Wohl niemand ist so schonungslos ehrlich wie ein Kind, nicht wahr? Aus "die Neue" ist mittlerweile "Kristin" geworden. Aus "Kannst du mir bitte was vorlesen?" ist "Kristin, komm lesen" geworden. Mit einem Augenzwinkern bemerkt auch die neue Leiterin des Kindergartens St. Bernhard Klosterlangheim selbst, dass sie "angekommen ist". Zwar wurde sie von den 60 Kindern des Kindergartens, deren Eltern und den Mitarbeiterinnen sehr gut aufgenommen, doch in diesem Jahr war und ist eben einiges anders: Die Erzieherinnen tragen den ganzen Tag über eine Maske, jedes Kind bleibt in seiner Gruppe und "ständig dieses Corona".

Deshalb ist es einer der wichtigsten Ansprüche von Kristin Köberich, dass die Mädchen und Jungen so viel Normalität wie möglich im Kindergarten erleben: durch strukturierte Tagesabläufe, kleinere Feierlichkeiten zu Festtagen und vor allem Sicherheit und Verlässlichkeit.

Persönliche Kontakten pflegen

Der Kontakt zu den Eltern war und ist dagegen derzeit noch eingeschränkt: Durch die verkürzte Bring- und Abholsituation bleibt wenig Gelegenheit zum Austausch, ausführliche Gespräche im Kindergarten sollen derzeit aus Infektionsschutzgründen vermieden werden. "Das ist nicht leicht", bekennt Kristin Köberich. "Denn ich lege einen sehr großen Wert auf das Pflegen von persönlichen Kontakten, ob spontan oder mit Termin, und habe viel lieber ein Gesicht von meinem Gegenüber vor Augen."

Ebenso eine Herausforderung, pünktlich zu ihrem Start am 1. Oktober dieses Jahres, bildet die Umsetzung der vielen Sicherheits- und Hygienepläne des Bayerischen Landesamtes für Gesundheit. Wöchentlich neu oder manchmal gar täglich gelte es den Spagat zwischen den Gesetzen sowie den Bedürfnissen der Kinder, Mitarbeiterinnen und Eltern zu finden. Das ist eines der wenigen Dinge, die weder Fachwissen noch Erfahrung ausbalancieren können. Dafür vielleicht Intuition und eigene Maximen: "Denn wenn ein Kind hinfällt und getröstet werden muss, dann nehmen ich oder alle meine Mitarbeiterinnen es auf den Schoß."

Dabei schien der Weg der Zapfendorferin zunächst ganz anders zu verlaufen: Nach dem Schulabschluss und ihrer Berufsausbildung hat Kristin Köberich zwar drei Jahre lang als Arzthelferin in verschiedenen Praxen der Region gearbeitet, doch ihr war klar: "Das ist noch nicht die Endstation."

Berufswunsch "Sozialpädagogin"

Ein Steckbrief aus der siebten Klasse, den sie vor ein paar Jahren wieder herausgeholt habe, ließ sie umdenken. Denn dort gab sie als Berufswunsch "Sozialpädagogin" an. Von Familie und Freunden bestärkt, absolvierte sie ein Bachelor-Studium der Sozialen Arbeit an der Hochschule für angewandte Wissenschaften Coburg mit dem Abschluss "Staatlich anerkannte Sozialpädagogin", gefolgt vom ebensolchen Masterstudium an der Hochschule für angewandte Wissenschaften Würzburg-Schweinfurt - getreu der Prämisse: "Ich will mehr!"

Denn dort ging es ins Detail: "Es wurde viel Wert auf Praxis gelegt. Wir haben zum Beispiel die Reaktionen von verschiedenen Altersgruppen auf den Roboter Paro - eine kuschlige Sattelrobbe, die auf Berührungen von Menschen sowie Geräusche reagieren konnte, erforscht." Diese Robbe wird oftmals zu therapeutischen Zwecken eingesetzt und ist an der tiergestützten Therapie angelehnt. In Einrichtungen wie etwa Altenheimen, wo keine Tiere erlaubt sind, wird dieser Roboter schon öfter eingesetzt. Aber auch weiterführende Themen wie Personalmanagement, Führungsstile oder das Sprechen vor größeren Menschengruppen wurden behandelt.

"Mehr Verantwortung tragen"

Denn mittlerweile hatte sich für Kristin Köberich herauskristallisiert: "Ich möchte später mehr Verantwortung tragen."

Verschiedene Praktika, vor allem das sechsmonatige in der Jugendpflege in Sonnefeld, ließen sie einen Arbeitsschwerpunkt mit Kindern im Vorschul- oder Grundschulalter präferieren. Doch auch Seminare zur Arbeit mit Menschen mit Behinderung hat sie besucht oder Computerkurse für Senioren abgehalten.

Heute kann sie getrost sagen: Sie hat mit vielen Menschen unterschiedlichen Alters und unterschiedlicher Hintergründe zusammengearbeitet.

Mit einer Zwischenstation am Beruflichen Fortbildungszentrum Schweinfurt, bei der sie als pädagogische Fachkraft unter anderem berufsorientierte Projekte für Mittelschüler in Ebern betreut hatte, gelangte sie schließlich als Kindergartenleiterin nach Klosterlangheim. Diese Stelle setzte ausdrücklich eine sozialpädagogische Ausbildung voraus. Eine Entwicklung, wie sie mittlerweile in vielen Bildungseinrichtungen der Region angekommen ist.

Doch ein Zufall war die gefundene Stelle, die aufgrund eines nicht verlängerten Arbeitsvertrages ihrer Vorgängerin frei wurde, nicht: Die 32-Jährige war mittlerweile bewusst auf die Suche nach Arbeitsfeldern im Elementarbereich gegangen. "Ich habe das Gefühl, man dringt bei kleineren Kindern schneller zu ihnen durch. Sie zeigen ihre Gefühle noch ganz offen und sind zum Beispiel nicht gehemmt, mal zu weinen."

Empathie ist ihr wichtig

Als Leiterin schätzt sie heute die Abwechslung: Kein Tag gleiche dem anderen. Sie betreut die Kinder in den Gruppen und erfährt, was sie brauchen. Meist am Nachmittag erledige sie die komplexeren Verwaltungsarbeiten des Kindergartens - in Ruhe. Denn am Vormittag lässt es sich nicht immer vermeiden, dass ein wichtiger Anruf genau dann kommt, wenn sie mitten "im Trubel" ist: "Man ist immer überall."

Längst hat sie ein Stück weit "Multitasking" gelernt, aber auch Flexibilität, Kommunikation und Empathie sind wichtige Eigenschaften, die sie mitbringen muss. Empathie für Kinder, Mitarbeiterinnen und Eltern, um so gut wie möglich allen gerecht zu werden. Denn das ist ihr Anspruch.

Als weitere Wünsche formuliert sie simpel und doch gewichtig: "Gesund bleiben - die Kinder, Mitarbeiter, Eltern und meine Familie." Weiter braucht sie derzeit nichts, denn sie betont selbst: "Ich bin hier angekommen. Mein Studium und die Zeit danach waren so durchgetaktet und schnelllebig, dass ich es genieße, im Hier und Jetzt zu leben, und jeden Tag neu gestalten kann."

Als Team wachsen

Nur Ziele für den Kindergarten zu konkretisieren tut sie sich schwer - wie wohl Millionen andere Menschen weltweit gerade: "Die Kinder sollen sich wohlfühlen, und wir Mitarbeiterinnen wollen als Team wachsen. Das ist erst mal das Wichtigste!"

Nach Feierabend geht Kristin Köberich erst einmal mit ihrer Labradorhündin ausgiebig spazieren, um den Kopf freizubekommen. Danach "wartet" manchmal ihre kleine Nichte auf sie, die im selben Haus wohnt. Ihre regelmäßigen Zumba-Einheiten dagegen finden zurzeit nicht statt.