"Zivilcourage - vernetzt! Das ist nicht ein Projekt, sondern steht für eine Vielfalt an nahezu alljährlich stattfindenden Aktionen an der Wallburg-Realschule Eltmann. Ich bin als Lehrerin immer wieder begeistert und fasziniert, wie sich unsere Schülerinnen und Schüler nun schon über mehrere Schülergenerationen so leicht motivieren lassen, sich sozial engagieren, sprichwörtlich über sich hinauswachsen und sich zu ganz tollen, empathischen jungen Erwachsenen entwickeln." Mit diesen Worten äußerte sich Lehrerin Corinna Hartwich-Beck zum dritten Platz beim Zivilcourage-Preis 2020 für die Wallburg-Realschule Eltmann.

Sie unterrichtet an der Realschule mit ihren 558 Schülern in 23 Klassen und 44 Lehrkräften die Fächer Deutsch und evangelische Religion und wirkt als Verbindungslehrerin und Leiterin des sozialen Arbeitskreises. Wie kommt sie dazu, das Thema Zivilcourage so in den Mittelpunkt ihrer Arbeit zu stellen und was bewirkt der Erfolg dieser besonderen Preisverleihung?

Frage: Sie haben im Gegensatz zu anderen Gruppen nicht ein Projekt in den Vordergrund gerückt, sondern ein ganzes Netz von Aktivitäten an Ihrer Schule. Gibt es dafür auch ein Leitziel für Sie?

Corinna Hartwich-Beck: Gewisse Dinge wie Werte lassen sich nur durch wiederholte Auseinandersetzung mit diesen und dauerhaftes Vorleben manifestieren. Ich möchte die Jugendlichen fit für ihr späteres Leben machen gemäß dem Motto: Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr! Unsere Gesellschaft braucht weltoffene, hilfsbereite und engagierte junge Leute. In der Schule haben wir die Gelegenheit, die Heranwachsenden mit sozialem Engagement zu konfrontieren und sie anschließend selbstgestaltend tätig werden zu lassen.

Was heißt für Sie persönlich Zivilcourage?

Zivilcourage heißt für mich, Mut und Bereitschaft zu haben, sich für andere, aber auch gegen Ungerechtigkeit und Mobbing einzusetzen. Dies ist nicht nur gesellschaftlich wichtig, sondern auch für die eigene Persönlichkeitsbildung. Deswegen lebe ich diese Beherztheit unseren Schülern an der Wallburg-Realschule vor, indem ich ihnen Begegnungen und Situationen ermögliche, wo sie unmittelbar mit grundlegenden Werten wie Hilfsbereitschaft, Toleranz, Gerechtigkeit, Respekt und Empathie in Berührung kommen, entsprechend dem Leitspruch der Musketiere: "einer für alle - alle für einen". Worum geht es in Ihrem Projekt?

Die von mir betreuten Schülergruppen wie Schülermitverwaltung, der soziale Arbeitskreis, das Courage- oder das Werteteam kooperieren mit anderen Einrichtungen wie der "Tafel", den Werkstätten der Lebenshilfe oder einer örtlichen Pflegeeinrichtung. Wir bieten auch Workshops, um sich mit Rassismus, Homophobie, Cybermobbing und anderen Themen auseinanderzusetzen und als Schulfamilie gemeinsame Werte zu leben.

Sicher ist es nicht einfach, die Schüler mit dem Thema "Umgang mit Vorbehalten" zu konfrontieren und dabei vertrauensvoll über Tabuthemen zu sprechen. Wie gelingt Ihnen dies?

Zusätzlich zu unseren innerschulischen Projekten und Workshops organisiere ich in Absprache mit unseren Courage-Coachs auch externe Referenten. Exemplarisch möchte ich hier nur die Kolping-Roadshow aus Köln nennen, die Spiel- und Mitmachaktionen sowie Methoden zur Aneignung von Hintergrundwissen über Flucht, Migration und Integration anbietet. Wir hatten auch schon die schwul-lesbische Jugendgruppe "DejaWü" aus Würzburg zu Gast zum Thema Homosexualität, welches in der Schule oftmals ein Tabuthema darstellt. Schließlich bereicherte "Klick & Kill" von "Bühnengold" aus Berlin unseren Wertetag 2019 und stellte Cybermobbing und negative Erfahrungen im Umgang mit sozialen Netzwerken in den Mittelpunkt.

Wie man in den Medien stets mitbekommt, interagieren Schülergruppen wie die Schülermitverwaltung oder der soziale Arbeitskreis mit Einrichtungen vor Ort. Wie muss man sich das vorstellen?

An Weihnachten und Ostern organisieren die Schüler dabei Spendenaktionen für die "Tafel". In unserer Schulküche führen wir Kochprojekte mit der Lebenshilfe durch. Fast monatlich planen wir auch eine Veranstaltung mit den Senioren von Sankt Stephanus und dabei gehen sogar die Jungens völlig locker mit älteren Damen spazieren und halten charmant mit ihnen ein Pläuschchen oder es wird bei Kaffee und Kuchen gerätselt und gebastelt. Was fasziniert oder überrascht Sie bei dieser außergewöhnlichen Arbeit mit den Schülern besonders?

Dass sich Schüler auch außerhalb des Unterrichts sozial engagieren. Da wachsen sogar sonst schüchterne oder introvertierte Schüler über sich hinaus, indem sie souverän Fünftklässler zu Rollenspielen motivieren oder junge Erwachsene der Lebenshilfe in der Schulküche beim Pizzabacken oder Obstsalatzubereiten unterstützen. Es macht mich dann so richtig stolz zu beobachten, wie sie sich zu ganz tollen, empathischen jungen Erwachsenen entwickeln. Manche ergreifen später sogar einen Beruf im sozialen Bereich.

Wie empfinden Sie persönlich die Auszeichnung mit diesem besonderen Preis, der ja auch für die Schule selbst spricht?

Ich freue mich natürlich riesig, aber allein kann man solche berührenden und wichtigen Aktionen nicht stemmen. Deswegen auch ein riesengroßes Dankeschön allen Schülern, die sich leidenschaftlich und mit großer Ausdauer in den verschiedenen Gruppen auf vielfältige Art und Weise einbringen.

Mein Dank gilt ebenso unserer Schulleiterin Manuela Küfner für ihre Offenheit gegenüber solchen Projektideen. Großartig haben mich dabei auch meine Kolleginnen Maria Brasch (SMV und Courage-Team), Kirsten Christiansen (Produktion des Videos) und mein Kollege Werner Steger (sozialer Arbeitskreis) unterstützt.

Das Gespräch führte unser

Mitarbeiter Günther Geiling.