von unserem Mitarbeiter Manfred Wagner

Haßfurt — 17 Fälle des Diebstahls listete Staatsanwalt Markus Reznik in seiner umfangreichen Anklageschrift auf. Übrig blieben davon nach der Hauptverhandlung, in der zehn (!) Zeugen vernommen wurden, lediglich fünf kleinere Fälle und eine Unterschlagung. Dafür kassierte der heute 23-Jährige eine relativ milde Jugendstrafe von 400 Euro, die er innerhalb der nächsten beiden Monate an den Jugendtreff Ebern bezahlen muss.
Der Zeitsoldat mit sportlicher Figur beschrieb die Jahre 2009 bis 2011 als ein dunkles Kapitel in seinem Leben. "Ich war arbeitslos, da ging alles drunter und drüber bei mir", sagte er zurückblickend und ergänzt wenig später: "Es war mir einfach alles egal."
Er gibt zu, einmal seiner damaligen Freundin 20 oder 30 Euro geklaut zu haben, die anderen Vorwürfe aber weist er zurück. Weil er damals noch nicht volljährig war, ist strafrechtlich das Jugendgericht zuständig.
Obwohl eine ganze Latte von Zeugen aufmarschierte, konnten dem jungen Mann viele Diebstahlsfälle nicht zweifelsfrei nachgewiesen werden.
Der Grund: Wenn er damals etwas mitgehen ließ, stellte er es so schlau an, dass man ihn nie auf frischer Tat ertappte. Auf seine Spur kam man erst, als er zwei Jahre abtauchte, er keine Miete mehr bezahlte und seine Wohnung verwaiste.

Wohnung verwahrlost

Die Wohnung gehörte einer Kommune im Maintal. Sie informierte im September 2013 die Polizei. Als die Beamten anrückten und sich gewaltsam Zutritt zur Wohnung verschafften, bot sich ihnen ein wüstes Bild.

Diebesgut gefunden

Offensichtlich von einem Tag auf den anderen hatte der Mann die Räume verlassen und alles in Dreck und Speck liegenlassen.
Bei der Durchsuchung der Gegenstände in den Zimmern stießen die Ordnungshüter schließlich auf einen Teil des Diebesguts: Sie fanden jede Menge Werkzeug, Geldbörsen, Ausweise, Führerscheine und EC-Karten, sagte die als Zeugin geladene Polizeibeamtin. Bei ihren nachfolgenden Ermittlungen konnte sie die meisten der Geschädigten ausfindig machen.
Das verhängte Strafmaß fiel eher glimpflich aus, weil Jugendrichter Martin Kober die positive Entwicklung berücksichtigte. Immerhin ist der Zeitsoldat seit dreieinhalb Jahren beim Bund und befindet sich dort in einem festen und geordneten Rahmen, meinte der Vorsitzende. Da sich sowohl der Staatsanwalt als auch der Verurteilte mit dem Richterspruch einverstanden zeigten, wurde er sofort rechtskräftig.