Das Coronavirus hat die Menschheit derzeit voll im Griff. Die Gesellschaft befindet sich in Schockstarre. Glücklich ist, wer in einem eigenen Garten die Natur genießen kann. Schließlich bieten auch Parkanlagen Rückzugsgebiete in schwierigen Zeiten. Zu diesen grünen Oasen zählt ebenso der Schmölzer Kräuterlehrgarten mit seiner großen Vielfalt an beschilderten Pflanzen und Blumen. Ein kleiner Rückzugsort und Lebensraum gleichermaßen für Mensch und Natur.

Große Verdienste um den Fortbestand und um die Weiterentwicklung hat sich der Zweite Vorsitzende des Obst- und Gartenbauvereins Schmölz, Walter Näher, erworben. Seit immerhin 25 Jahren hat sich der Schmölzer unermüdlich um die "Apotheke Gottes" gekümmert. Seit einigen Monaten fungiert Näher außerdem als Jugendbeauftragter im Gartenbaukreisverband Kronach.

Etwa 200 Kräuter

Die tausend Quadratmeter große Anlage neben dem evangelisch-lutherischen Pfarrhaus ist in der Tat eine grüne Oase, in der man seine Seele baumeln lassen kann. Im Frühjahr verwandelt sich der Kräuterlehrgarten in ein Paradies für alle Sinne. Seite an Seite duften hier an die 200 Kräuter um die Wette - eine Vielfalt, die ihresgleichen sucht.

Aus dem in seiner historischen Form noch erhaltenen alten Pfarrgarten von 1856 entwickelten die Mitglieder des örtlichen Obst- und Gartenbauvereins den heutigen Kräuterlehrgarten. 1988 übernahmen die Schmölzer Gartenfreunde unter der Leitung von Ewald Zöllner die Pflege des kleinen Paradieses am Dorfrand und eröffneten 1994 den Kräuterlehrgarten. Bepflanzung und Ausschilderung nahmen vor allem Klaus Marr und Siegfried Martin vor.

Idyllisch umrahmt von alten Bäumen und den umliegenden Obstwiesen gibt es seither eine große Vielfalt von Heil- und Gewürzkräutern in den Beeten, um das historische Wegekreuz zu sehen. Darüber hinaus werden Bauerngartenstauden, Färbe-, Bienen- und Schmetterlingspflanzen, alte und neue Gemüse- und Fruchtarten kultiviert.

Über 200 beschilderte Pflanzenarten weisen auf die jeweiligen Verwendungsmöglichkeiten und weitere Besonderheiten wie Herkunft, Giftigkeit oder die Bedeutung im Volks- und Aberglauben hin. Die Beete der Kindergruppe "Schmölzer Wühlmäuse" gehören ebenso zum Kräuterlehrgarten wie die Kletterrosen an der Pergola.

Der älteste Gartenbauverein des Landkreises Kronach - die Gründung erfolgte 1881 - betreut das gartendenkmalpflegerische Kleinod. Schließlich ist es ein einzigartiges Zeugnis der Gartenkultur. Im Jahr 2013 oblag den Schmölzern die Ausrichtung des 3. oberfränkischen Kräutertags. Dafür gab es von den Gästen viel Anerkennung.

Viel Lob für viel Arbeit

So manches dicke Kompliment durften Vorsitzende Gisela Schorn und Zweiter Vorsitzender Walter Näher in den vergangenen Jahren entgegennehmen, denn viel Sorgfalt, Pflege und somit Arbeit stecken hinter dem, was diese Oase zu bieten hat. Und in der Tat: Dieser Garten dient als Inspiration für das richtige Kraut gegen alle möglichen Wehwehchen, als Gewürz für den richtigen Geschmack bei einem guten Essen und zum Erfreuen der Sinne, wenn den Besuchern der Duft von Lavendel, Thymian und Bohnenkraut entgegenschlägt.

Dieses Fleckchen Erde, umrahmt von mächtigen Linden und Eichen, strahlt Ruhe und Faszination aus. Besonders für stressgeplagte Menschen ist das "grüne Paradies" ein idealer Rückzugsort. "Dies ist vor allem ein denkmalpflegerisches Kleinod, wo man die unglaubliche Vielfalt der Schöpfung begreifen und erleben kann", sagt der Kreisvorsitzende des Gartenbaukreisverbands Kronach Fritz Pohl anerkennend. "Wir zeigen Energiepflanzen wie die durchwachsene Silphe, die auch für Bienen wertvoll ist, genauso wie alte Dorf- und Ackerunkräuter und traditionelle Heilpflanzen", erklärt Walter Näher begeistert.

Anhand zahlreicher Tafeln werden die unterschiedlichsten Pflanzen erläutert. Dazu zählen essbare Wildkräuter vom Bärlauch bis zur Brennnessel. Mittlerweile ist Traditionelles wieder modern geworden, denn die Schätze der Natur erleben eine Renaissance. So wie die Gänsemalve, eine altbekannte Notnahrung und Heilpflanze am Wegesrand und die Kamille an ungespritzten Feldrändern.

Der historische Pfarrgarten hat es verdient, jedes Jahr erneut aufblühen zu dürfen und Freude und Dankbarkeit hervorzubringen. Eine wesentliche Rolle spielen dabei die vielen fleißigen Hände im Garten selber, aber auch die Pflege und die Erhaltung des ganzen umliegenden, wohl einmaligen Ensembles von Gärten, Pfarr- und Gemeindehaus.