Wollen wir noch ein Parkdeck? Brauchen wir es überhaupt? Wenn ja, wohin damit? Soll die Kronacher Innenstadt verkehrsberuhigter werden? Welche künftigen Bestattungsarten kann sich der Stadtrat für die eigenen Friedhöfe vorstellen? Antworten gab es in der jüngsten Sitzung des Stadtrates im Zeughaussaal auf der Festung Rosenberg .

Stadtentwicklung , Friedhofsplanung, Baumaßnahmen ... Klingt unspektakulär? Es ist die Arbeit des Kronacher Stadtrates, die er vor allem für seine Bürger macht. Und ja, sie ist manchmal unspektakulär, manchmal sogar langweilig. Aber sie ist wichtig. In der jüngsten Sitzung war die Tagesordnung geprägt von genau diesen Themen. Genauso bunt wie die waren auch die Diskussionen , die darum geführt wurden.

Krahenberg und Landratsamt

Bleiben wir beim Parkdeck. Hierzu waren Anträge von CSU , SPD und Grünen/Frauenliste eingegangen, die man durch die Verwaltung prüfen lassen will. Und natürlich sehen nicht alle Fraktionen das Parkdeck an der gleichen Stelle. Während die CSU für eines am Krahenberg plädiert, sähe es die SPD viel lieber neben dem Landratsamt, da, wo jetzt die Mitarbeiterparkplätze sind. Bündnis 90/Die Grünen und die Frauenliste haben sich zwar keine Gedanken um ein Parkdeck gemacht, wohl aber um eine kritische Bedarfsprüfung, um vorhandene Angebote zu optimieren. Man muss bei der Sitzung nicht dabei gewesen sein, um zu wissen, dass die Fraktionen, die diese Anträge gestellt haben, über gute Argumente verfügen.

Ralf Völkl ( SPD ) plädierte für ein verträgliches Stadtbild und meinte, das Parkdeck würde sich neben dem Landratsamt gut darin einfügen. Jonas Geissler ( CSU ): „Unser Antrag mit dem Krahenberg ist ein guter Kompromiss, denn wir haben eindeutig ein Parkplatzproblem in Kronach .“ Mit Blick in die Zukunft meinte er: „Man muss sich eines Problems annehmen, bevor es entsteht, nicht erst, wenn es da ist.“

Nicht nur Studien erarbeiten

Tino Vetter (FW) fragte nach einer Finanzierung für das Ganze und danach, ob es möglicherweise Fördertöpfe gebe, die man anzapfen könne. Und er fand deutliche Worte für seine Gremiumskollegen: „Wir müssen uns jetzt mal auf den Arsch setzen und nicht nur Anträge schreiben. Vielmehr ist eine sachorientierte Politik gefragt.“

Nicht weniger emotional war auch Klaus Simon ( SPD ): „Wir arbeiten nur mit Machbarkeitsstudien. Wie viele Fässer wollen wir denn noch aufmachen? Wir müssen auf jeden Fall unser Mobilitätskonzept mit einbringen.“ An ganz anderer Stelle, nämlich in der Rosenau, sah Martin Panzer (ZKC) ein Parkdeck enstehen. Und auch bei ihm wurde es emotional: „Die Kronacher haben ein katastrophales Parkverhalten und parken wild durcheinander.“ Und während Harald Meußgeier ( AfD ) noch abwarten wollte, hatte Martina Zwosta von der Frauenliste schon deutliche Vorstellungen: „Der Bau eines Parkdecks geht in die völlig falsche Richtung! Wir müssen den öffentlichen Nahverkehr ausbauen und wir müssen vor allem umdenken.“

Jetzt wird geprüft

Um nichts zu überstürzen, und weil man ja im Rahmen des städtebaulichen Entwicklungskonzeptes sowieso den fahrenden und den ruhenden Verkehr in den Fokus nehmen will, sollen jetzt die unterschiedlichen Vorschläge von der Verwaltung geprüft werden.

ISEK, also das integrierte, städtebauliche Entwicklungskonzept, stand ebenfalls auf der Tagesordnung. Hierzu nahm das Architekturbüro Schirmer aus Würzburg Stellung. Es zeigte, welche Entwicklung vor allem die Kronacher Innenstadt nehmen könnte. „Wie sieht Kronach 2040 aus?“ Eine wirkliche Antwort auf diese Frage gab es zwar nicht, aber es sollen zukünftige Aufgaben definiert und vertieft werden.

Beim Planungsansatz wolle man aber vor allem die Bürger ins Boot nehmen. Martin Gebhardt vom gleichen Büro freute sich über die Ergebnisse von „MyPinion“, einem Online-Beteiligungstool für die Bürger. Hier habe man viel kommentiert, aber auch eigene Ideen eingebracht.

Manche Räte sahen das mit der Beteiligung aber anders und bedauerten, dass sich nicht mehr Bürger eingebracht hätten. Es waren wohl 185, und das sei keine Zahl, die aussagekräftig sei. Jetzt wolle man wieder mit den Bürgern in Kontakt treten und sie in eine „öffentliche Werkstatt“ einladen.

Interessant war es, dass in diesem Bericht ebenfalls das Parkverhalten der Kronacher, diesmal in der Altstadt , auf den Prüfstand gestellt wurde. Ergebnis: „Es ist chaotisch“, stellte zumindest Gebhardt fest. Viel war die Rede von „Verkehrsberuhigung“ und von einer „Neuordnung des ruhenden Verkehrs .“ Darum soll sich aber künftig ein Verkehrsplaner kümmern, der dieses Thema vertiefen soll, um konkrete Ergebnisse zu liefern. Und jetzt auf den Punkt: Gewerbegebiete sollen gestalterisch aufgewertet werden, die Altstadt könnte als Ort der Kommunikation und der Begegnung glänzen, das Wohnen in der Kernstadt könnte an Attraktivität gewinnen und der Verkehr soll besser fließen.

„Überall Pflastersteine?“

„Wir wollen ISEK nicht nur wie ein Mantra vor uns hertragen. Es gibt so viele Baustellen, wir müssen die Menschen in der Fläche mitnehmen.“ Dieser Wunsch kam von Jonas Geissler ( CSU ), und Ralf Völkl ( SPD ) fragte: „Wo stehen wir in Kronach und wie führen wir die Fäden zusammen?“ Er sah das Thema „Wohnen“ als Dauerbrenner und meinte, man müsse auch neue Gewerbeflächen schaffen. Und er brachte einen weiteren Gedanken ins Spiel, der unter den Kronachern für geteilte Meinungen sorgen dürfte: „Brauchen wir überall Pflastersteine, da wo wir sie haben?“

Da passt doch der Gedenke von Johannes Klüpfel gut ins Spiel, der fragte: „Welche Wege sind Kronacher Bürger bereit zu gehen?“ Tino Vetter (FW) wollte historische Bauten ins Konzept integriert sehen, und Elisabeth Hofmann (Grüne) möchte den Durchgangsverkehr aus der Innenstadt verbannen. Dieser Meinung war auch Harald Meußgeier von der AfD . Er sprach sich für einen verkehrsfreien Marienplatz und sogar für eine Umverteilung des Verkehrs aus. Carin Bülling ( CSU ) trieb die Sorge um, ob man die Stadtteile genügend einbinde.