von unserem Mitarbeiter Manfred Wagner

Haßfurt — Die zwei Insassen des Audi A4 hatten ausgesprochenes Pech. Es war kurz vor 17 Uhr und ihr Wagen war der letzte, den die Polizisten auf dem Parkplatz kontrollierten. Ausgerechnet hier wurden die Uniformierten fündig: Unter dem Beifahrersitz lag in einer Brötchentüte eine Tafel, die wie Schokolade aussah - tatsächlich aber handelte es sich um eine Haschischplatte mit 95 Gramm. Die Autoinsassen wurden nun vom Schöffengericht des Amtsgerichts Haßfurt zu Bewährungsstrafen verurteilt. Der Fahrer des Autos (33 Jahre) wegen Beihilfe zum Rauschgifthandel zu sieben Monaten, der Beifahrer (36 Jahre) als Haupttäter zu einem Jahr.

Geschäft kam nicht zustande

Es war der 16. März 2013, als sich die beiden in Bad Hersfeld lebenden Männer am frühen Vormittag auf den Weg nach Nürnberg machten. Mit dabei, so Staatsanwalt Ralf Hofmann, führten die beiden ein Päckchen mit Rauschgift. In der Frankenmetropole, heißt es in der Anklageschrift, wollten die beiden die Droge gewinnbringend verkaufen. Aus unbekannten Gründen sei das Geschäft aber nicht zustande gekommen. Auf der Rückfahrt fand dann die Verkehrskontrolle statt.
Für den 36-Jährigen, der auf dem Beifahrersitz saß, erklärte Rechtsanwalt Hans Hauschild, dass er keine Angaben zur Sache machen werde. Dazu ist er nach deutschem Recht auch nicht verpflichtet. Der Jüngere dagegen ließ seinen Verteidiger Artak Gaspar eine Erklärung verlesen. Demnach habe er das Päckchen von einem Bekannten erhalten, dessen Namen er nicht sagen wolle. Er sollte es lediglich als Kurier in Nürnberg an eine andere Person übergeben und er habe dafür 150 Euro erhalten. Weitere Nachfragen beantwortete auch er nicht.
Im Zuge der Beweisaufnahme wurden ein Polizeibeamter sowie ein Kriminalkommissar in den Zeugenstand gerufen. Der Polizist war an der Kontrolle beteiligt gewesen. Wie er schilderte, hat der Beifahrer sehr nervös reagiert. Dadurch wurden die erfahrenen Kontrolleure misstrauisch und filzten das Wageninnere. Außer der Haschplatte fanden sie noch etwa 1800 Euro auf der Mittelkonsole des Autos.
Weiterbearbeitet wurde der Fall dann von einem Kripo-Beamten aus Schweinfurt. Auf Nachfrage von Strafrichterin Ilona Conver plauderte dieser aus dem Nähkästchen und erzählte, dass man das Navi und die Handys der Beschuldigten untersucht habe.
Die in den Tagen zuvor telefonisch kontaktierten Partner konnten polizeilich nicht ermittelt werden, weil es sich um sogenannte Mickey-Mouse-Handys handelt, wie es im Fachjargon heißt. Damit sind Mobiltelefone gemeint, die unter Fantasienamen und nicht existenten Adressen gemeldet sind. Bei der Verlesung des Bundeszentralregisters erfuhr man, dass der Ältere bereits viermal wegen Verstoßes gegen das Betäubungsmittelgesetz vorbestraft war. Der Jüngere hatte ebenfalls Justizerfahrung, allerdings wegen anderer Delikte. Beide saßen schon im Knast. Auch deshalb forderte Staatsanwalt Ralf Hofmann für den mutmaßlichen Haupttäter ein Jahr und zwei Monate ohne, für den Begleiter acht Monate mit Bewährung.

Die "Drecksack-Theorie"

Der Anwalt des Audi-Fahrers hielt hingegen eine Bewährungsstrafe von sechs Monaten für ausreichend, Verteidiger Hans Hauschild forderte für seinen Mandanten, den mehrfach einschlägig Vorbestraften, sogar einen Freispruch. Er sprach in diesem Zusammenhang von der berühmten "Drecksack-Theorie". Damit ist gemeint, dass jemand, der in der Vergangenheit ähnlichen Mist gebaut hat, bei einer neuen Verhandlung schnell als Wiederholungstäter eingestuft wird. Frei nach dem Motto: einmal Gauner, immer Gauner.
Das Schöffengericht entschied sich nach langer Beratung dafür, aufgrund von positiven Sozialprognosen beiden eine erneute Bewährungschance zu geben. Zusätzlich muss der Haupttäter 1000 Euro an die Lebenshilfe Haßfurt zahlen und der Kurierfahrer 60 Sozialstunden ableisten. Die Urteile des Gerichts sind noch nicht rechtskräftig.