Der Landkreis Haßberge will demnächst auf die Dienste eines Klimaschutzmanagers setzen. Die Empfehlung, eine solche Stelle zu schaffen, richtete der Umwelt- und Werkausschuss des Kreistages bei seiner Sitzung an den Kreistag Haßberge. Der Ausschuss begründete den Vorstoß mit den vielfältigen Aufgaben, die auf diese Weise auf dem Gebiet des Umwelt- und Klimaschutzes angegangen werden können.

Informationen der GUT

Die Kreisräte hörten dazu einen Vortrag von Marco Siller, der seit Mai Geschäftsführer der GUT Haßberge ist. Die GUT ist die Gesellschaft zur Umsetzung erneuerbarer Technologieprojekte, hinter der der Landkreis und die Kommunen im Kreis stehen.

Siller erinnerte daran, dass es seit 2015 im Landkreis ein inte-griertes Klimaschutzkonzept gibt, das als eine Maßnahme die Schaffung der Stelle eines Klimaschutzmanagers beinhaltet. Da der Klimaschutz sowie die Nutzung erneuerbarer Energien nach Sillers Einschätzung langfristig an Bedeutung gewinnen, scheint die Installation einer solchen Stelle sinnvoll. Eine Förderung kann der Landkreis dafür aber nicht in Anspruch nehmen.

Es geht auch ohne Förderung

Landrat Wilhelm Schneider (CSU) unterstrich die Bedeutung der Stelle - auch ohne Unterstützung von außen. "Eine Förderung ist nicht alles, weil auch so viel Bürokratie damit verbunden ist. Deswegen hat es Charme und Reiz, dass wir das selbst finanzieren, weil wir dann auch die Richtung und Aufgaben vorgeben und selbst entscheiden können. Das ist wesentlich sinnvoller."

Marco Siller ging auf die Ziele der Energiewende ein, bei der es viele Stellschrauben gebe. Den Fokus wolle die GUT zuerst auf die Photovoltaik auf Freiflächen sowie auf Dächern legen, weil es hier einen wirtschaftlichen Ansatz gebe. Ebenso wolle die Gesellschaft die Industrie und öffentliche Dächer einbeziehen.

Kreisrat Stefan Paulus (SPD) sah darin eine gute Diskussionsgrundlage. "Aber Klimaschutz ist nicht nur Energieversorgung, sondern betrifft alles wie Urlaub machen, den Konsum und unser ganzes Leben. Deswegen geht es mehr um einen Nachhaltigkeitsmanager, und ihn würde ich mit weiteren Themen beauftragen. Wir wissen auch nicht, ob es mit Wind und Photovoltaik so weitergeht. Mir ist alles noch zu wenig ausgereift, weil es nur einen kleinen Bereich des Klimaschutzes abdeckt und Bereiche wie Landwirtschaft, Ernährung sowie Baugebiete zu kurz kommen", sagte der Kreisrat und Bürgermeister von Knetzgau.

Mehr Tempo gefordert

Für Kreisrat Norbert Zösch (Grüne) müsste alles einfach schneller gehen. "Da gehören viel mehr personelle Ressourcen hineingelegt. Einer allein kann es nicht stemmen. Schon Marco Siller braucht dringend Verstärkung bei der Fülle von Aufgaben", erklärte Zösch, der der Geschäftsführer des Haßfurter Stadtwerks ist, das vielversprechende Energieprojekte verfolgt wie die Wasserstoffanlage.

Kreisrat Reinhold Giebfried (CSU) stieß auf, dass die Rede nur noch von Managern sei. "Wir sollten mehr die Bürger mitnehmen. Das ist entscheidend, und wenn die Rahmenbedingungen nicht passen, ist alles umsonst", so der Ostheimer.

Für Kreisrat Stefan Zettelmeier (ÖDP) ist Klimamanagement nicht nur ein Management. "Wir haben nur noch ein kleines Zeitfenster, um das Ruder herumzureißen. Unser Haus brennt und Corona ist ein Klacks dagegen. Leider ist dies noch nicht in den Köpfen angekommen. Ich würde mir mehr als eine Vollzeitstelle wünschen."

Empfehlung ausgesprochen

Landrat Wilhelm Schneider meinte, dass auf der einen Seite die GUT mit den Kommunen und den Stadtwerken stehe und auf der anderen Seite der Klimaschutzmanager, den der Landkreis installiere. Mit ihm komme man ein Stück weiter. So empfahl der Umweltausschuss dem Kreistag, die Stelle eines Klimamanagers für das Haushaltsjahr aufzunehmen.

Marco Siller nahm auch zum Beteiligungsmanagement und zu Projekten der GUT Stellung. "Wir wollen hier den ersten Schritt mit der Stromwende machen, denn wir müssen die Bürger auf diesem Ziel mitnehmen. Was uns dabei in die Karten spielt, ist die Freiflächen-Photovoltaik mit einem guten Potenzial für unseren Landkreis." Das sehe man daran, dass derzeit Energiefirmen über den Landkreis hinwegrauschen. 80 Prozent seiner Arbeitskraft verwendet er nach eigener Aussage darauf, etwas Gemeinsames mit den Kommunen zu entwickeln.

Die Einspeisevergütung für die Dachflächen-Photovoltaik sei dagegen nach unten gegangen, sagte er. Sie gehe mehr in Richtung Eigeneinspeisung.

Als Ziel formulierte Siller den Ausbau der Freiflächen-Photovoltaik in Bürger-Energiemodellen mit der Bürger-Energie-genossenschaft (BEG) Haßberge als Betreiber. Als Ansatz gab er eine Leistung von zehn Megawatt pro Gemeinde an. Damit wäre laut Siller pro Gemeinde ein Landverbrauch von zehn Hektar verbunden. 20 Bürgerbeteiligungsanlagen mit einer Gesamtleistung von 200 Megawatt seien das Ziel. In acht Gemeinden seien schon Ackerflächen bewertet worden; es gebe erste Versammlungen mit den Grundstückseigentümern.

Den Ausbau der Windenergie hakt die GUT laut Siller noch nicht ab. Man denke an einige Anlagen, sagte er.

Kreisrat Dieter Möhring, der Bürgermeister von Aidhausen (FW), meinte, dass die BEG den Bürgern zeitnah Beteiligungsmodelle vorstellen könnte.

Der Umwelt- und Werkausschuss stimmte zu, sich am Projekt Klimaschutznetzwerk zu beteiligen und die nötigen Haushaltsmittel in die Haushaltsplanung für 2021 aufzunehmen.