Die Kirchweih ist seit eh und je zünftig gefeiert worden in Haßlach bei Kronach, das 1975 im Rahmen der Gebietsreform seine Selbstständigkeit verloren hat und in die Einheitsgemeinde Stockheim integriert wurde.

Ein aussagestarkes Foto aus dem Jahre 1920 vor dem "Doppelshaus" mit der Hausnummer 8, das damals mit Schiefer verkleidet war, dokumentiert diesen alten Brauch des Kirchweihplantanzes recht eindrucksvoll. Zu jener Zeit - am 20. Juni vor einhundert Jahren - sorgte eine Kirchweihgesellschaft für den rechten Schwung. Der mächtige Kirchweihbaum durfte bei dem frohen Treiben nicht fehlen. Und die Plantänze standen in den zwanziger Jahren des vorigen Jahrhunderts ohnehin hoch im Kurs. Denn schließlich bot das bescheidene, von schwerer Arbeit geprägte Alltagsgeschehen wenig Abwechslung.

Zwei Jahre nach dem Ersten Weltkrieg (1914-1918), der mit 17 Millionen Kriegsopfern einen enorm hohen Blutzoll forderte, kehrte so etwas wie Normalität in die Dorfgemeinschaft ein. Damals trauerte man in Haßlach um die vier Gefallenen Johann Nikolaus Schirmer, Georg Müller, Johann Fugmann und Joseph Fehn. Ein Gedenkstein aus norwegischem Granit im örtlichen Gotteshaus St. Johannes der Täufer erinnert an die Opfer beider Weltkriege mit 27 gefallenen und vermissten Soldaten. Die Initiatoren dieser bemerkenswerten Aktion waren Georg Heinlein und Helmut Bittruf.

Es ist schon beachtlich, dass es im Jahre 1920 in dieser Dorfgemeinschaft zu einem Plantanz gekommen war. Haßlach damals mit gerade mal 31 Häusern zählte lediglich 276 Einwohner. Als Bürgermeister amtierte Michael Kestel (1919 bis 1929). Ein Großteil der Männer schuftete in den Steinkohlengruben von Stockheim und Reitsch. Ebenfalls boten die Champagnerflaschenfabrik Sigwart und Möhrle in Stockheim sowie die Gundelsdorfer Ziegelei Arbeitsmöglichkeiten. Und die Frauen waren vor allem mit Heimarbeit beschäftigt.

Lediglich die Haßlacher Mühle, in unmittelbarer Nähe des Schlosses erbaut und 1523 erstmals urkundlich erwähnt, nahm hinsichtlich der Bauweise eine Sonderstellung ein: Kleine, geduckte Häuser dominierten. Gelegenheitsarbeit gab es beim Mühlenbesitzer Wolfgang Hoh (1864-1941) in der seit 1773 grundlegend erneuerten Schneidmühle. Abwechslung gab es besonders auf dem Haßlachfluss mit den Floßknechten, die ihre bis zu 18 Meter langen Holzverbände gen Kronach wagemutig durch das Haßlacher Wehr steuerten, das wegen des Hochwassers 1918 total erneuert werden musste.

Wiederaufleben in den 50ern

Die Inflation von 1923, die Weltwirtschaftskrise von 1929, die anschließend hohe Arbeitslosigkeit sowie der Zweite Weltkrieg ließen in der Haßlacher Dorfgemeinschaft kaum Freude aufkommen. Erst ab den fünfziger Jahren wurde die Haßlacher Kerwa erneut zum magischen Anziehungspunkt für Jung und Alt mit legendären Kirchweihtänzen im Saal Detsch. Zum Ritual zählte es, dass nach ausgiebigen Tanzeinlagen in den Morgenstunden die Stockheimer Jugend auf der Schwalbswiese am Stockheimer Ortseingang sich temperamentvolle Fußballschlachten lieferten.

Im Jahr 1978 bekamen dann die Haßlacher ihr Gotteshaus. Nur durch gemeinsame Anstrengung konnte am 18. Juni 1978 unter großer Beteiligung der Bevölkerung die St. Johanneskirche - Filialkirche der katholischen Pfarrei Neukenroth - durch Weihbischoff Martin Wiesend feierlich konsekriert werden. Große Verdienste um die Realisierung hat sich der Kirchenbauverein - er ist 1967 im Gasthof Deutscher Hof wieder gegründet worden - mit seinen beiden Vorsitzenden, dem Geistlichen Rat Karl Vollmer und Georg Heinlein, erworben. Als Schatzmeister fungierte Walter Biesenecker, Schriftführer war Franz Kestel.