Mutterschaft ist eine tragende Rolle. Überhaupt und kiloweise. Für drei Krankenschwestern aus Lichtenfels und Coburg gleich gar, sind sie doch Trageberaterinnen. Ihnen geht es um die Vertiefung der Mutter-Kind-Bindung, um Bewegungsfreiheit und die Anhockspreizhaltung. Doch was steckt da nun wieder dahinter?
Daniela Dinkel ist Lichtenfelserin mit Wohnort Bad Staffelstein. Ihre Arbeitskolleginnen trifft sie auf der Wochenbettstation des Klinikums in Coburg. Von Berufs wegen dreht sich dort bei den drei Frauen viel um Säuglinge und Mütter, was auch die Anzahl diverser Zusatzausbildungen beweist, welche von den Frauen erstrebt und abgeschlossen wurden. Doch wäre es 2013 nicht zu einer Teilnahme an einem Stillkongress in Fulda gekommen, hätte sich womöglich nie eine Weichenstellung in Richtung Trageberatung und eigenem Kleingewerbe ereignet. Denn neben einer Kollegin im Krankenhaus, die schon von je her viel davon hielt, dass Mütter ihre Babys lieber am Leib tragen als im Kinderwagen schieben sollten, lautete auch auf dem zweitägigen Kongress ein Programmpunkt auf das Tragen von Säuglingen. "Wir haben schon vorher bemerkt, dass Kinder bei Körperkontakt in Bewegung gerade bei Blähungen zu beruhigen waren", beschreibt Kathrin Göbel das Vorwissen des Trios. Tatsächlich, so Daniela Dinkel, ließen sich beim Tragen von Kleinkindern durchaus Fehler begehen. "Babys haben noch ihren runden Rücken , der sollte noch eine gewisse Zeit erhalten bleiben." Er sorge noch für Behagen, erinnere die abgerundete Haltung doch an die behütete Lage im Mutterleib. Wenn eine Mutter das Baby in eine an ihrem Leib befindliche Tragevorrichtung setzt, dann sollte sie darauf achten, dass es bei ihm zur "M-Haltung" kommt. So beschreibt Daniela Dinkel eine Haltung, die in der Fachsprache Anhockspreizhaltung heißt und sich dadurch ergibt, dass die Kinderbeine links und rechts so weit hochgezogen sind, dass die Fußsohlen auf einer Höhe mit dem Po abschließen.


Mehr Bewegungsfreiheit

Wie die junge Frau das erklärt, setzen ihre Kolleginnen an dieser Stelle nach. Kathrin Göbel betont die mit dieser Art des Tragens einhergehende bessere Körperhaltung des Trägers und die Bewegungsfreiheit, die Eltern durch das richtige Tragen mittels Tragetuch gewinnen. "Man ist automatisch aufrechter und hat doch die Hände frei", erklärt sie im Hinblick auf allerlei Handgriffe, die so nebenbei erledigt werden können. Und ihre Kollegin Carolin Suffa betont in diesem Moment, dass die Bindung von Kind und Elternteil durch den länger währenden Körperkontakt verstärkt wird, erst recht bei Frühgeburten. Sie weiß aber auch von drohender Reizüberflutung beim Säugling zu sprechen, sollte dieser von Mama oder Papa so am Leib getragen wird, dass er vom Elternteil abgewandt in die Welt schaut. Mal abgesehen davon, dass die M-Haltung dann nicht klappt. Eine Öffnung für die Idee des Tragens sei erst in den vergangenen acht Jahren bemerkbar geworden. "Viele Eltern haben sich damit schon befasst, weil vornehmlich Hebammen sie schon sensibilisiert haben", weiß Kathrin Göbel zu bestätigen. Früher, so in den 70ern, sei das Tragen der Kinder mit Tragebuch als "hippiesk" angesehen worden.
Als Daniela Dinkel mit Kathrin Göbel das Tragetuch zu seiner vollen Länge entfaltet, bemisst es sich auf 4,6 Meter Länge. Die Techniken im Umgang damit sind in Afrika und Asien selbstverständlich und geläufig, in Mitteleuropa ging das Wissen darum verloren. "Wenn Sie Berichte aus der Dritten Welt sehen, dann machen die Menschen das dort instinktiv immer richtig", staunt Daniela Dinkel.


Zertifizierte Trageberaterinnen

Um Wissen vermitteln zu können, hat sie sich mit ihren Freundinnen mehreren mehrtägigen Schulungen unterzogen, um sich zertifizieren lassen. An den ersten Moment, als die drei Frauen miteinander übereinkamen, sich in diese Richtung bewegen zu wollen, erinnern sie sich noch gut. "Das war zwischen Tür und Angel und gleich auf Station", so Kathrin Göbel auf das Jahr 2013 blickend. "Wir sind in einer Schicht und wir sind schon damals Freundinnen gewesen", so die 32-Jährige. Und: "Ich habe mir immer gedacht, dass wenn ich mal ein Kind habe, ich keinen Kinderwagen brauchen werde."
Examinierte Kinderkrankenschwestern, Still- und Laktazionsberatung, zertifizierte Trageberaterinnen, kundig in Baby-Massage - das Trio bietet und strebt Fertigkeiten an. Jetzt ist eine Neuigkeit im Gange: Nor-dic-Walking mit Baby und Tragetuch. "Es ist nicht nur so, dass wir da rumschlappen, sondern wir machen auch was für Brust, Beine, Po!", wirft Carolin Suffa so heiter wie resolut ein. Doch was in Coburg schon gehe, habe in Lichtenfels noch Anlaufschwierigkeiten. Die drei Frauen sind aber optimistisch, weil von der Sinnhaftigkeit ihres Angebots mehr als überzeugt. Ein weiteres Motiv ist klar benannt: "Weil es uns einfach Spaß macht!" Auf bis zu eineinhalb Stunden muss man sich bei den Hausbesuchen der drei Frauen einschätzen, ein Gebiet dabei ist der Raum Lichtenfels, für den Daniela Dinkel zuständig ist.