Zwei Beleidigungen, Geldfälschung und ein fahrlässiger Vollrausch. Am Amtsgericht Bamberg entkommt ein 35-jähriger Mann aus Bamberg nur knapp einer längeren Gefängnisstrafe. Ihn rettet nur seine Sucht und ein Deal aller Beteiligten, der den Prozess deutlich vereinfacht und beschleunigt. Immerhin war es um die Störung des öffentlichen Friedens durch das Androhen von Straftaten gegangen, kurz Bombendrohungen.

Die Aufregung in der US-Botschaft in Berlin in den frühen Morgenstunden jenes 3. Juni ist groß. Gerade hat ein Mann namens "Jesus" mit unterdrückter Nummer im Generalkonsulat in Frankfurt am Main angerufen. Durch eine Rufweiterleitung kommt er in der Zentrale an der Spree heraus. Durch den Hörer kann man schlimme Drohungen vernehmen. "Ich bin von deutsche Regierung angeklagt. Ich muss nach Amerika. Wenn du mich nicht hilfst, ich sprenge die Polizeistation in die Luft."

Behörden in Alarmbereitschaft

Bei späteren Anrufen droht die männliche Stimme, die sogar ihren richtigen Namen nennt, auch noch mit einer Bombe in einer Kindertagesstätte. Auch bei der Deutschen Botschaft in Washington klingelt es. Auch hier soll sich ein Sprengkörper befinden. Auf die Frage, wie er denn von Bamberg aus diesen zünden wolle, heißt es: "Denken Sie, dass ich keine Connections habe? Ich habe Waffen, ich habe Drogen, ich habe alles".

Sofort nehmen die Sicherheitsmaßnahmen ihren Gang. Amerikanischer Secret Service, Landeskriminalamt Berlin, Bundespolizei Bamberg, sie alle sind in Alarmbereitschaft. Da er Bamberg nennt, gehen deutsche und amerikanische Behörden von Anschlagsplänen dort aus. Es kommt zu aufwendigen Schutzmaßnahmen. "Sie binden damit Kräfte, die anderweitig gebraucht werden", ärgerte sich der Vorsitzende Richter Matthias Bachmann. Er habe mit der unüberlegten Aktion drei Tage lang die Dienststellen beschäftigt.

Glücklicherweise passiert aber nichts. Was daran liegen könnte, dass der Anrufer unter der Wirkung von mehr als zehn Bier und zwei Flaschen Wodka steht, die er in kurzer Zeit in sich hineingeschüttet hat. Über drei Promille sind die Folge. "Das war dummes Gelaber. Ich weiß nicht, was ich mir dabei gedacht habe".

Alkohol- und Drogenprobleme

Wie der Gerichtspsychiater Christoph Mattern aus Bayreuth erklärte, könne es nicht nur mit Alkohol- und Drogenproblemen, sondern auch mit der dissozialen Persönlichkeitsstörung zu tun haben. Der Fachmann geht jedenfalls von einer aufgehobenen Steuerungsfähigkeit aus. Damit der Angeklagte nicht straflos davonkommt, gibt es den Auffangtatbestand des fahrlässigen Vollrausches.

Wie sich im Laufe der Ermittlungen ergibt, hat der Angeklagte tatsächlich am Tag nach den Drohanrufen einen Prozess wegen Beleidigung zweier Polizeibeamter in einer Pizzeria in Bamberg am Amtsgericht Bamberg. Offenbar will er sich kurzfristig zu seinem Vater in die Vereinigten Staaten absetzen und braucht ein Visum. Angesichts des meterlangen Vorstrafenregisters, das Richter Bachmann aus Zeitgründen gar nicht vollständig vorliest, ist das keine Überraschung. Da finden sich Vermögensdelikte, wohl Beschaffungskriminalität wie Diebstahl und Betrug, Sachbeschädigung und Computerbetrug.

Und es finden sich Gewaltdelikte, die augenscheinlich mit den Folgen des Drogenmissbrauchs zusammenhängen: Hausfriedensbruch, Nötigung, Bedrohung und Beleidigung, zuletzt aber auch gefährliche und vorsätzliche Körperverletzung. Deshalb fällt es Staatsanwalt Johannes Bartsch auch so schwer, dennoch einer Bewährungsstrafe zuzustimmen. "Ich mache das nur, weil ich auf eine komplette Kehrtwende in Ihrem Leben hoffe".

Als man am 4. Juni beim Angeklagten in der Folge die Wohnung durchsucht, finden die Polizisten 20 falsche Zehn-Euro-Geldscheine. Die habe er sich bei einem Versandhandel in China bestellt, um es für Monopoly zu verwenden, so der Angeklagte. Was ihm niemand im Saal glauben wollte. Seit jenem Tag sitzt der Angeklagte in der JVA Bayreuth in Untersuchungshaft. Die kann er wohl demnächst verlassen. Vier Jahre lang dauert dann die Zeit, in der sich der Angeklagte mit Unterstützung eines Bewährungshelfers straffrei verhalten muss.

Engmaschige Auflagen

Auf Vorschlag der beiden Verteidiger Maximilian Glabasnia und Jörg Händler werden engmaschige Auflagen und Weisungen verhängt. Damit haben sie eine erneute Haftstrafe abwenden können. Dazu gehören: ein fester Wohnsitz des Angeklagten bei seiner Verlobten im Landkreis Bayreuth; die Durchführung einer mehrmonatigen stationären Therapie; anschließend das Bemühen um eine Erwerbstätigkeit; sowie das Verbot von Besitz und Konsum von Alkohol, Drogen und ähnlichen Stoffen. Das soll in Urin-, Haar- und Bluttests auch kontrolliert werden. Damit sich das Ganze nicht noch einmal wiederholt.