Der Sonntag nach Fronleichnam mit seiner "Kleinen Bittprozession" stand in der katholischen Pfarrei St. Georg heuer ganz im Zeichen eines Friedensjubiläums. Am 8. Mai 1945 wurde mit der Unterschrift von Admiral Dönitz unter die bedingungslose Kapitulation Deutschlands der Zweite Weltkrieg beendet.

Am Jahrestag selbst konnte - der Pandemie geschuldet - Bürgermeister Gerald Brehm (JL) nur ein stilles Gedenken und eine Kranzniederlegung auf dem Heldenfriedhof vornehmen. Grund genug für die Georgspfarrei, die "Kleine Bittprozession" unter das Motto des Höchstadter Friedensjahres zu stellen.

Nicht nur die Krisenherde mit ihren Unrechtregimes in den USA, Russland, Brasilien, China, Nordkorea oder in der Türkei wurden in den Blick genommen. Auch die Dankbarkeit für 75 Jahre Frieden in Deutschland war Bestandteil der Texte und Gebete von Stadtpfarrer Kilian Kemmer.

"Der Gott, an den wir glauben, ist nicht nur in Krisenzeiten spürbar anwesend, sondern auch dann, wenn es uns gut geht. Letzteres vergessen wir sehr oft", so Kemmer. Alle Vereine, die sonst an der Prozession teilnehmen, schickten Abordnungen zu diesem besonderen Anlass. Am Ende der Prozession sprach Brehm zusammen mit seinen Stellvertretern Günther Schulz (SPD) und Axel Rogner (JL) das Gelübde der Dettelbacher Wallfahrt.

1633 zerstörten die Schweden im Dreißigjährigen Krieg Höchstadt. Nach dem Wiederaufbau legten die Höchstadter 1639 ein Gelübde ab, sich für den Frieden einzusetzen und alljährlich nach Dettelbach zu pilgern.

Brehm hatte heuer schon einmal eine Reise nach Dettelbach unternommen, um am Beginn der Pandemie dieses Gelübde zum Schutz der Stadt zu erneuern. Wichtig ist es für ihn, wachsam zu bleiben, wo "ständige Zündeleien oder das bewusste Entfachen eines Schwelbrandes den inneren Frieden zerstören". Inszenierter Unfriede zerstöre ein Gemeinwohl in Kirche wie in Gesellschaft, ergänzte Kilian Kemmer. LM