von unserem Mitarbeiter Peter Groscurth

Forchheim — Den Unternehmen in und um Forchheim geht es prächtig. Von Krise keine Spur - auf diesen kurzen Nenner lassen sich die Ergebnisse der jüngsten Konjunkturumfrage der IHK Oberfranken-Bayreuth bringen. "Die aktuelle Geschäftslage zieht auf hohem Niveau noch einmal an und wird entgegen dem Bundestrend sogar besser als im Frühjahr eingeschätzt", erklärt Michael Waasner, IHK-Vizepräsident und Vorsitzender des IHK-Gremiums Forchheim.
Nur aufgrund der leicht rückläufigen Geschäftserwartungen sinkt der IHK-Konjunkturklimaindex moderat um sieben auf 117 Punkte. 37 Prozent der Unternehmen bewerten die Geschäftslage positiv, kein einziges der befragten Unternehmen gibt an, dass die Lage schlecht sei. Der Rest zeigt sich wenigstens zufrieden mit den Umsätzen. "Eine so zufriedene Stimmung unter den Befragten ist wirklich herausragend", sagt Oberfrankens IHK-Präsident Heribert Trunk.
Die erwartete Geschäftslage wird sich nach Einschätzung der 40 befragten Forchheimer Firmen kaum ändern. Rund zwei Drittel erwarten eine gleichbleibende Geschäftslage. Für IHK-Vize Waasner ist klar: "Die Wirtschaftsregion Forchheim ist stark aufgestellt und nicht leicht zu erschüttern."
Größtes Plus des Standorts ist die enorm hohe Exportquote der Firmen mit über 75 Prozent (in Oberfranken liegt der Wert bei rund 49 Prozent). Zu diesem Ergebnis trage vor allem Siemens mit seinen Medizin-Produkten bei, fügt Waasner an.
Trotz all der guten Prognosen gibt es aber auch Sorgenfalten bei den Verantwortlichen der IHK. Heribert Trunk nennt in diesem Zusammenhang den enormen Mangel an Fachkräften in der Region: "Allein in Oberfranken fehlen 20 000 gut ausgebildete Arbeitskräfte. Fast ausschließlich handelt es sich dabei um Facharbeiter, weniger um Akademiker."
Er sieht vor allem die Ausbildung junger Menschen als Chance, den Facharbeitermangel in den Griff zu bekommen. Zudem plädiert er dafür, Jugendliche aus ärmeren europäischen Ländern nach Oberfranken zu holen. Trunk: "Wir müssen uns in diesem Punkt vor allem darum kümmern, dass die jungen Leute am besten schon in ihrer Heimat Deutsch lernen. Hier stehen wir aber noch am Anfang unserer Bemühungen."

Innenstädte unter Druck

Handlungsbedarf sehen Trunk und Waasner auch beim Einzelhandel im Landkreis. Noch immer sind dort am meisten Menschen beschäftigt. Zwischen 2007 und 2013 stieg die Zahl der Beschäftigten um rund 13 Prozent auf 2400. Beim Einzelhandel müsse aus Sicht der IHK mit strategischen Konzepten angesetzt werden.
Die sollen dafür sorgen, dass die Innenstadtentwicklung nachhaltig gestärkt werde. Fakt ist: Gerade der klassische Einzelhandel gerät stark unter Druck. Immer mehr Onlinehandel und immer mehr Fachmärkte sowie Einkaufszentren - gut erreichbar mit reichlich Parkplätzen - machen den Geschäftsleuten zu schaffen. "Der Einzelhandel ist auch Motor der Innenstädte. Hier müssen wir mit allen Beteiligten neue Lösungswege finden", fordert Trunk. Denn gerade Forchheim habe eine enorme Vielfalt an Geschäften in einem attraktiven Umfeld. "Die Stadt kann sich sehen lassen und hat großen Charme. Den gilt es auf jeden Fall zu erhalten", fügt er an.