Klaus Schmitt

Wer am Samstag am Zeiler Hafen unterwegs war, der sah - zunächst einmal - viele Baumstämme. Aber hinter dem Holz, das entlang der Kaimauer für den Weitertransport auf dem Fluss aufgestapelt ist, lagen mehrere Passagierschiffe im Mainwasser. Ein großer Kreuzfahrer brachte Touristen an Land, die sich am Nachmittag die Stadt anschauten. Am Abend stoppte ein Partyschiff und "entließ" mit lauter Musik im Rücken vornehmlich junge Leute in die Stadt. Und den ganzen Tag über hatte die "Mainfranken" festgemacht. Sie fuhr abends kurz vor 20 Uhr in Richtung Eltmann mit rund 200 Gästen an Bord.
Das Schiff steuerte der Unternehmer Ralf Wiertelorz aus Schweinfurt. Im gehört die "Mainfranken", und mit der Tour am Samstagabend startete der 53-Jährige ein touristisches Angebot, das er gerne in Zeil etablieren möchte. Er will Touren von Zeil nach Limbach anbieten. Acht Mal im Jahr hat er zunächst einmal solche Touren in seinem Programm vorgesehen. Ähnliche Fahrten auf dem Main unternimmt er bereits von Haßfurt aus. Zeil-Limbach ist neu. Ralf Wiertelorz ist zuversichtlich: "Ich denke, das wird gut."
Ralf Wiertelorz ist mit seiner "Mainfranken" auf dem Fluss zwischen Kitzingen und Bamberg unterwegs. Zeil hat er früher schon angefahren, zum Beispiel bei Touren für Firmen, die einen Ausflug für ihre Belegschaft machen. "Wir sind öfter mal da", schildert Wiertelorz. Warum Zeil? Die Stadt hat neben Haßfurt den einzigen Hafen zwischen Schweinfurt und Bamberg. Und der zweite Grund ist der Göller. Das Gasthaus in der Zeiler Altstadt "bringt 150 Leute unter", erzählt Ralf Wiertelorz - auf einmal, und das können nicht so viele Wirtshäuser am Fluss.
Es gibt weitere Gründe, die den Schweinfurter Unternehmer ermutigen, das neue Angebot Zeil-Limbach anzugehen. Die Stadt Eltmann will eine Anlegestelle bauen. Ralf Wiertelorz geht davon aus, dass sie ab 2018 genutzt werden kann. Die Anlegestelle für Schiffe von der Größenordnung der "Mainfranken" soll auf der Eltmanner Stadtseite entstehen. Eltmann plant auch eine Anlegestelle für die großen Kreuzfahrer; die ist aber auf der anderen Seite (nördlich) des Mains geplant. Dort können Busse, die die Schiffstouristen in benachbarte Städte bringen, besser verkehren.
Bei den Fahrten nach Limbach, die Wiertelorz am Samstag startete, konnte die "Mainfranken" noch nicht im Eltmanner Stadtteil anlegen. Der Kapitän musste mit seinem Schiff einfach auf dem Fluss wieder drehen und nach Zeil zurückfahren. Dennoch kam sein Angebot offenbar an: 200 Gäste hatten im Vorfeld Karten gekauft und waren bei musikalischer Unterhaltung am Samstagabend auf dem Schiff. Für die folgenden Fahrten am Sonntag und Montag erwartete Ralf Wiertelorz weitere 300 Gäste.
Der 53-Jährige verfolgt mit seinem Vorstoß nach Zeil einen weiteren Gedanken. 2018 feiert Zeil das 1000. Stadtjubiläum. Da wäre, meint Ralf Wiertelorz, ein "Main in Flammen" doch ein interessanter Programmpunkt. Seit Jahren gibt es "Rhein in Flammen". Da fahren Schiffe rheinabwärts nach Koblenz an einer Vielzahl von Feuerwerken am Flussufer entlang, und in Koblenz gibt es ein riesiges Abschlussfeuerwerk. Geht das auch auf dem Main?


Eine Überlegung wert

Zeils Erster Bürgermeister Thomas Stadelmann (SPD) findet den Gedanken überlegenswert. "Warum nicht?", meint er. Gespräch laufen nach seiner Darstellung bereits. "Wir wollen schauen, was sich machen lässt", sagte er auf Anfrage.
Eine Frage bei allen Veranstaltungen am Main und auf dem Hafengelände ist laut Stadelmann: Was ist machbar, auch in finanzieller Hinsicht? Aufpassen müsse die Stadt außerdem, dass es keine Kollisionen gibt - in der Form etwa, dass sich Erntetransporte und Feierlichkeiten gegenseitig behindern.