von unserem Redaktionsmitglied 
christian Bauriedel

Höchstadt — Dünnes Blech, weiß und schwarz beschichtet, 52 Zentimeter lang, elf hoch. Mehr ist an einem Autokennzeichen eigentlich nicht dran, möchte man meinen. Weit gefehlt. Zumindest für jene, die gestern am frühen Morgen zur Zulassungsstelle des Landratsamtes in Höchstadt gekommen sind, ist das Kennzeichen mit den drei Buchstaben HÖS ein wichtiges Symbol der Heimatverbundenheit.
"Zum Glück haben wir jetzt auch wieder unser eigenes Kennzeichen", sagt Jochen Tohol. Mit einem beherzten Daumendruck klipst er das Schild in die Halterung an seinem Auto. Als das Amt um 7.30 Uhr öffnete, war er der erste, der sein Kennzeichen umgemeldet hat.

Landrat Irlinger wollte nicht

Der 27-Jährige ist maßgeblich dafür verantwortlich, dass es überhaupt wieder das HÖS-Schild gibt. Nachdem die Bundesregierung die Altkennzeichen zugelassen hatte, sammelte er im letzten Jahr Unterschriften für das HÖS-Schild. 1392 Menschen hatten sich eingetragen.
"Ich will keine Kreisreform vom Zaun brechen. Mir geht es um Gleichberechtigung", sagt Tohol. ERH habe ihn nicht gestört, vielmehr, dass in anderen Landkreisen das Altkennzeichen möglich war. "Bei uns wurde gemauert", sagt Tohol. Der ehemalige Landrat Eberhard Irlinger (SPD) hatte sich stets gegen die Wiedereinführung gestellt.
"Das große Interesse ist ein Zeichen dafür, dass die Entscheidung richtig war, HÖS einzuführen", sagt Landrat Alexander Tritthart (CSU). Die große Nachfrage zeige, dass die Leute einen Bezug zu ihrer Region haben. Dass man daraus ein Anzeichen für einen gespaltenen Kreis von Eckental bis Pretzdorf ablesen könnte, sehe er nicht. 700 Reservierungen für ein HÖS-Kennzeichen sind beim Landratsamt eingegangen. Gestern sind 34 Personen gekommen, um sich umzumelden. Einer von ihnen ist Wilfried Engelhardt, der Montagmorgen in die Zulassungsstelle gekommen ist. Seine neuen Kennzeichen hat er unter den Arm geklemmt. "Ich finde es nostalgisch. Es erinnert mich ein bisschen an den Altlandkreis", sagt der 60-Jährige, der damals an seinem Käfer noch das alte HÖS-Schild hatte. Nach der Gebietsreform von 1972 war dann Schluss.
Zwar hat der damalige Stadt- und Kreisrat Franz Gehr für das HÖS-Zeichen gekämpft, seine Aufkleber "HÖS muss bleiben - HÖS darf nicht sterben" dürften noch vielen in Erinnerung sein. Rausgekommen ist dann aber nur ein ER plus H. "Mein Vater wäre sicher glücklich", sagt seine Tochter Irene Häusler, Dritte Bürgermeisterin (JL). Sie habe schon ein neues Kennzeichen reserviert. Auch wenn sie erst ein neues Auto zugelassen habe, die Kosten nehme sie in Kauf. Eine Umstellung der Autos im Stadteigentum, etwa der Fahrzeuge des Bauhofs, sehe sie kritisch. Öffentliches Geld solle lieber für Sinnvolleres ausgegeben werden.

Ein "Ö" nach EU-Norm

"Bei uns war schon ein bisschen was los", sagt Elke Amtmann. Sie betreibt in Höchstadt einen Schilderladen. Schon im November habe sie ein neues "Ö" für die Kennzeichenstanze bestellt. Auf den EU-Kennzeichen ist das "Ö" etwas gestaucht, fast wie bei Russisch-Brot-Plätzchen. Das alte "Ö" war runder.
Die Heimatliebe hat ihren Preis. Zur Gebühr (siehe Infokasten) kommen Kosten für zwei neue Schilder. Bei Amtmann kostet das 28 Euro. Für Werner Vogel, Busunternehmer aus Höchstadt, steht fest, dass seine Flotte nach und nach auf das neue Kennzeichen wechseln wird. "Natürlich fahren wir auch in Erlangen. Aber wir sind in Höchstadt und dann gehört das HÖS einfach drauf." Seinen Oldtimer-Bus will Vogel nächste Woche ummelden. "Es ist ein kleines Aushängeschild für die Region, aus der ich komme", sagt Johannes Denzler. Auch der 23-Jährige ist früh aufs Amt.
Allerdings ist dort nicht jeder ein HÖS-Anhänger. "So ein Quatsch. Ich brauch's nicht", sagt eine Frau, die aus der Zulassungsstelle kommt und zu ihrem Auto läuft. Sie wohne in Adelsdorf, weshalb sie nicht mit HÖS umherfahren wolle. Unter dem Arm trägt sie ihre ERH-Kennzeichen. Für manche Autofahrer im Landkreis bleibt also trotz des HÖS-Patriotismus alles beim alten.