Günther Geiling Für den Kreistag-Bauausschuss ist alljährlich im Herbst die ganztägige Straßenbereisung ein Höhepunkt in der Landkreispolitik. Dabei nehmen die Kreisräte das Kreisstraßennetz unter die Lupe. Es geht in den Steigerwald und die Haßberge - auch in entlegene "Ecken". 321 Kilometer hat das Kreisstraßennetz. Diesmal war es ganz anders, denn die Straßenbereisung fand wegen der Coronakrise nur virtuell statt. Die Mitglieder des Ausschusses trafen sich im Sitzungssaal des Landratsamtes in Haßfurt. Im Mittelpunkt stand der Ausbauplan für die Periode 2020 bis 2026, der mit einem Kostenvolumen von über 24 Millionen Euro beschlossen wurde.

Die Kreisräte sahen in der Sitzung unter Leitung von Landrat Wilhelm Schneider Videobilder vom Straßenzustand. Schadhafte Stellen auf Straßen und Brücken sowie besondere Verkehrssituationen wurden aufgezeigt.

Laufende Projekte

Außerdem ging es um die aktuelle Brückensanierung in Zeil. Dazu berichtete der Leiter der Tiefbauverwaltung des Landkreises, Alfons Schanz, von aufwendigen Arbeiten für den Korrosionsschutz an der Brücke, die jetzt 26 Jahre alt ist. Durch die Auslastung der Firmen habe der Landkreis sogar die erste Ausschreibung aufheben müssen und erst die zweite Ausschreibung habe ein wirtschaftliches Angebot gebracht. Die Arbeiten seien aktuell voll im Gange, weswegen die Straße teilweise gesperrt ist, schilderte er.

Ein weiterer Brennpunkt: Mit der Fertigstellung der Ortsdurchfahrt in Hohnhausen (Gemeinde Burgpreppach) versucht der Landkreis, die Verkehrsprobleme an einer Engstelle mit einer besonderen Ampel zu lösen. Um keine unnötigen Wartezeiten zu erzeugen, wenn kein Gegenverkehr kommt, reagiert die Ampel mit Hilfe von Sensoren auf nahende Fahrzeuge und gibt ihnen dann den Weg frei.

Das Problem ist, dass die Sensoren zwar Autos erkennen, aber keine Fahrräder. Wenn sich die Radfahrer somit an die Ampelregelung halten, müssen sie so lange an der roten Ampel warten, bis ein Auto kommt, das den Sensor auslöst.

Für eine andere Lösung

Landrat Schneider meinte, dass er an anderen Orten Ampeln kenne, von denen er wisse, dass sie auch auf Radfahrer reagieren. Deswegen müsse eine andere Lösung gefunden werden. An der Ampel ein Schild mit der Aufschrift "Radfahrer frei" anzubringen, wurde als Lösung verworfen, weil es rechtliche Schwierigkeiten geben würde.

Ein weiteres Problem führte zu Diskussionen im Ausschuss. So muss für Arbeiten an der Straße von Lichtenstein (Gemeinde Pfarrweisach) nach Buch (Gemeinde Untermerzbach) zunächst eine unter strengem Artenschutz stehende Schmetterlingsart umgesiedelt werden. Es handelt sich um den Wiesenknopf-Ameisenbläuling, dessen Vorkommen auch den Bau des Königsberger Altenheims verzögert hatte.

Welche Zuschüsse kommen?

Die zukünftigen Straßenbaumaßnahmen hängen auch von den Förderungen durch den Freistaat Bayern ab. In der Vergangenheit ging der Landkreis von Zuschüssen in Höhe von 50 Prozent aus. Alfons Schanz erklärte, dass er und seine Mitarbeiter lediglich 40 Prozent in die Planung eingestellt hätten. Man hoffe zwar nicht, dass es so weit komme, aber möglicherweise gehe die Förderung doch etwas nach unten. Mit der "pessimistischeren Planung" wolle man auf jeden Fall auf der sicheren Seite sein. Landrat Wilhelm Schneider sagte dazu: "Ich hätte auf jeden Fall gerne eine sechs vorne dran, besser noch eine sieben."

Vom bisherigen Ausbauplan wurden einige Maßnahmen auf Wunsch der Kommunen teilweise wegen Dorferneuerungsmaßnahmen verschoben. Dies gilt insbesondere für die Ortsdurchfahrten Dankenfeld, Hellingen, Wagenhausen, Kreuzthal und die Straße Lichtenstein-Buch.

Die Planungen

Folgende Straßenbaumaßnahmen sind im Ausbauplan für 2020 enthalten: die Kreisstraße Has 46 von der B 303 bis Ibind für 1 911 000 Euro; die Kreisstraße Has 17 mit der Ortsdurchfahrt Untersteinbach für 375 000 Euro.

Der Ausbauplan sieht für 2021 vor: Kreisstraße Has 46 Lichtenstein-Buch mit Kosten von 2 530 000 Euro; die Kreisstraße Has 24 Ortsdurchfahrt Dippach (bei Eltmann) mit 594 000 Euro.

Der Ausbauplan 2022 beinhaltet: die Kreisstraße Has 27 Ortsdurchfahrt Wagenhausen mit 600 000 Euro; die Has 26 Ortsdurchfahrt Dankenfeld mit 720 000 Euro; die Kreisstraße Has 6 Ortsdurchfahrt Hellingen mit 936 000 Euro; die Has 58 Ortsdurchfahrt Kirchlauter mit 510 000 Euro.

Der Ausbauplan 2023 umfasst: Has 8 Ortsdurchfahrt Kreuzthal mit 840 000 Euro, die Has 40 von der B 303 nach Burgpreppach mit 345:000 Euro; die Has 40 Ortsdurchfahrt Burgpreppach mit 1 410 000 Euro.

Der Ausschuss für Bau und Verkehr des Landkreises Haßberge hat in seiner Sitzung neben dem Ausbauplan Ab- und Aufstufungen von Straßen zugestimmt. Dazu wurden die entsprechenden Vereinbarungen mit der Straßenbauverwaltung akzeptiert. Die Änderungen betreffen vor allem die Stadt Zeil.

Hintergrund ist, dass sich mit dem Bau der Maintalautobahn und der Umgehung von Zeil die Bedeutung einzelner Straßen geändert hat. Konkret wurde beschlossen, dass die Zeiler Umgehung von der Kreisstraße zur Staatsstraße aufgewertet wird, und die Ortsdurchfahrt von Zeil mit der Ortsdurchfahrt Ziegel-anger wird zu einer Gemeindeverbindungsstraße sowie teilweise Kreisstraße abgestuft. Damit wird der Wunsch der Stadt Zeil weitgehend erfüllt, dass sie wieder Herr im eigenen Haus ist. Durch die Regelungen entstehen Kosten, denn vor der Übergabe in neue Zuständigkeiten müssen die Straßen baulich in Ordnung gebracht werden.