gründen wurde die Gemeinde Neuenmarkt im Jahr 2006 durch das Landratsamt Kulmbach auf die Abwasserproblematik hingewiesen?
Welche weiteren Maßnahmen oder Überlegungen gab es nach der zweiten Kellerflutung (auch hier kein Starkregen!) 2007?
"Bei der Gemeinderatssitzung am 1. September, so heißt es in dem Schreiben weiter, "hatten wir den Eindruck, manche Personen (die Namen schenken wir uns) wissen gar nicht, wovon sie überhaupt reden. Vielleicht ändert sich deren Verhalten, wenn sie selbst einmal bis zu zwei Meter Wasser im Keller haben." Die Ratsmitglieder Pöhlmann und Zahner seien die einzigen gewesen, die darauf drängten, das Problem in der Schulstraße umgehend anzugehen. Bereits 2006 sei man sich einig gewesen, den maroden Kanal zu sanieren.
Seit acht Jahren sei trotz der Dringlichkeit nichts geschehen.
"Auch gut gemeinte Hinweise auf den Abschluss einer Elementarversicherung und den Einbau von Rückstauklappen können wir nicht mehr hören", schreib en die Anwohner. "Selbst die beste Versicherung kann nur finanziell helfen, den Ärger und unsere Angst und schlaflose Nächte vor dem nächsten Starkregen kann sie nicht abdecken."
Die Unterzeichner kommen abschließend zu dem Ergebnis: "Unter der Federführung von Bürgermeister Decker hat die Gemeinde jahrelang versagt und dringliche Arbeiten nicht in Auftrag gegeben. Sorgen und Hinweise der Bürger wurden seit vielen, vielen Jahren entweder auf die lange Bank geschoben oder einfach ignoriert.
Den Brief haben die Anwohner - Familien Kastner, Aknai, Berger, Stamm, Sachs, Günther und Beyerlein - auch an das bayerische Innenministerium, die Regierung von Oberfranken und das Landratsamt gesandt. red