Günther Geiling "Dass Menschen beständig und treu sind, ist die Grundlage für die Beständigkeit unserer Gemeinden und auch eines kirchlichen Posaunenchores. Wer diese Instrumente, die laut jauchzen und loben, spielt, der tritt automatisch in die Öffentlichkeit mit seinem Glauben und lädt andere dazu ein mitzumachen. So wirkt die Gemeinschaft sogar noch über den Chor hinaus in die Gemeinde." Dies unterstrich die Pfarrerin Sarah Schimmel beim "Klappstuhl-Festgottesdienst" zum 95-jährigen Bestehen des Posaunenchors Gleisenau im Schlosspark.

Der Posaunenchor in der Kirchengemeinde Gleisenau sei über mehrere Generationen gewachsen - ähnlich einem Staffellauf. Hier gehe es aber nicht um das Staffelholz, das weitergereicht werde, sondern um Menschen, die musizieren, dirigieren und vor allem ihre Zeit dafür aufbringen, sagte sie.

Eine Studie zum Ehrenamt in der evangelischen Kirche habe aufgezeigt, dass mit Abstand die Instrumentalmusiker die treuesten Ehrenamtlichen seien. In der Konfirmandenarbeit liege die Dauer des Engagements bei 4,1 Jahren, bei den Gemeindebriefausträgern bei zwölf Jahren, was schon eine Menge sei. Aber bei den Posaunenchören blieben die Menschen im Schnitt 21,4 Jahre dabei, manche zum Glück sogar noch länger. Im Hinblick auf die lange Mitgliedschaft von Dirigent Herbert Hofmann meinte sie, dass er die Studie sicher ein bisschen verfälscht habe.

Was man heute in diesem Gottesdienst erlebe, sei zweifellos etwas ganz Besonderes. Nach ihrer Aussage sind Posaunenchöre deswegen so beständig und überdauerten die Zeiten, weil sie die richtige Mischung aus Gemeinschaft, Musik und Sinn darstellten. "Mitwirkung im Posaunenchor hat etwas ungeheuer Verbindendes, oft über Generationen, Altersgrenzen und Ortschaften hinweg. Das sieht man bei euch im Posaunenchor gut", sagte die Pfarrerin.

"Gott loben, das ist unser Amt"

Das Motto des Gleisenauer Chores bringe es sogar auf den Punkt. Es lautet: "Gott loben, das ist unser Amt." Dabei betonte die Pfarrerin den Wert der Zusammenarbeit: "Unser Glaube führt in die Gemeinschaft. Natürlich übt jeder zu Hause für sich. Aber den Klang, den das Musikstück haben soll, entfaltet es doch erst im Zusammenklingen mit den anderen Instrumenten." Sarah Schimmel verglich den Glauben mit der Musik und hob hervor: "Unser Glaube ist vom Grundton fröhlich. Die Grundtonart unseres Glaubens ist D-Dur. In der Lehre der Musik ist D-Dur die hellste Tonart, und viele unserer Choräle sind in D-Dur notiert. Gott möchte uns alle zu einem Leben in D-Dur führen", auch wenn das Leben gerade moll spiele. Doch er führe die Menschen wieder aus den dunklen Stimmungen heraus. Oft trage dazu eine Melodie oder ein Lied bei, so die Pfarrerin.

Aus der Geschichte

Einen Blick zurück in die 95-jährige Geschichte des Posaunenchors gab Sigrid Rippstein, selbst aktive Instrumentalistin. Probleme hat bei der Gründung die Finanzierung bereitet, denn für Instrumente war die Summe von 1000 Reichsmark veranschlagt gewesen. Eine Haussammlung, initiiert von Christin Dittmann und Pfarrverweser Fritz Eberle, Veranstaltungen sowie Spenden haben den finanziellen Grundstock zur Anschaffung der Instrumente gelegt; die Kirchengemeinde steuerte 200 Reichsmark bei. Am 19. August vor 95 Jahren haben sich dann 13 junge Männer mit Handschlag und Unterschrift verpflichtet, Gründungsmitglieder zu werden. Unter den Gründungsmitgliedern waren aus Ebelsbach: Christian Dittmann, Peter Schöpf, Ludwig Maier, Paul Appel, Hans Thein, Georg Melber und Christian Wacker; aus Gleisenau: Bernhard Deininger, Heinrich Dininger und Christian Schätzlein; aus Rudendorf: Heinrich Hümmer und Hermann Herbig. Der Gründungs-Chorleiter war Christian Dittmann, dem später Ludwig Maier, Christian Schätzlein, Christian Dittmann jun., Alois Scholz und Herbert Hofmann folgten.

In der Kirchengemeinde, so Sigrid Rippstein weiter, übernehme der Posaunenchor viele Aufgaben, von Geburtstagsständchen über die Gestaltung von kirchlichen und gesellschaftlichen Festen bis hin zu den evangelischen Kirchentagen. Kaum zu glauben sei, dass der Posaunenchor Gleisenau nun schon seit 1960 und somit seit 60 Jahren mit einem Dirigenten auskomme, und zwar mit Herbert Hofmann.

Bezirkschorleiter Jürgen Koch stellte bei seiner Laudatio, auch im Namen des Landesverbandes, diese außergewöhnliche ehrenamtliche Arbeit von Herbert Hofmann heraus, der noch dazu seit 70 Jahren als aktiver Bläser dabei sei. Darüber hinaus habe er auch noch andere Chöre betreut. "Diese Urkunde ist nur das äußere Zeichen für die Wertschätzung deines selbstlosen Einsatzes als Dirigent und Bläser sowie eines Dienstes, der aus dem Glauben kommt. Über eine so lange Zeit tätig zu sein, ist schon eine große Seltenheit."

Namens des Chores überbrachte Dieter Eisenacher die Glückwünsche an Dirigent Herbert Hofmann und sagte: "Die Kirchenmusik lässt den Glauben erklingen und die Musik lebt in dir."

Für ihren 50-jährigen aktiven Bläserdienst im Posaunenchor wurden Dieter Eisenacher und Klaus Eisenacher ausgezeichnet sowie für zehn Jahre Bläsertätigkeit Werner Lehrieder.

Cynthia Derra überbrachte die Glückwünsche des Kirchenvorstands zum 95. Jubiläum. Sie lobte den Posaunenchor als eine Bereicherung für das Gemeindeleben und die Gemeinschaft.