Zu den konstituierenden Sitzungen des Lichtenfelser und Bad Staffelsteiner Stadtrats ging uns folgende Lesermeinung zu: Man kann den Lichtenfelser Stadträten für ihre klugen, vorausschauenden Entscheidungen im Hinblick auf die Wahl des Zweiten und Dritten Bürgermeisters nur gratulieren. Mit politischem Weitblick und Gespür haben sie auch für Kandidaten anderer Fraktionen (CSU und Grüne) gestimmt, so dass nun drei verschiedene Parteien in der Führungsspitze des Kommunalparlaments vertreten sind. Mit dieser überparteilichen, souveränen und toleranten Haltung haben die Lichtenfelser Stadträte echtes demokratisches Verständnis bewiesen und den Grundstock für eine zukünftige harmonische Zusammenarbeit gelegt.

Demgegenüber stellte sich die Bürgermeisterwahl in Bad Staffelstein ganz anders dar. Hier gehören bereits zum dritten Mal in Folge (seit 2008) alle drei Bürgermeister der CSU an. Die Gründe liegen ganz offensichtlich in dem ausgeprägten Machtanspruch der konservativen Gruppierungen und ihrer Sorge um den Verlust von Abstimmungsmehrheiten. Es zeugt nicht gerade von politischer Souveränität und demokratischem Feingefühl, der zweitgrößten Fraktion (der Freien Wähler) ein Bürgermeisteramt zu verwehren.

Ginge es nach dem Wählerwillen und den Wahlergebnissen, so wäre das Zugeständnis eines Bürgermeisteramtes an einen FW-Kandidaten mehr als angemessen gewesen. (Es ist offensichtlich in einigen Landstrichen Nordbayerns noch nicht in das politische Bewusstsein gedrungen, dass die Freien Wähler auf Landesebene Koalitionspartner und nicht Gegner der CSU sind.) Dass es leider nicht so kam, liegt am Wahlmodus: Zweiter und Dritter Bürgermeister werden vom neu gewählten Stadtrat gewählt, und hier besitzen die CSU und ihre Jugendorganisation der JB die Mehrheit. Hier Mehrheiten auszuspielen ist rechtlich nicht zu beanstanden, aber ob dies menschlich und moralisch in Ordnung ist, daran mag man Zweifel haben. "Gemeinsam anpacken" lautete der Wahlslogan der CSU auf ihren unübersehbaren Wahlplakaten. Wen meinte sie damit? So kann man sich in dieser traurigen Angelegenheit mit Recht die Frage stellen, ob ein derartiger Umgang mit dem politischen Mitbewerber einer zukünftigen fruchtbaren, harmonischen und partnerschaftlichen Zusammenarbeit zum Wohle der Stadt förderlich ist. Anton Köcheler

Bad Staffelstein