Jennifer Hauser

Die Vorfälle waren in den Jahren 2004 und 2005. Ein Vater belästigt in mindestens zehn Fällen seine eigene Tochter sexuell. Lange Zeit schweigt sie. Jetzt aber hat sie gesprochen, nämlich vor dem Forchheimer Amtsgericht. Die heute 25-Jährige hat ihren Vater angezeigt. Nun muss er ins Gefängnis.
Zur Verhandlung am Dienstagmorgen waren einige Zuhörer ins Forchheimer Amtsgericht gekommen. Doch schnell mussten sie den Gerichtssaal verlassen. Während der Aussage des Opfers wurden die Zuhörer ausgeschlossen - um der jungen Frau zu ersparen, in der Öffentlichkeit über den sexuellen Missbrauch sprechen zu müssen.


Mehrfache Übergriffe

In der Anklage fasste Staatsanwalt Daniel Heppt die Vorfälle zusammen: Während die damals Elfjährige am Wochenende zu Besuch bei ihrem Vater war, hatte der sich regelmäßig zu dem Mädchen und ihrem Bruder ins Bett gelegt. Bei diesen Vorfällen hatte er den Schlaf des Mädchens genutzt, um das Kind am Afterausgang und an der Scheide zu berühren. Das Mädchen hatte das Schlafen jedoch nur vorgetäuscht, weil sie eine Konfrontation vermeiden wollte.
Nach dem ersten Übergriff des Vaters versuchte das Mädchen Berührungen dadurch zu vermeiden, dass sie anstatt einer Schlafanzughose eine enge Jeans mit Gürtel trug. Doch auch das hielt den Mann nicht davon ab, seine Tochter im Intimbereich zu berühren, so die Anklage.


Man hätte es ihm nicht zugetraut

Der mittlerweile 51-Jährige aus dem Landkreis Forchheim machte keine Angaben zur Tat. Sein Verteidiger, Rechtsanwalt Andreas Dräger, brachte jedoch eine Zeugin mit, die Zweifel an der Glaubwürdigkeit des Opfers aufkommen lassen sollte. Diese Zeugin, Stefanie K. (Name geändert) die sowohl das Opfer als auch den Täter schon seit etlichen Jahren kennt, betonte, dass sie sich nicht vorstellen könne, dass der Angeklagte diese Tat begangen habe. Vor drei Jahren erst seien die Tochter, der Vater und sie auf der Kirchweih gewesen. Da sei "alles normal" gewesen. Zudem brachte sie Beispiele an, die belegen sollten, dass das Opfer keine sexuellen Hemmungen habe, die sie, so Stefanie K., von einem Missbrauchsopfer erwarten würde.


Nicht darüber gesprochen

Eine weitere Zeugin, Michaela B. (Name geändert), war die Cousine des Opfers. Sie sagte aus, dass sie sich nicht an einen direkten Zeitpunkt erinnern könne, ab dem ihre Cousine nicht mehr zum Vater wollte. Dass es aber einen "größeren Vorfall" gegeben habe, sei ihr damals schon bewusst gewesen. "Ich wusste, dass es etwas Schlimmeres gewesen ist", sagte Michaela B., betonte aber auch, dass nie darüber gesprochen wurde.
Erst als der Angeklagte 2016 von einer anderen jungen Frau, nämlich der Ex-Freundin des Sohnes, des sexuellen Übergriffs bezichtigt worden war, sei es wieder aufgekommen. Michaela B. und eine weitere Frau seien damals zum Angeklagten gegangen, um ihn mit den Vorwürfen des anderen Opfers zu konfrontieren. Dabei sei auch das Gespräch auf die Vorfälle mit der eigenen Tochter gekommen. "Ich hatte den Eindruck, dass ihn das total aus der Bahn geworfen hat", sagt Michaela B. nun am Amtsgericht aus. Er habe dann eingewilligt, eine Therapie zu machen.


Wie ein Wasserfall ausgebrochen

Eine weitere wichtige Zeugenaussage wurde verlesen, weil diese Zeugin, Claudia F. (Name geändert), mittlerweile nicht mehr in Deutschland lebt. Vor knapp einem Jahr hatte Claudia F. aber bei der Polizei ausgesagt, dass sie bereits vor sieben oder acht Jahren mit dem Opfer über die Tat gesprochen hatte. Die damals 15- oder 16-Jährige hatte sich der Freundin der Familie geöffnet, weil es dieser komisch vorkam, dass das Mädchen bei einem zufälligen Treffen mit dem Vater diesen nicht begrüßen wollte. "Irgendwann ist es wie ein Wasserfall aus ihr ausgebrochen", heißt es in der verschriftlichten Aussage von Claudia F..
Obwohl sich das Mädchen damals auch ihrer Mutter anvertraut hatte, kam es zu keiner Anzeige. Die Mutter hatte selbst Probleme und wollte, das das Mädchen selbst entscheide, ob sie zur Polizei geht. Damit sei sie überfordert gewesen, berichtet Claudia F.. Im vergangenen Jahr aber, als der Vater wegen dem Übergriff an der Freundin des Bruders vor Gericht stand, entschied sich die Tochter, dass sie nicht wolle, dass noch ein Mädchen das erleben muss - und ging zur Polizei.


Drei Jahre und sieben Monate

Bei den Plädoyers war die Öffentlichkeit wieder ausgeschlossen, zum Urteil jedoch war der Sitzungssaal wieder gut gefüllt. Der 51-jährige zweifache Vater muss für drei Jahre und sieben Monate ins Gefängnis. In dieser Freiheitsstrafe ist auch das letzte Urteil (von dem Prozess mit der Ex-Freundin des Sohnes) miteinbezogen. Zur Urteilsbegründung sagte Richterin Silke Schneider, dass sie sich mit den Schöffen einig gewesen sei. "Die Aussage des Opfers ist in sich schlüssig und hat sich nicht wie auswendig gelernt angehört." Es habe sich eher so dargestellt, dass die junge Frau wollte, dass ihr Vater versteht, was er ihr angetan hat.
Zu den Zeuginnen, die gesagt hatten, sie würden dem Angeklagten eine solche Tat nicht zutrauen sagte Schneider: "Würden es immer alle von außen erkennen, hätten wir keine Fälle, die nicht aufgeklärt werden."
Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.