von unserem Redaktionsmitglied 
Matthias Einwag

Kreis Lichtenfels — Jahrelang hat Heinz Pfuhlmann an diesem Thema gearbeitet. Er fahndete in Archiven und im Internet, er wälzte Fachbücher und befragte Zeitzeugen. Ergebnis seiner Recherchen ist ein Aufsatz, dessen Titel gut umreißt, worum es im Inhalt geht: "Kunstraub, Champagner und Zyankali - Der Einsatzstab Reichsleiter Rosenberg in Banz und Staffelstein 1944/45".
Was Heinz Pfuhlmann herausgefunden und aufgearbeitet hat, ist ein durch Fakten fundierter Geschichtskrimi. Im Mittelpunkt steht Kurt von Behr, ein hoher Funktionär des Deutschen Roten Kreuzes und des NS-Staates. Behr wirkte federführend am Kunstraub der Nazis mit. Dabei handelte er im Auftrag von Alfred Rosenberg, dem NS-Chefideologen, und von Reichsmarschall Hermann Göring.

Flucht aus Paris nach Banz

Nachdem die Alliierten im Juni 1944 in der Normandie gelandet waren, flüchteten Behr und seine Frau Joy von Paris nach Kloster Banz. Sie brachten Juwelen und Kunstgegenstände des "Einsatzstabs Reichsleiter Rosenberg" mit.
Behr koordinierte in Banz auch den Abtransport weiterer geraubter Kunstwerke und Bücher aus jenen Gebieten, die durch vorrückende alliierte Truppen bedroht waren. In Banz trafen tonnenweise Güter ein, die in den weitläufigen Kellergewölben untergebracht wurden.
Nachdem die Amerikaner am 12. April 1945 bei Unnersdorf den Main überquert hatten, sah der NS-Funktionär Behr für sich und seine Frau offenbar keine Zukunft mehr. Am 19. April 1945 nahmen sich der 55-Jährige und die 49-Jährige in Banz das Leben, indem sie vergifteten Champagner tranken.
Was hier nur streiflichtartig geschildert werden kann, ist im Aufsatz von Heinz Pfuhlmann mit zahlreichen Fakten belegt. Dem ehemaligen Schulleiter des Lichtenfelser Meranier-Gymnasiums gelang es, Licht in ein bisher relativ unbekanntes Kapitel der Geschichte zu bringen.
Doch in dem neuen Heft "Vom Main zum Jura" sind weitere lesenswerte Artikel enthalten. Etwa der Aufsatz von Josef Urban über den Burkheimer Landwirt und Besenbinder Franz Joseph Ahles, der die Berichte und Erinnerungen seiner Vorfahren an die napoleonischen Kriege aufzeichnete.
Die Geschichte der zunächst würzburgischen Urpfarrei Altenkunstadt zeichnen Erik Soder von Güldenstubbe und Josef Urban nach: "Das Obermainland wird christlich" lautet der Titel ihres Beitrages.
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