Da saß man nun, gebannt und gut zugedeckt vor einem über 90 Jahre alten Kinofilm. Und das in einem katholischen Gotteshaus. Falls einer der 25 Besucher am Freitag in den Holzbankreihen sitzend und den typischen Geruch katholischer Kirchen wahrnehmend einen Widerspruch zwischen Ort und Geschehen empfunden haben sollte, so wurde ihm der von Pastoralreferent Josef Ellner geglättet.
Kino und Kirche seien schließlich beides "Orte der Andacht", so der Mann. Die von ihm und der Kurseelsorge vertretene Idee, Filmkunst an bzw. in der Adelgundiskapelle zu zeigen, hat ihre Anhängerschaft.
Kurz vor 20 Uhr war der Staffelberg ein Ort, den man verließ oder gar nicht erst betrat. Eine aus nordwestlicher Richtung kommende Regenwand, selbst schon gigantisches Naturschauspiel, steuerte direkt auf ihn zu und entlud sich über ihm. Aus den Fenstern der Klause schien gemütliches Licht, hinter ihren Fensterscheiben waren Menschen erkennbar, die gar nicht daran dachten, vor die Tür zu treten.
"Wer jetzt kommt, ist wirklich Cineast", kommentierte Josef Ellner in den dunklen Himmel sehend. Rund zehn Personen saßen schon im Gotteshaus, Fritz Langs Jahrhundertwerk "Metropolis" erwartend. Doch gerade jetzt, als der Regen noch lange nicht aussetzte, strömten tatsächlich noch Besucher herbei, schüttelten sich, packten Decken aus, nahmen Platz und kuschelten sich aneinander. Gekuschelt haben auch Irina und Wolfgang Röder aus Bamberg. Auch bei Regen hierher zu kommen, das war es dem Ehepaar wert. "Das ist wirklich eine ausgefallene Location", lobte es den Aufführungsort. Vor drei Wochen, so Wolfgang Röder, habe man den Staffelberg schon mal besucht und sei auf den Flyer zum "Metropolis"-Abend gestoßen. "Und dann haben wir auf ihm noch gesehen, dass der Veranstalter ein alter Freund von uns ist", ergänzt seine Frau. Nun also sei man hier, so Wolfgang Röder, und begehe den "fränkischen Triathlon - wandern, brotzeiten und Film gucken".


Kultstatus

"Zum sechsten oder siebenten Mal", so Josef Ellner, gebe es das Angebot Kino auf dem Staffelberg schon. Diesmal "Metropolis" und "2001 - Odyssee im Weltraum", zwei Kultfilme, die er unter dem Arbeitstitel "Bilder von morgen" in die engere Auswahl zog. "Am Staffelberg ist das einfach eine Wetterkiste, und wenn Leute das mit einem Spaziergang verbinden können, ist die Kiste schon mal voll", erklärt der Pastoralreferent bewusst salopp.
"Zweieinhalb Stunden Schwarz-Weiß in kalter Kirche", so der Mann weiter, sei auch nicht jedermanns Sache. Denen, die zu "Metropolis" finden wollten, zündete er vor dem Hauptportal Fackeln an und zeigte sich ausgesprochen gut vorbereitet. In einer kleinen Einleitung zu Bedeutung und Wirkung des berühmten Films, der bis in MTV-Video-Clips hinein Vorbild für Filmschaffende war, erzählte Ellner vom einstigen Produktionsaufwand und davon, was dieses UNESCO-Weltdokumenterbe einmalig mache.
Spätestens jetzt musste jedem Besucher aufgehen, dass da ein Pastoralreferent mit Leidenschaft für Filmkunst vor ihm stand. "Ich bin mehr im Kino als in der Kirche", witzelte Ellner dann auch und zog Parallelen zwischen Kirche und Kino. Dort wie hier "geht ein Licht auf und man bekommt vom Leben erzählt", dort wie hier entstehe Andacht. Den Besuchern sollte die Andacht für die Geschichte im Film und die Geschichte des Films selbst, der passagenweise verlorenging und über eine 2008 in Buenos Aires gefundene Filmkopie glücklich restauriert werden konnte, erhalten bleiben. Draußen regnete und windete es. Doch was war das schon zum Erlebnis im Inneren der Kapelle, als die Stadt Metropolis überflutet wurde.