Marion Krüger-Hundrup Noch in diesem Jahr werden in der gotischen St. Elisabeth-Kirche im Sandgebiet drei weitere Glasfenster des Künstlers Markus Lüpertz eingebaut. Sie sollen im Frühjahr 2021 enthüllt werden. Diese künstlerisch wie inhaltlich herausragenden Objekte reihen sich ein in das acht raumhohe Fenster umfassende Programm: Nach den theologischen Vorgaben der Gemeinde werden Szenen aus dem Leben der Heiligen Elisabeth in Verbindung mit den im Matthäusevangelium erwähnten Sieben Barmherzigkeiten dargestellt: Hungernde speisen, Fremde beherbergen, Almosen geben, Nackte bekleiden, Kranke pflegen, Gefangene besuchen, Tote bestatten.

Im September und Dezember 2019 konnten die ersten beiden farbintensiven Glasfenster von den Schirmherren des Projektes, Erzbischof Ludwig Schick und Oberbürgermeister Andreas Starke (SPD), enthüllt werden: Almosen geben sowie "Was ihr einen meiner geringsten Geschwister getan habt, das habt ihr mir getan" (Mt 25,40).

Von 46 000 bis 71 000 Euro

Vertreter der "Initiative Glasfenster Markus Lüpertz" - Pfarrer Hans Lyer, Christoph Gatz, Johanne Scharnick - sowie Kirchenpfleger Andreas Steck gaben bekannt, dass dank Großspenden gleich drei Fenster bei der Firma Derix in Taunusstein in Auftrag gegeben werden konnten: Kranke besuchen, Hungrige speisen, Nackte bekleiden. Unter Berücksichtigung der Fördermittel der Oberfrankenstiftung und der Welterbestiftung der Stadt belaufen sich die Kosten für die Herstellung und das Künstlerhonorar je nach Größe der Fenster auf circa 46 000 bis 71 000 Euro.

"Zwei der neuen Fenster sind komplett bezahlt", erklärte Christoph Gatz. Die großzügigen Spender - Vater und Sohn sowie ein Ehepaar - wollen anonym bleiben. Das dritte Fenster sei zu zwei Dritteln finanziert, für die Restmittel hätten Privatleute ein Darlehen aufgenommen, das durch weitere Spenden wieder abgelöst werden solle. "Es fehlen etwa 25 000 Euro", bilanzierte Kirchenpfleger Steck. Gleichwohl freue er sich, dass die Großspenden "im größten Corona-Chaos kamen". Das zeige eine "Rückbesinnung auf bleibende Werte". Auch Gatz macht ein anhaltendes Interesse an diesem Lüpertz-Projekt aus, das die große Meisterschaft des bildenden Künstlers und sein tiefes Einfühlungsvermögen in theologische Belange beweise.

Mögliche Spender angeschrieben

Um das fehlende Geld einzuholen und Perspektiven für die noch ausstehenden drei verbleibenden Glasfenster zu eröffnen, haben die Schirmherren jetzt bisherige Einzelspender, mögliche neue Spender und Sponsoren angeschrieben. "OB Starke und Erzbischof Schick haben 400 Briefe jeweils handschriftlich unterzeichnet", erzählt Gatz. Diese Briefe hätten nicht nur um offene Portemonnaies gebeten, sondern seien obendrein besonders frankiert gewesen: Für die Briefmarkenserie "Plusbrief individuell" der Deutschen Post habe Lüpertz einen Kopf der Heiligen Elisabeth gestaltet. Mit ihrem daran stilisierten "Rosenwunder" soll also die wundersame Vermehrung der notwendigen Euros für das Projekt gelingen.

Pfarrer Hans Lyer schreibt der in den Fenstern liegende Aufforderung zu sozialem Handeln aus christlicher Überzeugung eine besondere Bedeutung zu - "gerade in dieser Corona-Zeit". Für den Priester und Gefängnisseelsorger ist die künstlerische Aussage der Glasfenster "eine Art von Glaubensverkündigung mit einem besonderen Stellenwert": "Gott hält keinen Abstand, sondern sucht die Nähe zu den Menschen."

Die Initiative sucht eine Lösung, wie die Kirche für Besucher außerhalb der Gottesdienstzeiten offen gehalten werden kann. Inzwischen seien die bisher installierten Fenster auch Bestandteil von Stadtführungen.