Demnächst erhalten die vier Mitarbeiter des Münnerstädter Kommunalunternehmens "KulTourisMus" ihre Kündigung. Die Auflösung des KU wird nach acht Jahren zum 31. Dezember vollzogen.
Nun gibt es auch den für die Kündigung des Vorstands erforderlichen Termin des Verwaltungsrats. Die Sitzung ist am Mittwoch. Dann muss der Verwaltungsrat die vom Stadtrat gewünschte Kündigung des Vorstands bestätigen. Die Kündigungen an andere Mitarbeiter sollen bereits verschickt sein.
Kultur zum Nulltarif gibt es nirgends. In Münnerstadt wurde lange nach der günstigsten Lösung gesucht. 2009 schien man sie gefunden zu haben: Der Bereich Henneberg-Museum, Volkshochschule, Fremdenverkehr und das "Kulturwesen" im Allgemeinen wurden aus der Stadtverwaltung ausgelagert. Das Kommunalunternehmen (KU) "KulTourisMus" wurde gegründet.
Doch sieben Jahre später rudert der Stadtrat zurück: Zum 31. Dezember 2017 wird das KU wieder aufgelöst. "Das Kommunalunternehmen war die beste und kostengünstigste Lösung", beschwört heute noch Bürgermeister Helmut Blank (CSU) den damaligen Ansatz. Das Konzept: Die Kultur raus aus der Stadtverwaltung in ein 100 Prozent städtisches Unternehmen. Inge Bulheller wurde mit 30 Stunden/Woche Geschäftsführerin, Björn Hein arbeitete halbtags als Museumsleiter, zwei Assistenten, Nadine Bötsch und Matthias Nöth (halbtags), vervollständigten die Mannschaft. Das Budget: 10 900 Euro pro Monat für Personalkosten und den laufenden Betrieb für Museum, Tourismus, Volkshochschule und Nebenkosten.
"KulTourisMus" wurde zum Ideengeber für die Stadt. Neue Veranstaltungen wurden an den Ort gebunden: der Rhöner Wandertag, das VW-GTi-Treffen, die Verbindungen zur Sachs-Franken-Classic-Rallye. "Diese Veranstaltungen brachten Menschen in die Stadt", bilanziert Blank. Das habe schon was gebracht, meinen auch Stadträte, nur nichts für die Stadtkasse. So hat der Stadtrat im September 2016 mehrheitlich beschlossen, Kultur und Tourismus wieder ins Rathaus zu holen.


Streit um Budgetverwaltung

Die Budgetverwaltung war immer ein Streitpunkt im Stadtrat. Damit fingen die Unstimmigkeiten zwischen Rathaus und Kultourismus an. Es gab Diskrepanzen bei den Zahlen (siehe rechts). In der Diskussion sind aber immer auch andere Zahlen aufgetaucht. Die seien auch dadurch zustande gekommen, dass "KulTourisMus" vom Stadtrat mit der Durchführung des Stadtfestes betraut und dafür ein gesondertes Budget zur Verfügung gestellt wurde, heißt es im Kommunalunternehmen. Das hätte nichts mit den ursächlichen Kosten zu tun, sei aber in einen Topf geworfen worden. Heißt: Die KU-Bilanz wurde schlechter.
Die Folge: Der Stadtrat hat die Auflösung des KU beschlossen; drei Mitarbeitern sei schriftlich gekündigt. Im Sommer wurden drei neue Stellen ausgeschrieben: Ein/e Sachgebietsleiter/in Stadtmarketing und Tourismus (akademische Ausbildung, Vollzeit), ein Museumsleiter/in (akademische Ausbildung, halbtags) und eine Assistenzkraft (halbtags). Die bisherigen Mitarbeiter konnten sich auf diese Stellen bewerben.
Keinen Platz in diesen Überlegungen hat Inge Bulheller. Für sie gibt es keine Stelle mehr. Tragisch: Vor acht Jahren hat sie eine unbefristete Stelle bei der Stadt Münnerstadt eingetauscht gegen einen Vierjahresvertrag als Geschäftsführerin/Vorstand des Kommunalunternehmens. 2013 wurde ihr Vertrag um vier Jahre verlängert.
Durch diese Personaleinsparung und den Wegfall der Notwendigkeit einer KU-Betriebsprüfung - die Rede war im Stadtrat von 18 000 Euro - sowie die Übernahme der Buchführung durch die Stadtverwaltung will man deutlich Geld sparen. Doch von der Umstrukturierung sind nicht alle überzeugt: Bürgermeister Blank zum Beispiel. Mit der Neubesetzung der Stellen würden Kultur und Tourismus in Münnerstadt erst mal in ein tiefes Loch fallen. Der Motor von "KulTourisMus", Inge Bulheller, werde zum Bauernopfer, sie sei ein herber Verlust für die Stadt, sagt Blank.