Wolfgang Desombre

Kleiner Vogel in großer Not. Bei einer beispiellosen Aktion konnte ein junger Schwan gerettet werden, der allein in einem Wasserauffangbecken an der Ausfahrt Ebersdorf der Autobahn 73 herum schwamm.
An der Ausfahrt hatte vor Wochen ein Schwanenpärchen nahe dem Rückhaltebecken sein Nest gebaut. Beobachter fürchteten um die Sicherheit der kleinen Schwäne. Das Schwanenpaar, das am Regenrückhaltebecken brütete, hatte dann die ersten Jungen bekommen. Einmischen musste sich der Mensch zunächst nicht, so die Meldung aus dem Landratsamt. Vier Jungtiere waren am Leben.


Besorgter Tierfreund

Nun aber verständigte ein besorgter Anwohner den Tierschutzverein Coburg und schilderte, dass von den vier jungen Schwänen nur noch einer am Leben sei. Das Elternpaar sei auch nicht mehr zu sehen. Ob die Eltern mit drei Jungtieren weitergezogen sind oder die Jungtiere vielleicht nicht überlebt haben, ist unbekannt. Ebenso, warum die Eltern nicht zurück gekommen sind.
Dass beide Elterntiere Opfer des Straßenverkehrs geworden sind, ist ebenso unwahrscheinlich. Jedenfalls war es offensichtlich, dass nur noch ein einsames graues Schwanenjunges, auf der Wasserfläche herum schwamm. Beobachter machten sich Sorgen. Dann lief das Netzwerk des Tierschutzvereins an. Ohne Boot konnte der junge Schwan nicht gerettet werden. Uli Baudler, Kassier des Vereins ist ein erfahrener Kajakfahrer und hatte sein Boot auf einem Anhänger zu diesem Rückhaltebecken gebracht. Mit dabei war auch Tierarzt Joachim Lessing.


Rettung von Land und zu Wasser

Das etwa drei Wochen alte Jungtier paddelte auf dem kleinen See herum und von den Eltern war weit und breit keine Spur. Den beiden Tierschützern gelang es per Boot, das sichtlich geschwächte Tier einzufangen. Vermutlich hat es sich in den letzten Tagen von Insekten, Larven und Wasserpflanzen ernährt. Das feinstrukturierte Gefieder sei jedoch nicht wasserabweisend sondern sauge sich bei Regen voll.


Gemeinsam mit Enten

Gesellschaft hatte der kleine Schwan von einer Entenfamilie, die mit einer ganzen Schar von Jungen dort ihre Kreise zogen und immer wieder auf Tauchgang gingen. Diese Enten, so Joachim Lessing, seien dort nicht gefährdet.
Aber was passiert nun mit einem kleinen "Waisen". Tierarzt Joachim Lessing ist bei aufgefundenen oder verletzten Wildtieren der Fachmann der Region. In den nächsten zwei Monaten hat er bei ihm ein neues Zuhause gefunden und wird mit Aufzuchtfutter für Tiergeflügel hochgepäppelt.
Tagsüber darf er durch den Garten von Lessings Auffangstation streifen, abends muss der junge Schwan jedoch in den Stall. "Die Gefahr, dass ihn ein Marder in der Nacht tötet, ist sehr groß", sagte Lessing. Wenn der junge Schwan in einigen Wochen sein Altersgefieder bekommen hat, bedeutet das für ihn, dass er wieder in die Freiheit entlassen wird. Vielleicht findet er eine Partnerin oder einen Partner und ein besseres Revier als das Rückhaltebecken an der A73 für die Nachwuchsplanung.