Das Coronavirus hat Deutschland und die Bergmannskapelle im Griff. Die Stockheimer Musikanten, die in diesem Jahr auf ihr 100-jähriges Bestehen zurückblicken können, trifft die Pandemie besonders schlimm: Das im Mai vorgesehene Bundesbezirksmusikfest fiel aus.

Für den 230 Mitglieder zählenden Kulturträger unter der Leitung von Thomas Neubauer ist das ein herber Rückschlag, zumal seit fast zwei Jahren intensiv auf dieses Highlight hingearbeitet worden war. Gerade mit solchen Großveranstaltungen mit annähernd 2000 Musikern haben die Stockheimer eine Menge Erfahrung: 1960, 1970, 1980 und 1995 fanden in der Bergwerksgemeinde Bundesbezirksmusikfeste statt, und zwar stets mit einer beachtlichen Resonanz.

Auch das ifür Mai geplante Jubiläumskonzert konnte nicht stattfinden. Das gilt nun ebenso für den Ausweichtermin Ende November. Ob das Bundesbezirksmusikfest im Jahr 2021 nachgeholt werden kann, steht noch in den Sternen.

Bereicherung

Zumindest findet der kulturelle Einsatz der Bergmannskapelle in den letzten 100 Jahren breite Anerkennung. "Die Musikanten im Bergmannskleid sind eine Bereicherung für die musikalische Szene", so anerkennend die Fachleute.

Und in der Tat: Mit ihrer 100-jährigen Geschichte ist die Bergmannskapelle ein fester Bestandteil des kulturellen Lebens in der Gemeinde Stockheim, im Landkreis Kronach und schließlich im Nordbayerischen Musikbund. Aktuell besteht das Orchester aus 50 Aktiven.

Als ein Meilenstein für die zukünftige Entwicklung erwies sich 1952 das erste Musikfest, an dem 13 Kapellen teilnahmen. Dank des erfolgreichen Verlaufs konnten talentierte junge Kräfte gewonnen werden.

Mit der Wahl von Hans Welscher zum Vorsitzenden hatten die Musiker 1955 einen guten Griff getan. Bis 1972 hatte er dieses Ehrenamt ununterbrochen inne. Die Bemühungen Welschers, das Leistungsniveau zu heben und eine einheitliche Kleidung anzuschaffen, waren von Erfolg gekrönt. Diese Bestrebungen wurden sowohl von dem damaligen Direktor des Bergwerks, Rudolf Strak, als auch von der Gemeinde Stockheim unterstützt, so dass die Kapelle 1956 mit dem Bergmannsrock eingekleidet wurde und seither als Bergmannskapelle das kulturelle Leben bereichert - insbesondere bei Konzerten, kirchlichen Anlässen und Festzügen.

Nachwuchsarbeit im Fokus

"Wer die Jugend hat, hat die Zukunft!" Nach diesem Motto haben die Verantwortlichen stets gehandelt. Und von der intensiven Nachwuchsarbeit nach 1961 profitiert der Verein auch heute noch.

Damals bahnte sich eine musikalische Erfolgsgeschichte an, die europaweit für Schlagzeilen sorgte. Obermusikmeister a. D. Alfons Pohl aus Weißenbrunn - er übernahm 1958 die musikalische Leitung - eilte mit der Kapelle von Erfolg zu Erfolg. Dank der Initiative des Vorsitzenden Hans Welscher verlief die Nachwuchswerbung so erfolgreich, dass schon 1961 die Erste Europäische Bergmannsjugendkapelle ins Leben gerufen werden konnte. 1963 war es dann soweit, dass auch die Jugend mit dem schmucken Bergmannskleid ausgestattet wurde.

Die sich später ergebende Verbindung zu Oskar Braun aus Amberg führte aus Anlass des ersten Deutschen Knappentags zum 14-tägigen Besuch in Westfalen. 1965 unternahmen die Jungmusiker eine Reise nach Frankreich und Luxemburg. Konzerte im Deutsch-Französischen Garten in Saarbrücken, vom Saarländischen Rundfunk direkt übertragen; auf dem Platz der Armee in Luxemburg, in der deutschen Botschaft in Paris, vom französischen Fernsehen übertragen, und auf der Rückreise im Kurpark von Bad Kreuznach waren für den Nachwuchs Stationen des Erfolgs. Zu den Sternstunden zählte außerdem der Fernsehauftritt 1965 in Berlin mit dem Entertainer Peter Frankenfeld.

Vor allem Hans Welscher, Horst Zimmermann und Jürgen Zoller und nun aktuell Thomas Neubauer bemühten sich darum, die Erfolgsgeschichte mit großer Einsatzfreude fortzusetzen.

Eine Liebe, die lange hält

Nachdem der Nachwuchs von einst immer noch teilweise vertreten ist, kann die Kapelle auf die Jugend von heute genauso zählen. Schließlich sind die bisher angebotenen 46 Weihnachtskonzerte ein beredtes Beispiel für Kontinuität. Es bleibt noch zu hoffen, dass sich die kulturelle Szene nach der Pandemie im allgemeinen wieder erholt und zu alter Stärke zurückfindet.