Marion Krüger-Hundrup Corona macht erfinderisch, wenn es darum geht, trotz der Reisebeschränkungen Kontakte mit Freunden zu pflegen. "Auch ohne Reisen bleiben Glaube, Liebe, Solidarität!", ist sich jedenfalls Bischof André Guèye sicher. Der Oberhirte von Bambergs senegalesischem Partnerbistum Thiès nutzte am Mittwochabend die Gelegenheit, per Videoschaltung ins Bistumshaus St. Otto Freunde zu treffen. Das Referat Weltkirche im Erzbischöflichen Ordinariat und die Katholische Erwachsenenbildung (KEB) Fürth hatten diese Möglichkeit geschaffen. Rund 100 Interessierte nahmen real und virtuell an dieser Begegnung teil.

Anlass war der Sonntag der Weltmission, die größte Solidaritätsaktion der Katholiken weltweit. Das Internationale Katholische Missionswerk "missio" mit Sitz in Aachen und München führt die Kampagne alljährlich in Deutschland durch. Das Motto 2020: "Solidarisch für Frieden und Zusammenhalt". Das Leitwort konkretisiert das Engagement der Kirche in der diesjährigen Beispielregion Westafrika. In einer Region, in der Menschen verschiedener Religionen und Ethnien lange friedlich zusammenlebten.

Spannungen und Gewalt

Doch schon vor der Pandemie wurde das Miteinander von Gewalt und terroristischen Anschlägen erschüttert. Die Auswirkungen der Krise verstärken Spannungen und Gewalt, gefährden den sozialen Frieden.

Eigentlich war Bischof André Guèye als ein Gast von "missio" nach Bayern eingeladen. Doch die Pandemie machte diesen Plänen einen Strich durch die Rechnung. So grüßte der Bischof zumindest von der Leinwand und berichtete vom täglichen Kampf der Armen im Senegal ums nackte Überleben: "Die Pandemie bedroht sie existenziell, sie leben von der Hand in den Mund", sagte Bischof André. Denn durch die Beschränkungen hätten viele Menschen ihre Arbeit verloren, etwa 85 Prozent der 16 Millionen Senegalesen verzeichneten Einkommenseinbußen.

Weltweite Solidarität gefragt

Und obendrein sei das Gesundheitssystem nicht imstande, die Kranken angemessen zu versorgen. Da helfe die Caritas des Bistums Thiès mit Unterstützung ausländischer Partner wie dem Erzbistum Bamberg in der Versorgung mit Nahrungsmitteln, Medikamenten, Trinkwasser und Hygiene-Artikeln.

"Wir können die Krise nur gemeinsam lösen", warb auch Bischof Jonas Dembélé, Vorsitzender der Bischofskonferenz von Mali, um weltweite Solidarität. Er besuchte als "missio"-Gast am Mittwochvormittag Erzbischof Ludwig Schick in dessen Bischofshaus. "Ich bin nach Bamberg gekommen und wünsche mir, dass Bamberg nach Mali kommt!", sagte Bischof Dembélé lächelnd und dankte den Bambergern für alle Zeichen der Solidarität sowie ihre Spendenbereitschaft für die Länder des Sahel allgemein, die besonders unter Armut, Dürre und Terror leiden.

Wenn der Bischof von einer Krise spricht, hat er aber nicht nur die Auswirkungen von Corona im Blick: In Mali wachse der islamistische Terror "wie ein Krebsgeschwür - man bekämpft ihn an einer Stelle, dann tritt er an einer anderen wieder auf".

Aufstieg von Terrorgruppen

2012 brach im Norden des Landes die Tuareg-Rebellion aus, es folgte der Aufstieg von Terrorgruppen wie AQIM (al-Qaida im Maghreb), Ansar Dine, Islamischer Staat und einigen anderen. Viele dieser islamistischen Kämpfer hatten zuvor in Libyen an der Seite von "Revolutionsführer" Gaddafi gestanden. Sie flohen nach Mali, nachdem Gaddafi 2011 abgesetzt und getötet worden war.

Seit 2013 versuchen die ehemalige Kolonialmacht Frankreich und die Vereinten Nationen (UNO) nun, Mali militärisch zu stabilisieren. Am UNO-Einsatz "Minusma" mit etwa 12 000 Soldaten ist auch die deutsche Bundeswehr mit inzwischen bis zu 1100 Soldaten beteiligt (siehe Interview auf dieser Seite).

Für Bischof Jonas Dembélé ist es zwar "schwierig, mit Waffen Frieden zu schaffen", wie er sagt. Doch im konkreten Fall Mali sei es wohl "ein notwendiges Übel". Eine "gute Regierung und ein neutrales, nicht an eine Religion gebundenes Staatsoberhaupt wären nötig" sowie eine Förderung des Dialogs zwischen den Religionen. Dafür setze er sich ein. Wie überhaupt die "Minderheiten-Kirche in Mali vieles tut, was der ganzen Not leidenden Bevölkerung zugute kommt", betonte der Bischof.

Schick ermahnt religiöse Eliten

Erzbischof Schick reagierte auf die Frage unserer Zeitung, ob Waffen tatsächlich Frieden schaffen können, unmissverständlich: "Nein, man kann mit Waffen keinen Frieden schaffen!" Man könne mit Waffen "die Kontrahenten eine gewisse Zeit auseinanderhalten, um sie dann zu bewegen, miteinander zu sprechen; nur Dialog und Zusammenarbeit schaffen Frieden", erklärte Schick, der auch "Außenminister" der Deutschen Bischofskonferenz ist.

Er nahm die religiösen Eliten ins Visier: Diese könnten Friedensbemühungen fördern, "wenn sie sich wirklich auf die Religion einlassen und nicht verbunden sind mit irgendwelchen Machtstrukturen und politischen Zielen". Wenn sich die Religionsführer wirklich auf Gott einließen, könnten sie durch diese Rückbindung feststellen, dass "alle Menschen Kinder Gottes sind, Geschwister untereinander, alle Güter dieser Welt gehören allen", erklärte der Erzbischof. Nur ein solch gemeinsames Fundament der Religionen schaffe Frieden. Wer dieses Fundament verlässt, werde aus falsch verstandener Religion zu "Brandbeschleunigern von Unfrieden und Auseinandersetzungen", betonte Schick.

Kollekte für Projekte in Westafrika

In allen Gottesdiensten wird am 25. Oktober, am Sonntag der Weltmission, die Kollekte für die Projekte von "missio" in Westafrika gehalten. Dazu gehören zum Beispiel christlich-muslimische Jugendcamps in Mali, in denen junge Menschen beider Religionen lernen, andere Sichtweisen zu verstehen und zu akzeptieren. Ziel ist ein gewaltfreies Miteinander.

In den vergangenen zwei Jahren förderte "missio" diese und andere Projekte in Westafrika mit 3,2 Millionen Euro. "Sehen wir die Nöte und sind solidarisch und hilfreich!", bat Erzbischof Schick am Ende des Besuchs von Bischof Jonas Dembélé.

Mehr Informationen zum Weltmissionssonntag gibt es auf www.missio.com.