Rotbraune Erde, sengende Hitze, zu fünft auf dem Motorrad, die Pagode im Abendlicht. Die ungewohnte Stille abends am See, ganze Schweine am Haken auf dem Mark und die Folterzelle im Gefängnis S-21 der Roten Khmer, in dem von 17 000 Inhaftierten nur sieben überlebten. Und das Lächeln der Kinder, die trotz aller Not etwas Glück ausstrahlen in einer an Schönheit kaum zu überbietenden verschwenderischen Natur.

Das alles hat der Ludwigschorgaster Michael Kraus, Extremsportler und leidenschaftlicher Hobbyfotograf, bei seinen Läufen in Kambodscha und Myanmar während fast 400 Kilometern in jeweils drei Wochen eingefangen. Auf Wegen, die der Pauschaltourist nicht kennt, bei Bauern am offenen Feuer und ohne fließendes Wasser.

42 Exponate aus mörderisch heißen Zonen spiegeln die Eindrücke wider in der Ausstellung im Klinikum Kulmbach, die noch bis Sonntag, 17. Februar, geöffnet ist.

Laufen, Sehen, Erleben und Festhalten ist das Credo des Oberfranken. "Die Kamera gehört zu den Utensilien wie die Turnschuhe", sagte Kraus bei der Vernissage und schwärmte von den unvergesslichen Eindrücken seiner Reise. "Die Leute dort sind warmherzig, in ganz entlegenen Regionen wird man oft entgeistert angeschaut", erinnerte er sich und erzählte von einer nicht ungefährlichen Begegnung, als er auf einem Fluss im Landesinneren auf einem Boot mit Einheimischen unterwegs war und kenterte.

Der seit 41 Jahren im Klinikum Tätige, als "Michi, der Gipser" bekannt, ist jährlich etwa 2000 Kilometer als Läufer unterwegs, liebt die Ferne und geht oft bis an die Grenze des Möglichen. Es bleibt aber immer noch Zeit, unwiederholbare Momente zu bannen, die faszinieren. Ein Besucher aus Hollfeld: "Mir gefällt besonders, dass die Fotos mit philosophisch klugen Texten versehen sind und so einen direkten Bezug zur Aufnahme beinhalten."

Und der Ludwigschorgaster fasst das in einem Satz von Christian Friedrich Hebbel zusammen: "Eine Reise ist der Trunk an der Quelle des Lebens." Kraus zeigte ebenso ein Herz, denn den 250-Euro-Zuschuss der Sparkasse Kulmbach-Kronach für die Ausstellung spendete er für die Nepalhilfe.

Landrat Klaus Peter Söllner nannte den Mann aus Ludwigschorgast einen herausragenden Sportler und vorzüglichen Fotografen. "Ich habe in der Vergangenheit oft gegen ihn Fußball gespielt und bewunderte bereits damals seine läuferische Klasse." Wie er gehört habe, sei Kraus in Kambodscha bei einem Fünf-Stunden-Lauf Erster im Gesamtklassement geworden. Das sage viel über dessen Durchhaltevermögen aus.

Die Ludwigschorgaster Bürgermeisterin Doris Leithner-Bisani zeigte sich stolz auf ihren Mitbürger: "Er vereint Sportler, Naturmensch und genauer Beobachter in sich."

Wer ein bisschen eintauchen will in eine fremde Welt, der sollte sich die Ausstellung im Foyer des Klinikums unbedingt anschauen. hw