Die bayernweit durchgeführte Naturgartenzertifizierung - organisiert von der Bayerischen Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau Veitshöchheim - findet auch beim Gartenbaukreisverband Kronach großen Anklang.

Für die Zertifizierung stellten sich Kreisfachberaterin Beate Singhartinger sowie Gartenbauingenieurin Melanie Hohner zur Verfügung. Außerdem unterstützt Christine Bender aus Veitshöchheim die Kronacher Bemühungen. Die Aktion steht unter dem Motto "Bayern blüht - Naturgarten". Die Bewertung erfolgt nach bayernweit einheitlichen Kriterien. Nur wessen Garten dieser strengen Prüfung standhält, wird mit Plakette und Urkunde ausgezeichnet und darf seinen Garten als "Zertifizierter Naturgarten" betiteln, so Beate Singhartinger.

Dazu die Bayerische Gartenakademie: Naturnah gestaltete, mit vielfältigen Lebensräumen ausgestattete und ökologisch bewirtschaftete Gärten setzen ein Zeichen gegen die zunehmende Versiegelung und Aufheizung unserer Siedlungsflächen durch Verwendung von Pflaster oder Kies und Schotter in den Vorgärten. Ein naturnaher Garten hingegen leistet mit seiner Vielfalt zugleich einen Beitrag gegen den Rückgang von Bienen, Pflanzen und Tierarten.

Das Interesse am Naturgarten ist im Landkreis Kronach groß. Bereits dreizehn Gärten wurden von den Jurorinnen in den letzten Wochen begutachtet. Acht weitere werden sie bis Ende Juli noch besuchen. Danach soll die Zertifizierungsrunde für dieses Jahr beendet sein.

"Wir sind von der Vielfalt der Gärten begeistert. Jeder Naturgarten ist anders, und jeder hat seinen besonderen Reiz", erläutert Melanie Hohner. "Aber eins haben sie doch gemein: Sie bieten einen Strukturreichtum, durch den heimische Pflanzen, Insekten und Kleintiere Lebensräume und Nahrung finden. Und ihre Besitzer sind der Natur zugetan und versuchen nicht, gegen sie anzukämpfen."

Schmetterlinge schaukeln auf rotem Sonnenhut. Große und kleine Wildbienen brummeln in den Blüten von wildem Majoran, Pfefferminze und Lavendel. Ganz zu schweigen vom Duft, der die Luft erfüllt. Wer so einen Garten hat, gerät leicht ins Schwärmen. Wie beispielsweise bei Christine Zehnter in Neukenroth: "Der Garten entschleunigt mich, erdet mich, im wahrsten Sinne des Wortes", findet die Gartenliebhaberin. "Es freut mich riesig, wenn eine neue Blüte aufgeht, Pflanzen sich selbst vermehren, das Gemüse wächst und auch Eichhörnchen und Igel sich wohl fühlen bei mir." In diesem Sinne äußerte sich auch Ulrike Wagner in Burgstall.

Dazu die Expertinnen des Gartenbaukreisverbandes Kronach: Die Samen- und Pflanzenvermehrung erfolgt in einem Naturgarten meist ohne großes Zutun. Häufig gedeiht, was Samen ansetzen darf, zum Boden und in die Pflanzengesellschaft passt. "Man sollte dem Garten Freiheit lassen. Der Garten entwickelt sich. Passende Pflanzen samen aus und siedeln sich oft auf natürliche Weise an, es blüht und duftet, summt und brummt und die Vögel freuen sich über Futter und Unterschlupf", erklärt Beate Singhartinger.

"Auch eine Vielzahl an Insekten ist in einem Naturgarten zu beobachten und Nützlinge machen sich zum Beispiel über Blattläuse her, wenn man nur lange genug Geduld hat." Ein wildes Naturparadies brauche deshalb weniger Pflege. Ganz ohne pflegende Hände gehe es aber nicht. Bei der Zertifizierung eines Gartens achten die Jurorinnen schon darauf, dass die Vielfalt nicht reine Wildnis ist, sondern dass die sorgsamen Eingriffe des Gärtners erkennbar sind.

Ziel der Zertifizierungen ist es, mit biologisch vielfältigen Gärten ein Zeichen zu setzen und einen Gegentrend zur Monotonie der englischen Rasen oder der leider immer häufiger zu sehenden Schottergärten aufzubauen. Diese böten keine bunte Vielfalt, kaum Lebensräume und seien an Sommertagen die reinsten Glutöfen, so die Expertinnen. Naturgartenbesitzer und Jurorinnen sind sich einig: Naturnah Gärtnern bietet viele Vorteile und sei zudem ein einfach zu realisierender Beitrag zum Klimaschutz.