Harald Will ist seit der Gründung der Trebgaster Wasserwacht-Ortsgruppe im Jahr 1974 aktiv dabei. Er war als diensthabender Bademeister am Badesee eingeteilt, als an diesem Tag gegen 13 Uhr eine Gruppe von sechs jungen, dunkelhäutigen Flüchtlingen, die in Wirsberg untergekommen sind, am See ankam. Harald Will kannte deren Wirsberger Begleiter und fragte noch, ob denn alle schwimmen können. Bis auf zwei haben sie das bejaht.

Der Bademeister hat ihnen noch geraten, sich doch im Nichtschwimmerbereich am südlichen Ufer des Sees aufzuhalten. Aber sie wählten die östliche, an der Bahnlinie gelegene Seite, hinter der Markierung, die vom Bademeister nicht mehr beaufsichtigt wird.

"Ich konnte sie von meinem Platz am Eingangsbereich aus gut sehen, und vor allem hören. Sie machten im Wasser ein Mordsspektakel in ihrer fremden Sprache", erinnert sich Harald Will noch. Etwa gegen 14 Uhr merkte er, wie einer aus der Gruppe wild mit den Armen wedelte. Er hat sofort registriert: Das war kein Winken, um jemand Hallo zu sagen, stieg in das bereitstehende Motorboot und war sogleich an der Unfallstelle. "Vom Boot aus habe ich ihn untergehen sehen, so dass er den Rettungsring, den ich in seine Richtung warf, nicht mehr zu fassen bekam." Als er an der Stelle ankam, ist er einfach reingesprungen und genau vor dem Gesicht des Ertrinkenden gelandet.

"Da kriegst du erst mal einen Schreck"

"Er war schon zwei Meter unter Wasser. Da kriegst du erst mal einen Schreck. Ich habe ihn gepackt. Aber das war gar nicht so einfach, denn er hat sich in seiner Panik im Wasser ganz erheblich gegen die Rettungsaktion gewehrt. Ich habe einige Schläge abbekommen, einer traf mit voller Wucht meinen Unterkiefer. Den Schmerz spürte ich noch einige Tage. Als wir an der Wasseroberfläche kurz vor dem Ufer waren, war er erst einmal weg. Eine zufällig anwesende Krankenschwester kam mir gleich zu Hilfe und hat sofort eine beruhigende Sicherheit ausgestrahlt. Das war ideal."

Der Rettungswagen brachte den Verunglückten vorsichtshalber ins Krankenhaus, denn der hatte vermutlich viel Wasser geschluckt. "Es war ein ‚saugutes Gefühl‘, als ich gewusst habe, dass er bei Bewusstsein war. Dieses Gefühl, jemandem das Leben gerettet zu haben, das nimmt dir keiner mehr. Eine halbe Minute später, und der Kerl wäre bereits bis auf den Grund des bis vier Meter tiefen Gewässers gesunken. Da wäre es schwieriger geworden und ich hätte ihn vermutlich nicht mehr so schnell gefunden. Der junge Mann hat in dem trüben Wasser ein Riesenglück gehabt, da hat alles zusammengepasst."

Obwohl Harald Will jetzt im Ruhestand ist, steht er der Gemeinde weiterhin für die Badeaufsicht zur Verfügung. "Wir haben ihn für eine privilegierte Position vorgesehen, um die Sicherheit am Badesee zu organisieren und weiteres Aufsichtspersonal zu akquirieren", bestätigt Bürgermeister Herwig Neumann.

In Erinnerung an diese mutige Tat hatte kürzlich Vorsitzende Nadine Kolb zu einer besonderen Ehrung an die Wasserwachthütte der Trebgaster Ortsgruppe am Badesee eingeladen. Für eine außerordentlich schwierige, unter Einsatz des eigenen Lebens durchgeführte Rettung vor dem Tode durch Ertrinken wurde Harald Will die Rettungsmedaille am Bande verliehen.

"Es ist ja enorm, was sich in eurer tollen Freizeiteinrichtung schon abspielt", staunte Landrat Klaus Peter Söllner, der die hohe Ehrung vornahm. "An diesem Julitag 2016 warst du zur richtigen Zeit am richtigen Ort und für eine außergewöhnliche Lebensrettung verantwortlich. Für dich war das selbstverständlich, denn für so einen Unfall kann niemand etwas. Aber wir leben ja in einer Zeit, in der immer erst einmal geschaut wird, ob nicht vielleicht irgendeiner schuld daran sein könnte. An deiner Hilfsbereitschaft, deinem Helfersyndrom können sich viele ein Vorbild nehmen. Die Ehrung hast du redlich verdient."

Ganz nebenbei ist Harald Will auch ein idealer Kandidat für den BR-Bürgerpreis "Stille Helden".