Der Biber ist nach dem südamerikanischen Wasserschwein das zweitgrößte Nagetier der Erde. Das Tier ist hervorragend an das Leben im Wasser angepasst.

So kann der Biber bis zu 15 Minuten tauchen. Mit wenig Aufwand schafft er, wofür Menschen schweres Gerät und viel Energie einsetzen müssen: Er baut Biberburgen, die über zwei Meter Höhe und rund zehn Meter Durchmesser erreichen, wobei die Eingänge stets unter Wasser liegen.

Früher wurde der Biber sogar vielseitig genutzt. Biberbraten galt im Mittelalter als Delikatesse. Sein Fleisch diente als Fastenspeise, da ihn die katholische Kirche zum Fisch erklärt hatte. Aus seinem Pelz wurden wärmende Mäntel und Hüte hergestellt. All das führte im 19. Jahrhundert zu einer fast vollständigen Ausrottung.

Nun ist der Biber wieder da. Interessant ist auch, dass Biberpaare eine lebenslange Ehe eingehen. Nur wenn einer der Partner stirbt, sucht der Überlebende einen neuen Partner. Die Paare bekommen zwei bis drei Junge pro Jahr; diese bleiben zwei Jahre in der Familie, und meist erlebt nur ein Jungtier die ersten zwei Jahre bis zur Geschlechtsreife. Ein Biber kann zwölf bis 14 Jahre alt werden. Jede Familie besitzt ein Revier, das bis zu sieben Kilometer lang sein kann.

Stattliche Tiere

Große Tiere werden bis zu 1,3 Meter lang und bis zu 30 Kilogramm schwer. Normalerweise haben sie ein Gewicht von 20 Kilogramm. Die Fähigkeit, Dämme zubauen, ist dem Biber angeboren, und er errichtet sie nur, wenn es notwendig ist. Hauptzweck der Dämme ist es, Gewässer aufzustauen und damit eine Wassertiefe von mindestens 80 Zentimetern zu sichern, um den Eingang zum Bau unter Wasser zu halten. Ein höherer Wasserstand erlaubt sicheres Tauchen und verhindert, dass Gewässer im Winter bis auf den Grund zufrieren können.

Kein anderes Tier hat die Eigenart, im Winter Bäume zu fällen. Das liegt an der ausschließlich vegetarischen Ernährungsweise des Bibers. Wenn im Winter die pflanzliche Nahrung rar wird, schließt er die Nahrungslücke mit Hilfe seiner kräftigen Schneidezähne. Er nagt so lange am Baum, bis er zu Boden fällt. Präzise Rillen aus der Arbeit der Schneidezähne bleiben am Stamm zurück. Der Biber frisst nur den Bast und die grobe Borke. Die Äste nutzt er für seine Biberburg. Im Sommer ernährt er sich von Gräsern, Kräutern, nutzt aber auch Feldfrüchte wie Mais, Zuckerrüben und Getreide von den Ackerflächen der Landwirte.

Die Biber fällen einerseits regelmäßig Bäume, was zu Konflikten mit deren Besitzern führt. Auf der anderen Seite helfen die Nager mit, Gewässer und Auen naturnaher und abwechslungsreicher zu gestalten.

Landesweite Zahlen aus über zwei Jahrzehnten Bibermanagement belegen, dass es in rund 70 Prozent der bayerischen Reviere angeblich keine oder keine größeren Konflikte gibt. In Bayern leben heute schätzungsweise 22 000 Tiere in 6500 Revieren (Stand 2018).

Da Biber ihre Aktivitäten zumeist auf einen schmalen Streifen von 20 Metern entlang des Gewässers beschränken, lassen sich Probleme vermeiden, indem diese Streifen nicht für den Ackerbau, Fischteiche oder für Kläranlagen genutzt werden. Das wäre aus Sicht des Trink- und Hochwasserschutzes ohnehin sehr wünschenswert. gg