"Das ist meine frühere Verlobte", stellte Klaus Möß "seine" Irene dem Stadtpfarrer Georg Birkel vor und freute sich wie ein frisch Verliebter. Dabei zählt er bereits 85 Jahre, Irene nur ein Jahr weniger. Beide sind schon 65 Jahre miteinander verheiratet - und konnten am Donnerstag eiserne Hochzeit feiern.

Nicht ganz so wie geplant: Die Gäste, die das Jubelpaar in ihrer gemütlichen Wohnung im Quellenhof besuchten, konnten coronabedingt nur zeitlich versetzt und höchstens paarweise kommen. So war es Bürgermeister Jürgen Kohmann, der mit dem stellvertretenden Landrat Helmut Fischer mit Blumengrüßen und Präsenten den Auftakt machte. Einen guten Tropfen und ein Buchgeschenk überreichte Pfarrer Birkel.

Geboren wurden die Jubilare in Düsseldorf. Beide waren von klein auf begeisterte Sportler. So verwundert es nicht, dass sich Irene Matenka und Klaus Möß bei einer Sportlerehrung kennen- und lieben lernten. Da waren der Judo-Europameister und die niederrheinische Meisterin im Schwimmen gerade mal 19 und 18 Jahre alt. Der Sport sollte von da an ihr gemeinsames Leben prägen. Irene erlernte den Beruf der Buchhalterin, Ehemann Klaus studierte erst einige Semester Theologie, später wechselte er in den kaufmännischen Bereich. Neun Jahre war Klaus Möß auch im Staatsdienst, machte sich als Ausbilder bei der Bereitschaftspolizei einen Namen.  Er, der sich auch nach all den Jahrzehnten noch immer einen Spaß daraus macht, zwei Schreibweisen seines Namens zu haben - und damit auf verblüffte Gesichter zu treffen. In seinem Ausweis - wie auch in dem von Irene - steht der Nachname einmal mit oe und ss , einmal mit ö und ß. "Das scharfe s gibt es in Spanien nicht, es kommt denen vor wie ein b", erzählt er fröhlich. Als die Familie für einige Jahre in der Nähe von Aliante lebte, wurde sie von den Einheimischen folglich schlicht Familie "Moob" genannt. Auch wenn sich die Eheleute dem Beruf und später der Erziehung der Kinder widmeten, führte sie der Sport fast um die ganze Welt. Mit Ausnahme von Australien lief Sportler Klaus in allen Erdteilen. Marathonläufe, Wettkämpfe im Judo und Straßengehen, Hallengehen - Klaus Möß holte sich einen nationalen, Europa- und Weltmeistertitel nach dem anderen. Noch mit 70 Jahren - das war 2005 - holte sich Klaus Möß die Bronzemedaille bei den deutschen Meisterschaften im Hallengehen über 3000 Meter. Die Kiste mit den Medaillen  steht im Wohnzimmerregal: 20 Kilo wiegt sie.

Rekordverdächtig war auch das Geschenk für seine Gattin Irene: für jedes Ehejahr eine langstielige rote Rose. Das rührte die Jubelbraut zu Tränen. Krankheitsbedingt leicht körperlich eingeschränkt genießt Irene Möß mit ihrem Mann dennoch die regelmäßigen Besuche in Staffelsteiner Cafés und in der Eisdiele. Dass man 1981 von Düsseldorf nach Oberfranken umzog, war richtig: "Es ist die schönste Ecke Deutschlands!", betont Klaus. Mit den Kindern Bernhard, Monika, Manuela und den sechs Enkeln und vier Urenkeln wird später gefeiert. ds