Freudestrahlend deckt Michl ein Bild von der Kegelbahn auf, während seine ältere Schwester Anni ein Kärtchen mit darauf abgebildeten Musikinstrumenten entdeckt hat. Die Jüngste im Bunde, Krippenkind Ida, betrachtet derweilen versonnen ihr Kärtchen, auf dem Puppen und Teddys zu sehen sind. Die drei Geschwister haben es sich an diesem Montagvormittag mit ihrer Mama Katrin Kolb im heimischen Spielzimmer gemütlich gemacht. Die vier sitzen an einem Tisch, auf dem insgesamt 32 Kartenpaare eines Memory-Spiels liegen. Für die Pärchen-Suche drehen sie reihum immer zwei Kärtchen nacheinander um. Bei jedem neuen Motiv sprudelt es aus den beiden Mädchen und ihrem Bruder nur so heraus: Das ist in der Goldtaler-Gruppe, das ist im Garten, das ist unser Turnraum.

"Die Corona-Krise bringt die Kinder und ihre Familien in eine absolute Ausnahmesituation", zeigt sich Gertrud Schubert, die Leiterin der katholischen Kindertagesstätte St. Laurentius Neufang, sicher. Vielen Eltern falle es von Tag zu Tag schwerer, die Zeit zu Hause zu gestalten. Das Kita-Team habe sich daher eine Reihe von Aktionen für einen kreativen Zeitvertreib für zu Hause ausgedacht, so auch ein Familien-Memory mit Kindergarten-Motiven.

Hierfür hat das Team Bilder vom Außen- und Innenbereich der Einrichtung gemacht und daraus von einem Fotoverlag ein Memory mit 5,5 mal neun Zentimeter großen Kärtchen anfertigen lassen. Alle insgesamt 60 Familien, aus denen ein Kind oder mehrere Kinder die Kita besuchen, wurden mit jeweils einem Exemplar bedacht.

Spiel für die ganze Familie

"Uns ist es sehr wichtig, weiterhin in Kontakt mit den Familien zu bleiben. Wir haben innovative Lösungen entwickelt, um das Gefühl der Gemeinschaft aufrechtzuerhalten", betont die Leiterin. Das Memory sei für die ganze Familie gedacht. Die Kinder sollen sich beim Spielen an die Kita erinnern und ihren Eltern aus ihrem Kindergartenalltag erzählen.

Dass dem tatsächlich so ist, wird bei der Familie Kolb schnell deutlich. Die fünfjährige Anni verrät, wie sehr sie ihre Freundinnen Marie, Carla, Antonia und Lara vermisst. Auch ihr zwei Jahre jüngerer Bruder hofft, bald wieder mit seinen Freunden in der Kita mit Legosteinen bauen zu können. Die knapp zweijährige Ida besucht erst seit kurzem die Krippe. "Sie hatte sich gerade gut eingewöhnt. Dann kam Corona", bedauert Katrin Kolb. Die Dreifach-Mama gibt sich sehr viel Mühe, um ihren Kindern den Alltag so abwechslungsreich wie möglich zu gestalten. Dabei hat sie auch einige Gewohnheiten der Kita übernommen - so beispielsweise den täglichen Morgenkreis, um den Tag gemeinsam zu beginnen.

Am Anfang sei es noch relativ leicht gewesen, die Kinder zu unterhalten und bei Laune zu halten. "Mit der Zeit wird das jedoch immer schwerer, da ihre Motivation nachlässt. Sie sehen halt Tag für Tag immer dieselben Personen und sie vermissen ihre Freunde aus dem Kindergarten", erzählt sie. Momentan sei das Wetter schön, so dass sie im Garten spielen könnten. Aber bei länger anhaltendem schlechten Wetter sei einem bisweilen schon mal die Decke auf den Kopf gefallen. Umso dankbarer zeigt sie sich über all die netten Ideen, mit denen sie der Kindergarten von Zeit zu Zeit überrascht habe. "Wir haben uns immer riesig gefreut, wenn ein Brief kam oder eine kleine Überraschung an der Haustüre hing", würdigt Katrin Kolb.

Zu den netten Ideen zählten beispielsweise ein Osterbrief zum Osterfest mit einer kleinen Bastelanregung, eine vom Team gebastelte Hüpfstraße mit bunten Feldern, wie sie die Kinder auch vom Kindergarten her kennen, und eben auch das Familien-Memory. Natürlich wurde zum Muttertag auch an die Mamas gedacht. Diese durften sich ebenso über ein kleines Geschenk freuen wie die Geburtstagskinder der "kindergarten-freien" Zeit. Zudem riefen die Mitarbeiterinnen bei jeder Familie an und erkundigten sich, wie es ihnen ergehe. Mit alledem möchte man den Kontakt zu den Familien aufrechterhalten, Kindern wie Eltern eine Freude bereiten und die Eltern auch ein Stück weit im Alltag unterstützen.

Familien zeigen sich dankbar

"Wir haben von den Familien viele ganz liebe positive Rückmeldungen bekommen - kleine Videos, Fotoalben oder auch Briefe, in denen die Kinder berichten beziehungsweise zeigen, wie sie die Corona-Zeit daheim verbringen. Wir haben uns sehr darüber gefreut", bekundet die Leiterin, die mit ihrem Team bis zum Wiedersehen in der Kita die Stellung hält. Hier gibt es derzeit eine Notbetreuung mit einer täglich variierenden Anzahl an Kindern. Zudem sind die Mitarbeiterinnen weiterhin für Fragen und Anliegen aller Eltern telefonisch erreichbar.

Der größte Wunsch des Teams ist es, dass die Corona-Zeit bald vorbeigeht. Sie alle freuen sich sehr darauf, bald wieder in einer voll besetzten Einrichtung zusammen mit den Kindern singen, lachen, quatschen, turnen, basteln und lernen zu können - und natürlich auch gemeinsam Memory zu spielen.