Kronach  — Immer weniger ist der 1. Mai noch als „Tag der Arbeit“ im Bewusstsein der Menschen vorhanden. Die KAB-Kreisverbände Kronach-Hof und Lichtenfels-Coburg-Kulmbach feiern den 1. Mai jedoch nach wie vor mit einem Arbeitnehmergottesdienst sowie einem sich anschließenden „politischen Frühschoppen“. Aufgrund der aktuellen Situation muss diese Traditionsveranstaltung, die Jahr für Jahr an verschiedenen Orten im Landkreis Kronach stattfindet, leider auch für heuer abgesagt werden.

„Als internationaler Kampftag für Arbeitnehmerrechte hat der 1. Mai in den letzten Jahren an Bedeutung eingebüßt. Dennoch glauben wir als KAB, ist der 1. Mai gerade im Zuge der derzeitigen Krise und der damit einhergehenden sozialen Spaltung heute wichtiger denn je“, verdeutlicht KAB-Verbandsreferentin Manuela Mähringer aus dem KAB-Büro Kronach . Hart erkämpfte Rechte würden geschwächt, humanitäre Probleme, die man überwunden glaubte, brächen im Zuge der Krise wieder aus. Zudem erlebe man, wie örtliche Konflikte und wachsendes Desinteresse für das Allgemeinwohl von der globalen Wirtschaft instrumentalisiert werden. Die Krise diene als Rechtfertigung, um Arbeitsschutz hintanzustellen und gesetzliche Regelungen zu lockern. Diese Verluste führten vielen von uns wieder vor Augen, wie wichtig die bereits als selbstverständlich erlebten Errungenschaften eigentlich sind.

Bangen um Arbeitsplätze

„Viele Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer bangen in diesen unsicheren Zeiten um ihren Arbeitsplatz; ob es um das Hotel- und Gaststättengewerbe, um kleine Unternehmen, die Kulturbranche u.a. geht. Auch große Unternehmen nutzen die Pandemie zu sogenannten Umschichtungen – wie zum Beispiel Lear in Kronach “, prangert sie an. All das trage weiter zur sozialen Spaltung bei. Die KAB stehe als Arbeitnehmerbewegung an der Seite der Arbeitnehmer. Viele wünschten sich nach der Corona-Krise eine Rückkehr zum „alten” Leben. Mähringer: „Aber wollen wir das wirklich? Sollte nicht die Krise auch ein Umdenken bewirken?“ Die „Bamberger Erklärung” der KAB in der Erzdiözese Bamberg zeigt Probleme auf, die die Welt aus dem Gleichgewicht brachten: Klimaveränderung, Spaltung in Arm und Reich , erzwungene Migration, Rechtspopulismus ... „Das alles ist nicht einfach vorbei! Die gegenwärtige Krise ist für die KAB Anlass zum Umdenken, wie wir unsere Gesellschaft anders organisieren wollen, damit sie gerechter, solidarischer und umweltsensibler in die Zukunft gehen kann“, findet sie deutliche Worte. Wesentliche Eckpunkte für den Weg zu menschenwürdiger Arbeit sind Arbeitsschutz, Löhne und Mitbestimmung. Die Privatisierung der letzten Jahrzehnte habe in nicht wenigen Bereichen der Arbeitswelt zu einer Schwächung der Mitbestimmung geführt. Bei den Löhnen gebe es in Deutschland einen enormen Nachholbedarf, gerade auch im Niedriglohnsektor . Niedrige Löhne seien neben Erwerbslosigkeit die Hauptursache für Armut in unserer Gesellschaft. Der Mindestlohn müsse daher auf die armutsfeste Höhe (derzeit 13,69 Euro) angehoben werden.

Sorge um das Klima

Ein weiterer wichtiger Bereich ist die Klimakrise . Für die KAB gilt als Mahner Papst Franziskus mit seiner Umweltenzyklika „Laudato Si – über die Sorge um das gemeinsame Haus”. Darin fordert er einen ökologischen und sozialen Ansatz, der die Gerechtigkeit mit in die Umweltdiskussion aufnimmt, um die Klage der Armen ebenso zu berücksichtigen wie die Klage der Erde.

Freiheit und Pflicht

Weitere maßgebliche Faktoren sind Freiheit und Demokratie. „Freiheit ist mehr als Selbstverwirklichung. Die eigene Freiheit endet dort, wo die Freiheit anderer geschützt werden muss. Damit erhält Freiheit auch eine Pflicht“, stellt Manuela Mähringer heraus. Der Vorschlag der KAB Bamberg: Eine unabhängige Kommission zur Wahrung bürgerlicher Rechte. Als unabhängiges Gremium, ähnlich der Mindestlohnkommission, mit Experten aus Bereichen Justiz, Wissenschaft, Zivilgesellschaft, dem Deutschen Ethikrat oder den Wirtschaftsweisen, kann es als ständiges Beratungsgremium in Gesetzgebungsverfahren mitwirken. Durch entsprechende Angebote in allen Schularten, sowie in der Lehrerausbildung, soll die Demokratieausbildung einen höheren Stellenwert bekommen.

„Wir wollen, dass unsere Kinder und Enkel eine Zukunft haben. Dazu braucht es ein radikales Umdenken, eine neue Wertschätzung der Natur und Ehrfurcht vor allem, was lebt“, betont die Verbandsreferentin. Alle seien gefragt: Politik, Wirtschaft, Kirchen und Gesellschaft. Die KAB möchte Verantwortung übernehmen und mit Gleichgesinnten etwas bewegen. „Beleben wir die Tradition des ersten Mai neu! Für eine lebens- und liebenswerte Zukunft in Verantwortung vor Gott und den Menschen!“, so ihr eindringlicher Appell.