JOsef Hofbauer

Nach wenigen Takten des Weihnachtsliedes "Jetzt fangen wir zu singen an", das Harfinistin Lilo Kraus beim Weihnachtskonzert im Gasthaus Sponsel anstimmte, gesellte sich die "Bluesharfe" von Chris Schmitt dazu, das Spiel wurde rhythmus-betonter, kreativer. Das Duo begeisterte die Zuhörer nicht nur mit einfühlsam gespielten Weisen, auch am Thema Engel kamen die Zuhörer nicht vorbei. "Besonders dann nicht, wenn man blond ist und dieses aerarische Himmelsinstrument spielt", räumte die Harfenistin ein.
So abwechslungsreich wie die Texte zum Thema Engel, die vom dadaistischen Engelsgedicht des Nürnbergers Manfred Dillinger bis zu Joachim Ringelnatz, Hans Magnus Enzensberger, Franz Ringseis und Karl Valentin reichten, war auch die Musikauswahl. Ob "Black Orpheus", die Titelmelodie des gleichnamigen mystischen Filmes aus dem Jahr 1959, ob südamerikanische Klänge, ob Kompositionen des Ritters Oswald von Wolkenstein ("der hat Gedichte g'macht und Leut' umbracht") oder das Konzert in B-Dur von Georg Friedrich Händel, stets ordnete sich die Mundharmonika der Harfe unter, schmiegte sich an die Klänge des Saiteninstrumentes, das auch vor Johann Sebastian Bach nicht haltmachte.
Zu der einfühlsamen Art, wie Chris Schmitt Bachs "Präludium in C-Dur" begleitete, passt das Zitat von Jakob Wassermann, der Musik als "himmlische Mathematik zur Auflösung irdischer Verwirrungen" bezeichnete.


Blumenwalzer und Landler

Blues-betont und virtuos interpretierte das Duo den Blumenwalzer aus dem Nussknackerballett von Tschaikowski oder "Grennsleeves" von Eleanor Blanket mit Bauernharfe und Mundharmonika. Eine Mischung aus südamerikanisch und bayrisch stellte der "Che-Guevara-Landler" der legendären Biermösl-Blosn dar. Zwischen "La Guambina", einer Komposition des Harfenisten Alfredo Rolando Ortiz und dem Volkslied "Es werd scho glei dumpa", das von Strophe zu Strophe jazziger wurde und das Chris Schmitt fantasievoll begleitete, philosophierte Lilo Kraus über den zum Engel gewordenen fülligen Bäckermeister Maier, der gottlob unsichtbar bleibt.


Landler und Blues

Der Nanei-Landler des österreichischen Volksmusikanten Tobi Reiser, das "Interlude" aus einer Reihe von Weihnachtsliedern der tschechischen Sängerin, Harfenistin und Komponistin Sophia Dussek, das ursprünglich unter dem Namen ihres Ehemannes Jan Ladislaw Dussek veröffentlicht wurde, und eine Sonate der gleichen Komponistin komplettierten das abwechslungsreiche Programm.


Englischer Gruß

Chris Schmitt verlieh dem Abend einen blues-mäßigen Ausklang mit dem "Nürnberg-Hersbruck-Train", einer Komposition, die er immer wieder neu zu interpretieren vermag. Lilo Kraus gelang mit einem Spruch des Bamberger Mundart-Autors Gerhard Krischker mit dessen "Englischen Gruß" der Brückenschlag zurück zu Weihnachten: "A Fußabdrugg aufm Fluchzeichflüchl. Edsa glaabi wergli, dass Engl gibbd."