Wohin mit dem Klärschlamm? Das fragen sich viele Kommunen, nachdem die Ausbringung auf Feldern nicht mehr erlaubt ist. Um Klärschlammtransporte über weite Strecken zu reduzieren, bietet sich eine maschinelle Trocknung vor Ort an. Eine solche Anlage zur Klärschlammtrocknung stellte Diplom-Ingenieur Andreas Ertel aus Etzelwang in der Oberpfalz in der vergangenen Sitzung des Gemeinderates Altenkunstadt vor.

An die Biogasanlage andocken

Als Standort angedacht ist das Gelände der Prügeler Biogasanlage. Das hat für den Experten einen entscheidenden Vorteil: "Derzeit geht das heiße Abgas aus den Biogasmotoren ungenutzt in die Luft. Diese Abgaswärme könnte man nutzen und direkt in die Trocknungskammer leiten."

Als Betreiber käme Landwirt Jochen Leikeim, der bereits die Biogasanlage betreibt, infrage, so der Referent. In der gemeinsam von Alten- und Burgkunstadt im Burgkunstadter Ortsteil Weidnitz betriebenen Kläranlage fällt laut Bürgermeister Robert Hümmer (CSU) jährlich 6000 Kubikmeter Nassschlamm an.

Trocknung durch Fremdfirma

Nach Auskunft von Michael Doppel, dem Leiter der Kläranlage, wird der Schlamm derzeit mit einem mobilen Entwässerungsgerät von einer Fremdfirma entwässert. "Es entsteht entwässerter Schlamm, der wie feste Erde aussieht", erläuterte der Experte im Gespräch mit dieser Zeitung. Der entwässerte Schlamm, der noch einen Wasseranteil von 75 Prozent besitzt, werde hauptsächlich bei der Firma Schwenk-Zement im unterfränkischen Karlstadt zur Zementherstellung verwendet. Ab und an wird der Schlamm nach Auskunft Doppels auch in einem Kohlekraftwerk in Sachsen Anhalt verbrannt.

Der entwässerte Schlamm könnte künftig in Prügel getrocknet werden. In der Halle mit einem Platzbedarf von 126 Quadratmetern können laut Ertel zufolge bis zu 5000 Tonnen entwässerter Schlamm pro Jahr getrocknet werden. Die 6000 Kubikmeter Nassschlamm ergeben den Berechnungen des Fachmanns zufolge 1000 Tonnen entwässerten Schlamms.

"Man könnte also die fünffache Menge entsorgen", sagte Ertel, der empfahl, weitere Nachbarkommunen mit ins Boot zu nehmen. Der Wassergehalt nach der Trocknung beträgt laut Ertel zehn Prozent, was einer Gewichtsreduktion von über 90 Prozent entspricht. Nach der Trocknung bleiben 1000 Tonnen Klärschlammpellets übrig, die in einem Müllheizkraftwerk entsorgt werden müssten.

Das rund 550 Grad heiße Abgas und der herrschende Unterdruck in dem Gebäude sorgten dafür, so Ertel, dass es zu keinerlei Geruchsbelästigungen komme. "Die entstehende Abluft wird zusammen mit der Hallenluft über einen Biofilter gereinigt", erklärte der Ingenieur.

Ortstermin nach den Ferien

Nach den Sommerferien wollen die Mitglieder des Gremiums eine Referenzanlage im mittelfränkischen Offenhausen besichtigen, um sich vor Ort ein Bild von einer solchen Anlage zu machen.