Sabine christofzik

Bamberg — Bamberg wird das "fränkische Rom" genannt, hat ein "Klein Venedig" vorzuweisen. Ein "Canale Grande" durchfließt die Stadt und auf ihrer kleineren Wasserstraße ist hin und wieder eine echte venezianische Gondel unterwegs. Der Hauch Italien ist jederzeit präsent und willkommen.
Ob Spanien ein einfacherer Gegner im Viertelfinal-Spiel der Europameisterschaft gewesen wäre? Wer einen Sieg der deutschen Nationalmannschaft gegen Italien (in einem großen Turnier) datieren will, kann lange suchen. Deshalb ist auch so manchem Bamberger Fußball-Anhänger mulmig bei dem Gedanken an die Erfolgsserie der Squadra Azzurra. Italien? Ja bitte. Nur nicht heute.
Fans der "Blauen" freilich sehen das ganz anders. Auf ein Elfmeterschießen tippt Aldo Luperti. "Nach der regulären Spielzeit wird es 1:1 stehen. Auch die Verlängerung bringt keine Entscheidung. Italien gewinnt 5:4."


Angstgegner besiegt

Der in Hallstadt lebende Italiener ist voller Optimismus. "Viele Jahre war unser Angstgegner Spanien nicht zu bezwingen. Jetzt haben wir es geschafft." Allerdings, so räumt er ein, könnte dieses Kunststück möglicherweise auch den Deutschen gelingen, die bei Meisterschaften noch nie den Platz als Sieger verlassen haben, wenn der Gegner Italien hieß. "Die Stärke Italiens ist Trainer Antonio Conte. Er hat die Mannschaft geformt. Wir haben keine großen Stars, aber ein echtes Team."
Zusammen mit Aldo Luperti an einem Tisch vor dem Lebensmittelmarkt "Culinaria" sitzt Pino Trevisari aus Bamberg. Er legt sich sehr genau fest, was den Spielausgang angeht:  "Innerhalb der ersten zehn Minuten gibt es einen Elfmeter für Italien. Dann fällt das 2:0. Deutschland gelingt der Anschlusstreffer zum 2:1. Den schießt Mario Gomez."
Mit Buffon habe Italien einen Weltfußballer im Tor und mit Chiellini einen überragenden Abwehrspieler. Pino Trevisari will das Spiel "a casa" (zu Hause) mit Freunden verfolgen.


Deutschland gewinnt!

Ebenfalls 2:1, allerdings für Deutschland, ist der Tipp von Ina Höllein vom "Vespino" - Vespa, Vino, Osteria in Bamberg: "Eigentlich müssten Sie meinen Vater fragen, einen leidenschaftlichen Italien-Fan, denn ich kenne mich mit Fußball nicht so gut aus. Allerdings ist er gerade in Urlaub." Da braucht man nicht drei Mal raten, wo. "Ja, in Italien ist er. Wir fahren da sehr oft hin. Mindestens sechs Mal im Jahr. In ein Dorf in der Nähe von Verona." Die Tochter hat ebenso ihr Herz an das Land verloren, wie der Papa.
Ob Ina Höllein das Spiel heute anschauen kann, hängt davon ab "wieviel los ist, bei uns. Ich bin als Springer vorgesehen." Wenn sie nicht arbeiten muss, geht sie zu Freunden fernsehen oder vielleicht auch auf den Maxplatz.
Von Public Viewing hält Christian "Ciccio" Di Dio gar nichts. Er bäckt gerade Holzofen-Pizza vor seinem italienischen Lebensmittelmarkt und gibt zwischen Teig-Formen und -Belegen kurz seine Prognose ab, die da lautet: "Italien gewinnt!". "Eine starke Abwehr und ein starker Torhüter haben die Mannschaft in diesem Turnier so weit gebracht. Und es gibt diesmal nicht die übliche defensive Taktik. Kein Catenaccio." Er drückt beiden Teams die Daumen. Zu Hause vor dem Fernseher.