Wegen Zwangsprostitution hat das Amtsgericht Bamberg einen Bulgaren zu 21 Monaten Freiheitsstrafe auf Bewährung verurteilt. Der 41-Jährige hatte eine Landsfrau gezwungen, als Prostituierte weiterzuarbeiten. Zudem muss er 900 Euro Geldauflage an das Frauenhaus Bamberg zahlen. Er konnte nach mehr als sechs Monaten Untersuchungshaft in der JVA Bamberg den Gerichtssaal als freier Mann verlassen.

Aus der Not geboren

Der Lebensgefährte sitzt hinter Gittern. Gut bezahlte Arbeit gibt es für die gelernte Krankenschwester in der Großstadt kaum. Ihre wirtschaftliche Lage im Norden Bulgariens wird immer dramatischer. Im Herbst letzten Jahres entschließt sich Vicky R. (Name geändert), nicht mehr nur auf dem heimischen Straßenstrich zu stehen, sondern in Deutschland ihr Glück zu suchen. Ein "Freund" bringt sie nach Bamberg. Hier soll sie "anschaffen" gehen. In einem heruntergekommenen Bordell inmitten eines Gewerbegebietes bietet die 29-jährige Frau ihren Körper an. Zwei oder drei Monate will sie bleiben, bis sie genügend Geld beisammen hat. Außerdem will sie ihre Kinder nicht so lange alleinlassen.

Nur dass ihr "Freund" da nicht mitmachen will. Im Dezember ahnt der Zuhälter, dass ihm sein blonder Goldesel abhanden zu kommen droht. Kurzerhand nimmt er Vicky R. den Ausweis und ihre Einnahmen ab. 700 Euro täglich sollen es gewesen sein. "Da sieht man mal, was Sie an ihr verdient haben", so Richterin Christine Schäl zu dem Angeklagten. Mehrere Wochen lang sieht Vicky R. von dem Geld keinen einzigen Cent mehr. "Sie haben ihre hilflose Lage ausgenutzt und das ganze Geld eingestrichen", so Staatsanwalt André Libischer.

Wachsende Verzweiflung

Die Verzweiflung bei Vicky R. wächst. Zumal sie weder Deutsch noch Englisch kann und mitunter gar nicht weiß, wo sie sich gerade befindet. Denn wöchentlich bringt ihr Lude sie in andere Etablissements. Mal nach Coburg, dann nach Aschaffenburg, auch schon mal nach Kaiserslautern. Er ist, das zeigen die Geo-Daten seines Smartphones, stets an ihrer Seite. Offiziell als Fahrer, wohl aber eher als Aufpasser. Die Kundschaft kommt aufgrund einschlägiger Internet-Portale, auf denen die professionellen Sex-Arbeiterinnen schönfärberisch als "Taschengeld-Ladys" und "Hobby-Huren" angepriesen werden.

Unverhoffte Rettung

Im Januar dann naht die unverhoffte Rettung in Gestalt einiger Polizeibeamter der Kripo Bamberg. Sie führen eine Kontrolle in dem Bordell in Bamberg durch. Was aussieht wie ein Routinebesuch, ist eigentlich ein Befreiungsversuch. Eine Kollegin Vicky R.s hatte den Behörden in Mettmann/NRW vom Schicksal ihrer Landsfrau erzählt. Die werde gegen ihren Willen festgehalten. "Unter einem Vorwand haben wir sie aus dem Haus gebracht", so der Ermittler. Freilich gibt Vicky R. der Polizei gegenüber an, nicht mit Drohungen oder Gewalt an der Ausreise gehindert worden zu sein. Möglicherweise weil sie ahnt, dass der Angeklagte ihr eines Tages im gemeinsamen Wohnort in Bulgarien wieder über den Weg laufen würde. "Sie war aber froh und erleichtert, dass sie nicht mehr zurück musste", so der Kripo-Beamte.

Vor Strafrichterin Schäl räumte der äußerst schweigsame Angeklagte die Vorwürfe über seinen Rechtsanwalt mit einem einzigen Satz ein. Zu Komplizen und Hintermännern fiel aber kein Wort. "Dieses Geständnis ist trotzdem sehr viel wert", so sein Pflichtverteidiger Thomas Gärtner aus Bamberg. Es sei schon fraglich, ob die beiden bulgarischen Prostituierten als Zeuginnen nach Bamberg eingereist wären.

Nicht vorbestraft

Da der Angeklagte bislang nicht vorbestraft ist und bereits über ein halbes Jahr hinter Gittern gesessen war, kam er mit einer Bewährungsstrafe davon. Ein teures Smartphone und 700 Euro Bargeld aus seiner Jogginghose kommen der Staatskasse zugute. Er reiste kurz nach der Urteilsverkündung Richtung Heimatland ab.