Seit nun über einem Jahr steht das Leben bei vielen Familien wegen der Coronakrise Kopf. Und auch die Caritas-Erziehungs-, Jugend- und Familienberatungsstelle hat immer wieder das Beratungsangebot angepasst. Im Frühjahr sollte die Mädchengruppe „Girls only“, eine mädchenspezifische Präventionsmaßnahme, die die jungen Mädchen in ihrer Entwicklung unterstützen und anregen möchte, stattfinden.

Die Gruppe, die in der Regel in den Räumlichkeiten der Beratungsstelle stattfindet, soll den Mädchen einen sicheren Raum ermöglichen, in dem sie gemeinsam mit anderen Mädchen kreative Stunden erleben, ihre eigenen Stärken herausfinden oder sich mit eigenen Normen und Werten sowie altersbedingten Konflikten und Krisen auseinandersetzen können.

Was nun, wenn die Inzidenz die 200er-Marke geknackt hat und der Gruppenraum den Mindestabstand für fünf Mädchen plus zwei Mitarbeiterinnen nicht hergibt? Eine Mädchengruppe am Computer ? Geht das?

Hilfe vom Kreisjugendamt

Eine Antwort auf diese Frage bekam das Team der Caritas durch die Zusammenarbeit mit dem Kreisjugendring Erlangen-Höchstadt, von dem nicht nur finanzielle Unterstützung bei der Planung eines mädchenspezifischen Angebotes kam. Aufgrund ihrer guten Erfahrungen einer Online-Jugendfreizeit in den Herbstferien 2020 wurde das Caritas-Team ermutigt, auch Präventionsangebote für Jugendliche online durchzuführen. Von den Mitarbeiterinnen erhielt die Caritas neben vielen guten Ideen auch reichlich Motivation für die Einarbeitung in die technischen Voraussetzungen.

Das Pilotprojekt begann an einem kalten, grauen Freitagnachmittag mit fünf Mädchen zwischen elf und 13 Jahren aus dem Landkreis Erlangen-Höchstadt mit einer Schnitzeljagd durch den Dohnwald in Herzogenaurach. Am Ende bekam jedes Mädchen ein Paket mit vielen kleinen Päckchen, die zum jeweiligen Online-Meeting ausgepackt werden sollten. Hier fanden die Mädchen die benötigten Materialien für die Aktionen und Verpflegung für die Gesprächsrunden, in denen sich die Mädchen untereinander austauschen konnten.

Anschließend verbrachten alle fünf Freitagnachmittage vor dem Computer , stets in der Hoffnung, alle Mädchen wiederzusehen, eine stabile Internetverbindung zu haben und technisches Chaos wie ausgefallene Mikrofone beheben zu können.

Eine Einstiegshilfe in jede Runde boten die Gefühlsmonster, die dabei halfen, den jeweiligen Emotionen Ausdruck zu verleihen, den anderen zu verdeutlichen, wie es jeder Teilnehmerin geht und um Themen für die Gesprächsrunden zu sammeln. Unter anderem mischte das Team gemeinsam Naturkosmetik, hinterfragte Schönheitsideale und gestalteten eine „Stärken-Schatzkiste“, um Dinge, Ressourcen, Fähigkeiten oder hilfreiche Konfliktlösungs- und Emotionsregulationsstrategien aufzubewahren. Die Mädchen brachten ihre Online-Expertise mit ein und so lernten die jeweils anderen etwas über gemeinsame Onlinespiele und Kreativangebote. In jedem Päckchen fanden die Mädchen eine Packung Smarties, um Rückmeldungen, Wünsche und Kritik mit Farben zu verdeutlichen. Am schnellsten gingen die grünen Smarties für Lob aus: „Ich fand es cool, obwohl es online war“, „Es hat viel Spaß gemacht. Ich wäre gern wieder dabei“, „Ich war schon mal live dabei und ich finde beides superschön und würde es immer wieder machen“ und „Schade, dass es schon vorbei ist“ waren nur einige der vielen positiven Rückmeldungen, die das Caritas-Team erhalten hat

Die nächste Mädchengruppe ist im November und Dezember 2021. red