WErner Höchstetter

Litzendorf —  Coronabedingt musste das traditionelle Gansessen des Gemeinderats zu Weihnachten dieses Jahr ausfallen. Stattdessen soll das eingesparte Geld in ein Projekt der besonderen Art gesteckt werden, eine Schule in Afrika, deren Kosten sich insgesamt auf 50 000 Euro beliefen. Federführend, so Bürgermeister Wolfgang Möhrlein, ist eine Stiftung namens "Fly and Help", die von Entwicklungsminister Gerd Müller unterstützt wird.

Die Summe ist jedenfalls ein sehr überschaubarer Betrag angesichts der diversen Großprojekte, die die Gemeinde in den nächsten Jahren stemmen muss, als da wären: die Neubaugebiete "Tanzwiesen" und "Aufseesianische Wiesen", die Ertüchtigung des Kerwageländes, die Revitalisierung der ehemaligen Brauerei Winkler und der Neubau der Doppelsporthalle, für die allein aufgrund gestiegener Preise 500 000 Euro mehr aufgewendet werden müssen, insgesamt also 5,5 Millionen Euro.

Ein wahrer Kraftakt für eine "reine Wohngemeinde mit wenig Gewerbesteuereinnahmen" (Möhrlein), was auch dem politischen Gegner Respekt abnötigte: So lobten die Fraktionsvorsitzenden unisono Rathausspitze und -verwaltung: "Gute Zusammenarbeit" (Herbert Schütz, CSU); "Ganz großes Kino, toller Job" (Wolfgang Heyder, SPD); "trotz großer Herausforderungen die Nerven nicht verloren" (Beuer-Dworazik, CWV) und "Dankbarkeit in Deutschland zu leben" (Anja Fleischmann, Grüne).

Möhrlein wies darauf hin, dass das abgelaufene Jahr trotz der Einschränkungen als "Erfolgsgeschichte" verbucht werden könne. In den letzten Jahren seien die Gewerbesteuereinnahmen deutlich gestiegen. Finanzielle Engpässe seien erst ab 2022/23 zu erwarten. Man könne mit Stolz zurückblicken auf Projekte, von denen schon seit Jahrzehnten geschwärmt wird und die jetzt in die Gänge kommen, etwa die Doppelsporthalle oder das Kärwagebiet "Tanzwiesen". Trotz vieler neuer Gemeinderäte gebe es keine Zersplitterung und man könne sich trotz gelegentlich unterschiedlicher Ansichten "in die Augen schauen".

Ziel: neue Gästegruppen

Was wird mehr, wenn man es teilt? "Glück" wäre eine Antwort. Eine andere: die Kosten, die sich drei Gemeinden für ein gemeinsames Projekt teilen und dabei im Gegenzug einen Mehrwert erhalten. Zum Beispiel in Form von steigenden Gästezahlen im Rahmen des Gütesiegels "Fränkische Toskana", mit dem die Partnergemeinden Memmelsdorf, Litzendorf und Strullendorf ihre Kassen in Sachen Tourismus aufbessern wollen.

Zumindest bis Corona kam, also bis März, liefen die Geschäfte gut, vor allem die Online-Buchungen nahmen zu. Trotz des Lockdowns hielten sich die Einbrüche für das nunmehr seit zehn Jahren bestehende Tourismusprojekt 2020 in Grenzen (-22 Prozent). Die Tourismanagerin Bianca Müller hofft auf ein Wiederanspringen des Tourismus nach der Pandemie, auch der zunehmend digitalisierten Vermarktung wegen.

"Der Internet-Auftritt kann sich sehen lassen", lobte Möhrlein. In Zukunft wolle man "nicht nur auf Bierwanderer und die bürgerliche Mitte" zielen, sondern auch neue Gästegruppen erschließen. Es gelte daher, den klassischen Mallorca-Urlauber für heimatnahe Ziele zu gewinnen. Optimierte Wanderwege wie der Fränkische Marienweg, der auf 2000 Kilometern unter-, mittel- und oberfränkische Wallfahrtsorte verbindet und damit der längste Wanderweg Deutschlands ist, laden dazu ebenso ein wie Mountainbike-Trails rund um Litzendorf mit integrierter Pumptrackanlage und einem blühenden Jura. Die Maßnahmen mit einem Investitionsvolumen von ca. 40 000 Euro für das nächste Jahr wurden einstimmig gebilligt.

Wolfgang Heyder rief in seinem Abschlussstatement dazu auf, die Bewohner von Pflegeheimen besser zu schützen. Es seien im Umland mehrere über 70-Jährige gestorben wegen mangelnder Vorsorge. Auch Litzendorf war mit einigen Infizierten betroffen. Der SPD-Gemeinderat appellierte an den Rathauschef, seinen Einfluss im Kreistag geltend zu machen, um Abhilfe zu schaffen.

Zudem wurde der Bauantrag für den Umbau des Schulhauses zu einem dreigruppigen Kindergarten und einem zweigruppigen Kinderhort durchgewunken, ebenso wie der Bebauungsplan "Aufseesianische Wiesen" .