Eine Spur der Verwüstung hinterließen zwei Jugendliche aus dem Landkreis Bamberg in Altendorf, Hirschaid und Buttenheim. Im August 2019 besprühte das Duo wahllos Hauswände und Baustellenschilder, Skulpturen und Brückenpfeiler und richtete dabei an zwei Dutzend Tatorten einen Sachschaden von geschätzt 115 000 Euro an. Nun mussten sich beide vor dem Amtsgericht Bamberg verantworten.

Den Anfang nimmt der farbige Exzess am frühen Abend am Sportplatz in Altendorf. Dort hat Steve (Name geändert) in einem Rausch aus Alkohol, Haschisch und Schmerzmitteln die Idee zu dem Streifzug. Er bricht in einen dort herumstehenden Bauwagen ein, aus dem er neun Spraydosen und einige Latexhandschuhe mitnimmt.

Sogleich nutzt er die Gelegenheit, um den Bauwagen, die benachbarte Skater-Rampe, ein Bushäuschen und ein Stück Straße zu "verzieren". Danach folgen ein Grüngut-Container, ein Brückenpfeiler und ein Sandsteinmäuerchen im Egloffsteiner Ring.

In einer Kneipe in Altendorf trifft Steve am späten Abend auf seinen früheren Klassenkameraden Mark (Name geändert). Der kommt gerade vom Annafest in Forchheim. Mit ihm zusammen macht er sich auf den Weg nach Hirschaid. Erst aber bekommen ein Radlader, einige Schilder und Absperrungen an einer Baustelle sowie ein dort parkender Sattelzug in der Frankenstraße einen neuen Anstrich.

Weder System noch Sinn

An den Schienen entlang geht es nach Hirschaid, nicht ohne noch ein Verkehrszeichen der Deutschen Bahn unlesbar zu machen. Dann machen sich die beiden Jugendlichen über das Jugendzentrum, die Fassade des Energieparks und einige Baustellenschilder her. Staatsanwältin Lea Klautke sah in der ganzen Aktion weder System noch Sinn.

Jede jungfräuliche Oberfläche scheint sie magisch anzuziehen. Ob es eine Mauer vor einer Anwaltskanzlei in der Bamberger Straße ist, eine Vitrine für Busfahrpläne in der Maximilianstraße oder das Schaufenster einer Apotheke in der Luitpoldstraße; überall hinterlassen sie ihre Handschrift. Wobei sie nicht gerade besonders clever vorgehen. Können die Ermittler am Folgetag doch die Initialen der beiden Graffiti-Schmierer herauslesen. Auch die Vornamen ihrer Ex-Freundinnen prangen an den Wänden.

Die Luitpoldstraße wird mit einem Zigarettenautomaten, einem Telekom-Verteilerkasten, einem parkenden Pkw, der Eingangstüre einer Brauereigaststätte, einem Flussschild sowie weiteren Schaufenstern und dem denkmalgeschützten "Haus der Bäuerin" besonders stark heimgesucht.

So wie der Park, in dem nicht nur ein Lichtmast und eine Kunst-Skulptur, sondern auf der Brücke auch der für Hirschaid symbolische Hirsch in ganz neuen Farben erstrahlen. All das wird von der Öffentlichkeit genutzt. Damit zählt es als gemeinschädliche Sachbeschädigung.

Als die ehemaligen Schüler die Grund- und Mittelschule Hirschaid erreichen, toben sie sich an ihrem "Hauptziel" aus. Es scheint keine glückliche Zeit gewesen zu sein, und auch keine erfolgreiche, wie man an dem Schriftzug "Scheiß Schule" und den zahlreichen Schreibfehlern ersehen kann. So wird jemand aus der Schule etwa als "pedophiler Hurensohn" bezeichnet.

Das wird später vom Vorsitzenden Richter Martin Waschner als Beleidigung gewertet. Auch ein "Hail Hitler" und das eine oder andere Hakenkreuz stechen ins Auge.

Das wurde als Verwenden von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen bestraft.

Nach dem Farb-Marathon ist zumindest Mark erschöpft und macht sich auf den Heimweg. Steve aber zieht es noch nach Buttenheim.

In der Schillerstraße fallen seiner kreativen Phase auch noch ein parkendes Fahrzeug und ein Telekom-Verteilerkasten zum Opfer. Dann ist ein Großteil der Spraydosen leer. Den Rest nimmt er mit nach Hause und legt sich schlafen. Als man kurz darauf seine Wohnung durchsucht, wird man noch Farbe an seinen Händen und seiner Kleidung finden. Außerdem ein Skizzenbuch. "Er hat sich in dieser Nacht sein ganzes Leben versaut", so Rechtsanwalt Andreas Dräger aus Strullendorf. Immerhin stehen Sachschäden von rund 115 000 Euro im Raum, die das Duo, wenn überhaupt, dann jahrzehntelang abstottern muss.

Ein halbes Jahr nach dieser "Scheiß-Idee" wird Steve als Tankstellenräuber in Strullendorf, Baiersdorf und Hirschaid zuschlagen. Dafür hat er am Landgericht Bamberg im Juli 2020 vier Jahre und vier Monate Jugendstrafe bekommen (wir berichteten).

Nun legte das Jugendschöffengericht noch einmal sechs Monate obendrauf. Praktische Folgen hat das angesichts der rund zweijährigen Unterbringung in einer Entziehungsanstalt aber keine. Denn nach erfolgreicher Therapie im Bezirksklinikum Bayreuth wird Steve auf Bewährung freikommen.

Geldauflage

An seinen "Mitläufer" Mark werden sich die Geschädigten hauptsächlich halten. Das befürchtet Rechtsanwältin Mareen Basler aus Bamberg. Denn der habe eine Arbeit und damit pfändbares Einkommen. "Ich will dafür geradestehen", so Mark. Anfangen kann er mit den 1000 Euro Geldauflage, die das Jugendschöffengericht als Zuchtmittel verhängt hat. Um die Erstattung der Schäden nicht zu gefährden, verzichtete man auf einen Freizeitarrest.