Friederike Stark

Es ist die Summe der Anklagen, nicht die Menge der Drogen, die einen 31- Jährigen aus dem Landkreis für ein Vierteljahr ins Gefängnis bringt. Eine "Minimenge", wie es Richterin Ilona Conver am Freitagvormittag bei einem Strafprozess am Amtsgericht in Haßfurt ausdrückte, war Anfang Mai beim arbeitssuchenden Angeklagten zu Hause sichergestellt worden: weniger als zwei Gramm Haschisch und weniger als ein Gramm Amphetamin.


Zwei Verhandlungen in einer

Allerdings war es längst nicht das erste Vergehen des Angeklagten. Schon zweimal musste das Gericht eine Bewährungsstrafe verhängen, beide Male war der Angeklagte noch während der Bewährung wieder straffällig geworden. Gleich zu Beginn der öffentlichen Hauptverhandlung kündigte Conver an, man könne eine weitere Anklage gegen den Mann verhandeln, wenn dieser damit einverstanden sei.
Das war er, also verlas die Vertreterin der Staatsanwaltschaft Bamberg noch die zweite Anklage: Der Angeklagte wurde laut Anklageschrift im Juli dieses Jahres um 22 Uhr abends am Bahnhof in Ebelsbach von zwei Polizeibeamten dabei beobachtet, wie er eine kleine Dose mit 0,7 Gramm Marihuana auf einer Anzeigetafel verstecken wollte.
Der Angeklagte, der ohne Rechtsbeistand erschienen war, räumte die erste Anklage sofort ein: "Ich war frisch getrennt, bin wieder bei meiner Mama eingezogen. Ich war wieder bei null. Das habe ich nicht gepackt." Bei der zweiten Anklage bestand er darauf, dass die Dose nicht seine gewesen sei, und er nur auf seine Mutter gewartet habe.
Einer der Polizeibeamten war als Zeuge geladen und schilderte die Situation aus seiner Sicht. Er erzählte, er sei mit seinem Kollegen am Bahnhof Streife gefahren und habe dort einen sich verdächtig verhaltenden Mann gesehen. "Er hat uns gesehen und in der Laufbewegung eine weiße Dose auf eine Anzeigetafel gelegt", sagte der Beamte. Daraufhin hätten er und der Kollege die Dose sichergestellt und den Mann durchsucht. "Wir haben aber nichts weiter gefunden." Bei der Vernehmung sagte der Angeklagte bereits damals, es sei nicht seine Dose gewesen und er hätte sie dort liegen sehen und kurz angucken wollen.
Richterin Ilona Conver glaubte dem Angeklagten nicht: "Es ist sicher nicht im naturwissenschaftlichen Sinn unmöglich, dass Drogen am Bahnhof liegen. Aber Ihre Version ist sehr unwahrscheinlich."
Da der Angeklagte trotz Verurteilungen immer wieder straffällig geworden ist und auf Nachfrage bestätigte, er habe "zumindest beim Cannabis ein Drogenproblem", forderte die Staatsanwaltschaft, den Angeklagten zu sechs Monaten Freiheitsstrafe ohne Bewährung zu verurteilen. Richterin Conver reduzierte das Strafmaß auf drei Monate - ohne Bewährung. Der Angeklagte muss die Kosten des Verfahrens auch tragen. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.