"Wir müssen die Werte der Europäischen Union, wie etwa die Einheit, wieder in der Vordergrund rücken", findet der CSU-Bundestagsabgeordnete Hans Michelbach. Helfen soll dabei ei EU-Projekttag, der von der Bundesregierung aus Anlass des 60-jährigen Bestehens der Römischen Verträge initiiert wurde. Die Römischen Verträge gelten als wichtiger Grundstein des geeinten Europas. "Kanzlerin Angela Merkel hat ein Schule in Berlin besucht, der Präsident des Bundestages, Norbert Lammert, war in einer Bildungseinrichtung in Bochum und ich komme ins Alexandrinum, um den Schülern die EU näherzubringen", so Michelbach beim EU-Projekttag im Coburger Gymnasium. Mit offenen Armen wurde er dabei von Schuldirektor Herbert Brunner empfangen. Dieser schätzt an der Aktion vor allem, dass die Schüler zur Ausnahme mal das Wissen nicht vorrangig aus Büchern gewinnen würden, sondern "aus erster Hand".


Intensive Vorbereitung

Mit der Organisation und Vorbereitung auf den EU-Tag war besonders Yvonne Flach betraut, die Fachbetreuerin für Sozialkunde: "Vier bis sechs Wochen haben wir uns intensiv mit dem Thema Europäische Union und ihren Idealen, Zielen und Werten auseinandergesetzt."
Rund 30 Schüler der neunten Klassen kamen dann in den Genuss eines Vortrags von Hans Michelbach. Zunächst stellte er die EU und ihre Institutionen vor. Dabei verwies er auch auf die Gesamtbevölkerung von über 500 Millionen Menschen, die in 28 Ländern innerhalb des Geltungsbereichs der EU leben.


Bereuen die Briten den Brexit?

"Diese Interessenvielfalt unter einen Hut zu bringen, bedarf einer Meisterleistung", so Michelbach. Er ging auch auf aktuelle Problemfelder wie Asyl, innere Sicherheit und Terrorbekämpfung und den Brexit ein. Mit diesen Themen schuf er einen Anreiz für die Schüler, sich an der Diskussion zu beteiligen.
Die 14-jährige Hanna Lange fragte Michelbach, ob die Briten den Brexit im Nachhinein noch bereuen könnten. Der Bundestagsabgeordnete prophezeite im Zuge dessen eine Verlagerung des EU-Finanzplatzes von London nach Frankfurt: "Damit fallen zirka acht Prozent des britischen Nettoeinkommens weg, und das sind keine Cent-Beträge." Die 18-jährige Theresa Kunzelmann, die mitten in den Vorbereitung für ihr Sozialkunde-Kolloquium steckt, interessierte sich hauptsächlich für die Gründe der ausschweifenden Europafeindlichkeit. Michelbach betrachtet hierbei zunächst die Populisten als große Gefahr, die oft Sündenböcke ausmachten und den Wählern unkomplizierte Lösungen anbieten würden. Das sei aber nicht der richtige Weg, oft folge diesem Prozess auch Hetze. Um dem entgegenzuwirken seien politische Aufklärung und Bildung unerlässlich. "Ich bin in die Politik gegangen, weil mich die deutsche Aussöhnung mit dem ehemaligen Erbfeind Frankreich fasziniert hat. Dies war der Grundstein für eine geeintes Europa, welches ein Gut ist, das wir wieder mehr schätzen sollten."