Die Grenz- und Friedenskapelle Burggrub stand am Samstag ganz im Zeichen der Wiedervereinigung beider deutscher Staaten vor 30 Jahren. Die ökumenische Dankandacht unter Beteiligung zahlreicher Bürger aus Stockheim und Neuhaus-Schierschnitz hatte den Frieden, die Menschlichkeit und die Hoffnung zum Inhalt.

"Selig sind die, die Frieden stiften", so die eindringliche Botschaft. Und die Grenz- und Friedenskapelle war der rechte Ort dafür, denn seit 1992 steht dieses sakrale Bauwerk - das unter großen ehrenamtlichen Opfern entstanden ist - für Dankbarkeit und Versöhnung. Schließlich sei die Wiedervereinigung am 3. Oktober 1990 ohne Blutvergießen realisiert worden, so die Argumentation der Organisatoren.

In einem feierlichen Rahmen fand an der Kapelle eine ergreifende ökumenische Dankandacht mit Pfarrer Michael Foltin sowie Diözesanrat Sebastian Rauer statt. Unter Mitwirkung des Ökumeneteams mit Angelika Rosenbauer-Chukwu, Sibylle Horn und Oliver Kraus wurde ehrend des erst vor einigen Tagen verstorbenen langjährigen Kapellenbauvorsitzenden Willi Bischoff gedacht, der 26 Jahre beispielhaft Verantwortung getragen hat.

Dank an mutige Menschen

Präsenz zeigten außerdem die thüringische Landtagsabgeordnete Beate Meißner sowie die Bürgermeister Rainer Detsch (Stockheim) und Andreas Meusel (Neuhaus-Schierschnitz). Die musikalische Umrahmung erfolgte durch den Posaunenchor Burggrub unter der Leitung von Herbert Hempfling. Eingeleitet wurde der Gottesdienst mit der Begrüßung durch die Vorsitzende des Kapellenbauvereins Burggrub, Angelika Rosenbauer-Chukwu, die sich über den sehr guten Besuch lobend äußerte. Vor allem dankte sie den Menschen, die vor mehr als 30 Jahren den Mut hatten, für Frieden und Freiheit einzustehen. Keine Grenze trenne mehr die Menschen in Ost und West, betonte die Vorsitzende.

Pfarrer Michael Foltin erinnerte an die beachtlichen Fortschritte in den neuen Bundesländern. In diesem Zusammenhang erwähnte er die enormen Verbesserungen in der thüringischen Nachbargemeinde Neuhaus-Schierschnitz. Der Geistliche nahm die mittlerweile drei Jahrzehnte währende Wiedervereinigung zum Anlass, an die eigene erlebte persönliche Lebensgeschichte in diesen 30 Jahren zu erinnern. Das sei der Weg von der Geburt bis zur abgeschlossenen Berufsausbildung; für viele auch mit Familien- und Existenzgründung.

Diese 30 Jahre bilden für die weiteren Lebensjahrzehnte die tragfähigen Grundlagen. Pfarrer Foltin: "Dank-voll und nicht Dank-los sollen wir mit Gottvertrauen durch unser gemeinschaftliches Leben gehen." Aus diesem Blickwinkel heraus müsse man auch an das großartige Geschenk der Wiedervereinigung denken.

Frieden als Aufgabe für alle

Stockheims Bürgermeister Detsch, der im Namen der Gemeinden Föritztal und Stockheim auf die Wiedervereinigung einging und diese als einen Glücksfall bezeichnete, würdigte den Bau der Grenz- und Friedenskapelle, mit der ein sichtbares Zeichen für die Friedenssehnsucht gesetzt worden sei. Detsch: "Wir stehen hier und feiern diesen Gottesdienst an der grünen Grenze, wir Thüringer und Franken, in Frieden und Freiheit, in Freundschaft und Eintracht - in der Mitte Europas. Heute versammeln wir uns an diesem gesegneten Ort - einem Ort der Erinnerung an eine dunkle Zeit." Deshalb sei die Erhaltung des Friedens eine große Aufgabe für alle.

Vor allem dürfe man nicht aufhören darauf zu hoffen, dass diese Welt eine noch bessere werden könnte. "Gehen wir mit gutem Beispiel voran, denn nur wer Frieden schließt mit seiner eigenen kleinen Welt, darf vom Frieden in der großen Welt träumen", so Stockheims Bürgermeister Detsch.