Sie hat eher ein gewöhnliches Erscheinungsbild, die Briefmarke, die am 4. Oktober 1935 herausgegeben wurde. "Brautjungfer, Oberfranken, Effeltrich" lautet die offizielle Bezeichnung dieser Marke, die teuerste aus dem Satz, bestehend aus zehn Marken. 75 Pfennig kostete sie, 40 Pfennig für den Portowert und 35 Pfennig für die Nothilfe. "Die Nothilfe war wohl ein NS-gesteuertes Notprogramm", meint Reinhard Küchler, Geschäftsführer vom Bund Deutscher Philatelisten.

Das Außergewöhnliche bei allen Marken sind die Geschichten dahinter. "Eine Briefmarke bedeutet viele Informationen auf kleinstem Raum", sagt Küchler. Hinter der Brautjungfer aus Effeltrich stehen zwei Geschichten: Die Zeit der NS-Propaganda und die der Fränkischen Tracht, die es so eigentlich nicht gab. Wenn heute auch Effeltrich als Trachtenort gilt, so führt der Ursprung der Tracht nach Hausen. Das wiederum gehörte zu Mittelfranken und war preußisch.

Schon 1900 schrieb der Effeltricher Kurat in der Zeitschrift Bayernland, dass er die Tracht vom Hausener Pfarrer Marquardt übernommen hat. "Die Hausener Tracht war Vorbild für die Effeltricher Tracht", sagt Gerhard Batz, Heimatforscher aus Hausen. Wobei es "die" Tracht nicht gab. "Bis Mitte des 19. Jahrhunderts hat es keine Tracht gegeben", sagt Batz. In seinem Buch "Tracht ist Volksglaube" arbeitete er die Entstehungsgeschichte der Tracht auf, was ihn zunächst ins Jahr 1842 zum bayerischen König Ludwig I. führte. Zur Hochzeit seines Sohnes Max wollte er eine Tracht haben und führte in Bayern eine Umfrage durch.

Aus ganz Franken gingen zwei Meldungen ein: "Aus Hummelgau und aus Hausen", sagt Batz. Diese Umfrage wiederholte Kronprinz Max II. 1852, um die Tracht salonfähig zu machen. Wieder gingen aus Franken nur zwei Meldungen ein: aus Hummelgau und aus Hausen. "Die Tracht war politisch gefördert", sagt Batz. Auch Lehrer und Kirchenvertreter wurden motiviert, die Tracht zu unterstützten.

Dabei war die Tracht zur damaligen Zeit nichts anderes als die Kleidung, die in einem bestimmten Gebiet getragen wurde. Warum aber hatte die Regierung Interesse an der Tracht? Das lag wohl am Fortschritt der Zeit, an der Industrie. Mit den neuen Stoffen veränderte sich auch die Bekleidung. "Die Regierung sah die Gefahr der Auflösung des Ständischen", erklärt Batz. Beim Bauern sollte angesetzt werden, um die Stände zu erhalten.

Die Tracht ist somit das, was der Bauer getragen hat, und wurde umworben. Die Tracht sei des Kaisers und Gottes Wille, war deshalb überall zu hören. In dem Trachtenerlass von 1853 beschrieb Max II., wie er sich die Tracht vorstellte. Von da an begannen die Menschen, sich mehr um die Tracht zu kümmern. "Es gab weder eine Tracht der Fränkischen Schweiz, noch eine Forchheimer oder aus dem Umland", erklärt Batz. "Die Tracht, die sich hier entwickelt hat, kam aus Nürnberg, aus dem Knoblauchsland", sagt Batz. Die Reichstadt Nürnberg hatte die Hand über Hausen, das an der Grenze zu Erlangen liegt und zum Landgericht nach Herzogenaurach gehörte. Aufgefallen ist die Hausener Tracht wohl durch den Einfluss der Hugenotten in Erlangen.

"Die Hugenotten brachten die französische Mode mit", erklärt Batz. Welche Bekleidung aus Erlangen kam, konnte nachgewiesen werden. So auch die Knöpfe, die an den Westen der Hausener Tracht sind. 1890 hatte sich die Tracht dann verfestigt. Prinzregent Luitpold lud anlässlich seines 70. Geburtstags ebenfalls Trachtenträger nach München ein. Aus dem jetzigen Forchheimer Landkreis fuhren vier Personen aus Hausen und je zwei aus Effeltrich und Hetzles vor. Die Trachtengruppen wurden in der Zeitschrift Bayernland abgebildet. Eine umfangreiche Beschreibung erhielt nur das Paar aus Effeltrich. Mit Tracht wurde dann Effeltrich assoziiert. 1900 bekannte der Effeltricher Kurat, dass er die Tracht aus Hausen als Vorbild für die Effeltricher genommen hatte. "Die Tracht wurde zum intellektuellen Thema", beschreibt Batz.

Und die Tracht wurde weiter beworben, denn nicht nur der König, auch Adolf Hitler wollte eine einheitliche Kleidung, eine Tracht für das deutsche Volk. Die Briefmarke mit dem Konterfei der Brautjungfer aus 1935 zeigt das deutlich. "Man erkennt, wie die Briefmarken zu propagandistischen Zwecken benutzt wurden", sagt Küchler. Das Volkstümliche war Ende der 30er Thema. Dazu gehörte die Volkstracht, um eine Nationaltracht zu schaffen. Nur in Hausen wurde die Tracht gerade zu jener Zeit nicht gepflegt. Denn das Thema Tracht wurde vom Bürgermeister vorangetrieben.

Die Nazis aber setzten den Hausener Bürgermeister ab und einen aus Heroldsbach an dessen Platz. "Er hatte wenig Gespür für die Hausener Tracht", sagt Batz. Ein Jahr vor den Briefmarken zum Thema Tracht war ein Werbefilm der Bahn gedreht worden. Die Bahn zeigte Deutschlands schöne Plätze, auch die Fränkische Schweiz und hier Effeltrich. Hatte der Effeltricher Heimatforscher Eduard Rühl, bereits verstorbener Ehrenbürger Effeltrichs, damit zu tun? Er jedenfalls war Mitglied in der Partei und brachte die Effeltricher Tracht nach vorne. Die Tracht zur NS-Zeit wird Thema des dritten Bands von Gerhard Batz. Doch ist die Tracht auf der Briefmarke nun eine Effeltricher Tracht oder die Hausener? "Der Hintergrund der Trachtenfrau ist die Kirchenburg und das ist eindeutig Effeltrich", sagt Batz. Ob es sich um die Effeltricher Tracht oder die Hausener handelt, ist eigentlich zweitrangig. Fest steht, dass die Hausener Tracht das Vorbild der Effeltricher Tracht war und übertragen die erste Tracht im Landkreis war.